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04.10.2016

08:47 Uhr

1000. Tatort

Höllentrip im Taxi und Ausflug in TV-Geschichte

1000 Mal „Tatort“: Das Jubiläum seiner Krimi-Reihe feiert das Erste mit einem gemeinsamen Einsatz der Kommissare Lindholm und Borowski, in einer Folge die den Titel des allerersten „Tatorts“ trägt.

Hauptkommissar Paul Trimmel (r., Walter Richter) wird von Erich Landsberger (Paul Albert Krumm) mit der Pistole bedroht. dpa

Szene aus dem ersten Tatort „Taxi nach Leipzig“

Hauptkommissar Paul Trimmel (r., Walter Richter) wird von Erich Landsberger (Paul Albert Krumm) mit der Pistole bedroht.

HamburgMit dem Film „Taxi nach Leipzig“ fing die „Tatort“-Geschichte der ARD im November 1970 auf dem Bildschirm an. 46 Jahre später schickt das Erste wieder ein „Taxi nach Leipzig“: Unter jenem Titel ist am 13. November die 1000. Ausgabe der Krimireihe zu sehen.

Für den 1000. „Tatort“ schickt die ARD zwei ihrer Kommissare im „Taxi nach Leipzig“ auf eine Horrorfahrt – 46 Jahre nachdem die TV-Reihe mit dem Film „Taxi nach Leipzig“ begann.

Fakten zum Tatort

Der Vorspann

30 Sekunden mit spannender, hastiger Ohrwurmmusik, zwei Augen in Nahaufnahme, das rechte im Fadenkreuz, ein Mann, der abwehrend die Arme hebt, rennende Beine auf nassem Asphalt und ein Fingerabdruck, dessen Linie den Flüchtenden einkreist. Übrigens: Für die Titelmelodie spielte Udo Lindenberg Schlagzeug.

Der erste Fall

Der erste „Tatort“ war „Taxi nach Leipzig“, der am 29. November 1970 ausgestrahlt wurde. Der Hamburger Hauptkommissar Paul Trimmel (Walter Richter) musste einen deutsch-deutschen Mordfall klären. Der 1000. Tatort heißt ebenfalls „Taxi nach Leipzig“.

Die erste Kommissarin

Als erste Ermittlerin der Reihe schickt der Südwestfunk (SWF) 1978 Kommissarin Marianne Buchmüller (Nicole Heesters) mit „Der Mann auf dem Hochsitz“ ins Rennen. Bis 1980 gab es drei Folgen mit ihr.

Am längsten dabei

Dienstälteste „Tatort“-Ermittlerin ist Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), die seit 27 Jahren (erster Fall: 29. Oktober 1989) in Ludwigshafen Verbrecher jagt. Bisher gab es 64 Fälle, in den meisten war Kollege Mario Kopper (Andreas Hoppe) dabei.

Drehtage

In den siebziger Jahren wurde ein Tatort in fünf bis sechs Wochen gedreht. Heute sind es nur noch etwa vier.

Giftschrank

Einige wenige „Tatort“-Folgen dürfen nicht wiederholt werden. Sie haben senderintern einen Sperrvermerk. Die Gründe sind verschieden. So spielen bei „Wem Ehre gebührt“ verletzte religiöse Gefühle eine Rolle, bei „Krokodilwächter“ die große Brutalität im Film.

Der missglückte „Tatort“

Zu den Tiefpunkten der „Tatort“-Reihe zählen Kritiker die Fälle des Berliner Kommissars Ernst Roiter (Winfried Glatzeder, 1996-1998). Aus Kostengründen hatten die Folgen eine billig wirkende Optik. Zudem warf man den Filmen vor, zu sexistisch, brutal oder zu wirr zu sein. Die Quoten waren trotzdem passabel.

Die meisten Zuschauer

„Rot - rot - tot“ sahen am Neujahrstag 1978 mehr als 26 Millionen Menschen. Das entspricht einer Quote von 65 Prozent. In heutiger Zeit wäre das undenkbar.

Die meisten Toten

Die Folge „Im Schmerz geboren“ mit Ulrich Tukur als Felix Murot stellte einen Leichenrekord in der „Tatort“-Geschichte auf. In dem stark von Quentin Tarantino inspirierten Film zählten die Experten vom „Tatort-Fundus“ 51 Leichen – die meisten starben im Kugelhagel.

Die beliebtesten Ermittler

Die Münsteraner Boerne und Thiel (Jan Josef Liefers und Axel Prahl) sind das erfolgreichste „Tatort“-Team. Ihre Top-Quote von 13,63 Millionen Zuschauern erreichte kein anderes aktuelles Ermittler-Duo.

Zahl der Ermittler

Aktuell wird in 21 Städten ermittelt. In Hamburg sind sogar zwei Teams unterwegs. Es gibt sowohl Einzelgänger als auch größere Ermittlergruppen.

Besuch von Bond

Ex-Bond-Mime Roger Moore hatte einen Kurzauftritt in einer Bremer „Tatort“-Folge. Darin gab er Kommissar Stedefreund ein Autogramm.

