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04.04.2011

12:12 Uhr

100. Geburtstag

Max Frisch, der streitbare Moralist

Der Schweizer Max Frisch ist einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Nachkriegszeit. Werke wie „Andorra“ wurden Weltliteratur - und spiegeln das zerrissene Verhältnis Frischs zu sich selbst und der Welt.

Der Schweizer Schriftsteller und Dramaturg Max Frisch im Jahr 1973. Quelle: dpa

Der Schweizer Schriftsteller und Dramaturg Max Frisch im Jahr 1973.

Zusammen mit Friedrich Dürrenmatt war Max Frisch einer der überragenden deutschsprachigen Schriftsteller der Nachkriegszeit. Der 1911 in Zürich geborene Frisch brach zunächst ein als unbefriedigend empfundenes Germanistikstudium ab, wandte sich der Architektur zu und eröffnete ein eigenes Büro. Erst nach dem Erfolg seines Romans „Stiller“ im Jahr 1954 arbeitete er als freier Schriftsteller, auf der Suche nach Identität, auch seiner eigenen. Der Einzelne und sein brüchiges Verhältnis zu sich selbst und zum Anderen, zur Gesellschaft und das verwirrende Beziehungsgeflecht in einer immer unverständlicheren Welt sind Themen, um die er kreiste.

Frisch galt als streitbarer Moralist und rechnete mit Vorurteilen und der politischen Wirklichkeit ab. Seine bekanntesten Stücke für das Theater sind wohl „Biedermann und die Brandstifter“ (1958), eine entlarvende Analyse des Spießbürgers, der, angepasst, das Eindringen des Bösen in seine Welt nicht wahrnehmen will und „Andorra“ (1961), das sich mit dem Antisemitismus auseinandersetzt. Nahezu in Vergessenheit geraten ist „Die Chinesische Mauer“ (1946), in dem Frisch die menschheitsvernichtende Gefahr der Atombombe in den Mittelpunkt rückt.

Berühmt wurden neben „Stiller“ seine Romane „Mein Name sei Gantenbein“ (1964) und „Homo Faber“ (1957). In letzterem wird der rationalitätsgläubige Ingenieur Walter Faber, geprägt vom technisch-wissenschaftlichen Weltbild, mit der unlogischen Macht des Schicksals konfrontiert und scheitert. Einen wesentlichen Bestandteil seines Oeuvres machen Frischs literarische „Tagebücher“ (1946-49 und 1966-71) aus, die autobiografische und fiktionale Elemente verknüpfen und in denen viele spätere Werke bereits skizzenartig angelegt sind. Weitere, 1982 begonnene Aufzeichnungen, wurden 2009 von Frischs Sekretärin entdeckt und unter dem Titel „Entwürfe zu einem dritten Tagebuch“ im vergangenen Jahr posthum veröffentlicht.

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