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15.05.2013

08:02 Uhr

19. Jahrhundert

Vom Mond beschienen

VonChristiane Fricke

Van Ham bestückt seine kommende Auktion „Alte Kunst“ vor allem mit Malerei des 19. Jahrhunderts. Eine nächtliche Venedig-Ansicht von Friedrich Nerly führt das Angebot des Kölner Versteigerers an. Anziehungskraft entfalten daneben dänische Landschaften, französische Impressionisten und russische Zeichnungen.

Friedrich Nerly: "Venedig, Blick über das Markusbecken auf Santa Maria della Salute, 1855. (Ausschnitt) Van Ham, Köln

Friedrich Nerly: "Venedig, Blick über das Markusbecken auf Santa Maria della Salute, 1855. (Ausschnitt)

KölnMalerei des 19. Jahrhunderts erfreut sich seit Jahren zunehmender Wertschätzung. Das spiegeln die Kataloge zahlreicher deutscher Auktionshäuser, von Ketterer in München bis hin zur Villa Grisebach in Berlin, die 2011 für die lange verschmähten Neuen Meister sogar eigens eine Abteilung einrichtete. Das Kölner Auktionshaus Van Ham hat in diesem Frühjahr das 19. Jahrhundert mit über 300 Losen sogar deutlich schwerer gewichtet als das Angebot an Alten Meistern, das nur 82 Katalognummern umfasst.

Licht auf der Kuppel

Neben dem schönen Nachtbild von Friedrich Nerly (1807-1878) verdienen am 18. Mai drei weitere Schwerpunkte Aufmerksamkeit: die auffällig umfangreich bestückten Tranchen mit französischen Impressionisten und dänischer Malerei sowie 17 russische Arbeiten auf Papier aus der Kollektion des ehemaligen Außenministers der DDR, Lothar Bolz.

Nerlys beeindruckende Ansicht des Canale Grande mit Blick auf die mondbeschienene Kuppel von Santa Maria della Salute führt das Angebot an. Die 1855 datierte Venedig-Vedute des gebürtigen Erfurters könnte mit ihrer Taxe von 70.000 bis 100.000 Euro ordentlich Spielraum nach oben haben. Erinnert sei nur an die im November 2007 bei Van Ham versteigerte Ansicht der Piazetta im Mondschein, die von geschätzten 120.000 Euro auf 262.500 Euro kletterte.

Farbenfroher Hingucker

Armand Guillaumin: "Les Bréjots, premiers jours de mai, le matin", 1917. (Ausschnitt) Van Ham

Armand Guillaumin: "Les Bréjots, premiers jours de mai, le matin", 1917. (Ausschnitt)

Unter den französischen Bildern sticht eine von Farben nur so glühende Hügellandschaft Armand Guillaumins hervor. Für das attraktive Motiv, das es auch auf den Katalog-Umschlag geschafft hat, werden realistische 40.000 und 60.000 Euro erwartet. Erst vor wenigen Tagen erzielten Landschaftsbilder von Guillaumin auf den New Yorker Auktionen Preise zwischen 40.000 und 68.000 Dollar. Die Brücke von Saint-Bernard kam bei Sotheby’s sogar auf 209.000 Dollar (Taxe: 80.000 bis 120.000).

Schiffe am Horizont

Aus dem Konvolut mit Arbeiten der dänischen Malerschule fällt eine sehr kleinformatige Strandlandschaft ins Auge, ein Werk des traditionell von Amerikanern und Briten geschätzten skandinavischen Landschaftsmalers Peder Monsted. Das Schöne an dieser ebenso detailreich wie stimmungsvoll gemalten Studie ist ihre differenzierte Darstellung von Wasserprielen, Brandungswellen, Steinen und Sand, Wolken und Schiffen, die in großer Zahl am Horizont vorbeifahren. Kein Wunder, dass der im Katalog angegebene Schätzpreis von 2.000 bis 3.000 Euro nachträglich auf 3.000 bis 4.500 Euro angehoben wurde. Auch das Kräuter-Stillleben des Kopenhagener Malers Joakim Skovgaard verdient Beachtung (1.500 bis 2.000 Euro).

Lichtspiele auf Weintrauben

Johann Wilhelm Preyer: Vier Studien weißer Trauben, 1831,1832 und 1836. (Ausschnitt) Van Ham

Johann Wilhelm Preyer: Vier Studien weißer Trauben, 1831,1832 und 1836. (Ausschnitt)

Obst- und Pflanzenbilder waren eine Spezialität der Düsseldorfer Malerfamilie Preyer. Wie sehr sie geschätzt werden, spiegelt sich im Schätzpreis für eine Collage aus vier Öl-Studien von Johann Wilhelm Preyer. Dargestellt sind Trauben, bei denen das Wasser im Munde zusammenläuft. 10.000 bis 15.000 Euro werden für das kleine, auf Karton aufgezogene Arrangement erwartet. Zwei recht bombastisch gerahmte Studien hinfälliger Weinblätter sind auf 3.500 bis 4.000 Euro geschätzt. Emilie Preyer verewigte mit dem Zeichenstift eine vom Leben bereits gezeichnete Reneklode, die allerdings eher wie eine Quitte aussieht (800 bis 1.000 Euro). Unter den russischen Meisterzeichnungen überzeugt die farbige Kreidezeichnung eines mittelasiatischen Mädchens. Für die kühne Komposition im steilen Hochformat sind 3.800 bis 4.200 Euro angesetzt.

Auktion „Alte Kunst“ und „Robert Sterl“ am 17. Mai 2013

Schmuck, Jwelen & Uhren: 16. Mai

Europäisches Kunstgewerbe: 18. Mai

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