Twitter-Tatort

Mehr als 9000 Tweets werden im Durchschnitt jeden Sonntagabend mit dem Hashtag #tatort verschickt. Bei der blutigen Ausgabe „Im Schmerz geboren“ waren es mehr als 20.000.

„Heute sind es Maria Furtwängler und Axel Milberg, die einen Höllentrip im Taxi erleben“, sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres bei der Vorstellung der Jubiläumsfolge am Dienstag in Hamburg. In der ersten Ausgabe ermittelte Walter Richter als Hamburger Kommissar Paul Trimmel.

Den 1000. Krimi der Reihe liefert wie den ersten damals der Norddeutsche Rundfunk (NDR), für den Milberg und Furtwängler im Einsatz sind. Die Hannoveraner Ermittlerin Charlotte Lindholm (Furtwängler) und ihr Kieler Kollege Borowski (Milberg) landen zusammen im Taxi, nachdem sie gerade ein Polizeiseminar verlassen haben. Im Taxi werden sie mit einem ehemaligen Elite-Soldaten (Florian Bartholomäi) konfrontiert, der sich nach seinem Einsatz in Afghanistan an seiner Ex-Freundin rächen will, bevor diese einen seiner Kameraden heiratet. Das Duo wird zu Geiseln und gefesselt auf der Rückbank sitzend wissend sie: Gelingt es ihnen nicht, den Fahrer zu stoppen, sterben sie.

Die zehn erfolgreichsten „Tatort“-Krimis

Die 10 größten Quotenhits

Kriminalhauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) sind unter den „Tatort“-Kollegen nach Quoten aktuell die populärsten Ermittler. Aber in der Liste der Top 10 aller „Tatort“-Krimis seit Beginn der gemeinsamen Quotenerfassung in Ost und West Mitte 1991 findet sich das Duo aus Münster erst auf Platz zehn wieder. Ganz oben rangieren immer noch zwei „Schimanski“-Fälle mit Götz George. Eine Übersicht der 10 erfolgreichsten „Tatort“-Krimis - die mobile Nutzung und Mediatheken-Abrufe sind nicht eingerechnet:

1. Der Fall Schimanski

Am 29. Dezember 1991 erreichte die Folge „Der Fall Schimanski“ mit Götz George als Horst Schimanski 16,68 Millionen Zuschauer und somit einen Marktanteil von 52,3 Prozent.

2. Kinderlieb

Auf dem zweiten Platz rangiert ebenfalls ein „Schimanski-Tatort“ mit Götz George: „Kinderlieb“ erreichte am 27. Oktober 1991 mit 16,07 Millionen Zuschauern einen Marktanteil von 45,4 Prozent.

3. Stoevers Fall

Das Ermittler-Duo Stoever und Brockmöller (Manfred Krug und Charles Brauer) konnte am 5. Juli 1992 mit „Stoevers Fall“ 15,86 Millionen Zuschauer erreichen. Das bedeutete einen Marktanteil von 52,8 Prozent.

4. Experiment

Ebenfalls Stoever und Brockmöller konnten mit der Folge „Experiment“ am 3. Mai 1992 mit 15,29 Millionen Zuschauern einen Marktanteil von 49,7 Prozent erreichen.

5. Tod im Häcksler

Mit 14,46 Millionen Zuschauern konnte Ulrike Folkerts am 13. Oktober 1991 als Kommissarin Lena Odenthal mit der Folge „Tod im Häcksler“ einen Marktanteil von 44,6 Prozent erreichen.

6. Blutwurstwalzer

Am 22. September 1991 erreichte die Folge „Blutwurstwalzer“ mit Günter Lamprecht 14,37 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 49 Prozent.

7. Tod eines Wachmanns

Die Folge „Tod eines Wachmanns“ mit Martin Lüttge als Bernd Flemming konnte am 25. Oktober 1992 mit 14,26 Millionen Zuschauern einen Marktanteil von 42,9 Prozent erreichen.

8. Der Mörder und der Prinz

Am 17. Mai 1992 erreichte ebenfalls Flemming mit „Der Mörder und der Prinz“ 14,09 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 52,8 Prozent.

9. Telephongeld

Am 15. September 1991 erreichte die Folge „Telephongeld“ mit Michael Janisch als Michael Fichtl 14,02 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 48,1 Prozent.

10. Schwanensee

Die einzige neuere Tatort-Folge, die eine Rekord-Zuschauerzahl erreichen konnte, war „Schwanensee“ mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl am 8. September 2015 mit 13,69 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 35,5 Prozent.

Das Erste zeigt den Jubiläumsfilm am 13. November (20.15 Uhr). Gleich im Anschluss (21.45 Uhr) begibt sich Ulrike Folkerts als dienstälteste Kommissarin Lena Odenthal auf eine Reise in die „Tatort“-Archive: In der Dokumentation „Sonntagsmörder - Ermittlung über 1000 Tatorte“ spaziert sie durch alte Szenen und stellt Kommissare zur Rede.

Von

dpa

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