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22.02.2012

10:02 Uhr

1Q84

Murakamis genialer dritter Streich

VonThorsten Giersch

Wenn es japanische Romane in die deutschen Bestsellerlisten schaffen, stammen sie meistens von Haruki Murakami - dem weltweit erfolgreichsten Autoren des Landes. Auch seinem neuen Buch kann man sich nicht entziehen.

Der Saturn hat zwei Monde - aber wenn man sowas auch auf der Erde sieht, befindet man sich in Murakamis Welt. dpa

Der Saturn hat zwei Monde - aber wenn man sowas auch auf der Erde sieht, befindet man sich in Murakamis Welt.

DüsseldorfKaum ein Buch hat in den vergangenen Monaten solch überschwängliche Kritiken bekommen wie der letzte Teil von Haruki Murakamis Trilogie "1Q84". Spätestens jetzt wissen auch die deutschen Leser, warum kein anderer Autor Japans weltweit mehr Erfolg hatte als er.

Schon die ersten beide Teile - in Deutschland 2010 als ein Band erschienen - waren ein großer Roman voller Sexszenen und Samenergüsse, in dem die Liebe aber mit Füßen getreten wird. Doch die Geschichte, die im Jahr 1984 spielt, bringt selbst die sehr kritische Rezensenten zur Ekstase: Die Kollegen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" schreiben "Das hat man noch nie gelesen", die "Literarische Welt" bezeichnet die beiden Hauptpersonen als "Romeo und Julia unseres Jahrhunderts".

Beide Wertungen sind keinen Deut übertrieben. Murakami bricht mit Gepflogenheiten und fast allen Konventionen. Zwar ist die Stimmung sentimental, aber mit einer unerhörten Portion Härte untergraben.

"1Q84" hat zwei Helden: Tengo, den 30-jährigen Aushilfslehrer und Romanautor sowie Aomame, eine 29-jährige Supersportlerin mit einem düsteren Geheimnis: Die Schönheit bringt in ihrer Freizeit Männer um, die Kinder bzw. Frauen vergewaltigen. Eine Kämpferin für das Gute ungeachtet des Verbots von Selbstjustiz.

Ja, mit der Moral ist es wie so oft in Murakamis Romanen so eine Sache. Beide Helden haben - wie auch die übrigen Hauptpersonen - eine feste Moral, die mit dem Kantschen Imperativ aber auch so gar nichts zu tun hat. Und genauso wenig mit den klassischen bürgerlichen Vorstellungen. Tengo schläft einmal pro Woche mit einer verheirateten Frau, der ihr Mann trotz einer an sich glücklichen Ehe sexuell nicht mehr alles bieten kann. Bedenken? Zweifel? Fragen? Fehlanzeige.

Kommentare (3)

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fan

22.02.2012, 10:28 Uhr

Also ich bin wirklich Murakami-Fan - habe alle seine Bücher gelesen. Aber was er sich hier auf quälend langen Seiten ohne jede Handlung zusammengereimt hat, das ist das LANGWEILIGSTE, was ich je gelesen habe. Eine Kurzgeschichte auf 1500 Seiten aufgebläht....nicht lesenswert, man kann in dieser Zeit besseres machen.

Account gelöscht!

22.02.2012, 10:54 Uhr

@ fan:
Ja, aber kritische Worte werden Sie hier vergeblich suchen. Diese sogenannten Buchbesprechungen liefern einfach aufgeblähte Klappentexte von allem, was irgendwie populär und halbwegs neu ist.

HMF

22.02.2012, 12:34 Uhr

Das ist schon ein tolles Buch, wenn nicht für Murakami, denn der hat schon Besseres geschreiben, so doch für die meisten anderen Autoren unserer Zeit. Ich finde allerdings Inhaltsangaben, wie hier geschehn, eher überflüssig. Was mich am meisten überzeugt hat ist die Art, wie der Autor es schafft den Spannungsbogen über hunderte von Seiten aufrecht zu erhalten. Andererseits fehlen diese einmalgen Stimmungen, wie z.B. im Aufziehvogel oder Kafka am Strand. Trotzdem ein grandioses Buch, dessen kleine Schwächen am Inhalt der Geschichte ich ihm bereit bin zu verzeihn.

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