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18.04.2011

16:34 Uhr

Konzertpause

Das Philadelphia Orchestra meldet Konkurs an

Es ist eines der besten Orchester der Welt kann den Betrieb nicht mehr finanzieren. Das Philadelphia Orchestra versuchte sogar, per musikalischen Protest den Konkurs aufzuhalten - vergeblich. Doch noch gibt es Hoffnung.

Das hoch verschuldete Orchester unter der Leitung von Chef-Dirigent Charles Dutoit will seine geplanten Konzerte zunächst fortsetzen. Quelle: dpa

Das hoch verschuldete Orchester unter der Leitung von Chef-Dirigent Charles Dutoit will seine geplanten Konzerte zunächst fortsetzen.

New York/DüsseldorfWährend oben in der Anwaltskanzlei abgestimmt wurde, spielten unten in der Lobby ein paar Musiker Samuel Barbers „Adagio for Strings“. Doch der Protest mit dem traurigen Streicherstück, dass jeden Tag irgendwo auf Beerdigungen gespielt wird, half nichts: Der Verwaltungsrat des Philadelphia Orchestras stimmte an diesem Samstag für einen Konkursantrag des 111 Jahre alten Ensembles. Das Orchester, eines der „Big Five“ der USA und eines der besten der Welt, ist pleite.

Seit 1900 gibt es in der Stadt der Unabhängigkeitserklärung das Orchester und es war eines der „deutschesten“ in der deutsch geprägten Klassikszene der USA. Gegründet wurde es von dem Ostholsteiner Fritz Scheel, der sich, so hieß es, so für seine Musiker verausgabte, dass er schon mit 54 Jahren starb. Die Probensprache war Deutsch, auch als das Orchester vor Präsident Theodore Roosevelt spielte.

Das blieb auch unter Scheels Nachfolger, dem Franz-Liszt-Schüler Karl Pohlig, so. Aber berühmt machte Leopold Stokowski das Orchester, mit dem er hunderte Platten aufnahm. Die Musik für Walt Disneys legendären Film „Fantasia“ wurde hier eingespielt. Schließlich war es Eugene Ormandy, der von 1938 bis 1980 das Philadelphia Orchestra leitete und es endgültig zu Weltruhm führte.

Für seine Nachfolger Riccardo Muti und die beiden Deutschen Wolfgang Sawallisch (1993 bis 2003) und Christoph Eschenbach (2003 bis 2008) war es dann schon eine Ehre, Chefdirigent am Delaware River zu sein.

„Ein nationaler Schatz, kein lokaler“, urteilt die „New York Times“. „The Big Five“ nennt man die Weltklasseorchester in New York, Boston, Chicago, Cleveland und eben in Philadelphia, weil sie in der Musikszene einen außerordentlichen Ruf genießen. Fast komplett ohne staatliche Zuschüsse sammeln sie die Elite der Musikwelt, der es nicht selten eine Ehre ist, dort für ein Viertel oder Fünftel dessen zu spielen, was sie in Mailand, London oder Berlin bekommen würden.

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