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22.05.2013

19:05 Uhr

200. Geburtstag

Das Leben mit Richard Wagner

VonTimo Steppat

Werk und Ansichten Wagners üben noch heute großen Einfluss aus, im Guten wie im Schlechten. Portraits von vier Menschen, die von und mit Richard Wagner leben – vom Solarunternehmer bis zum Autor.

Die neue Wagner-Statue in Leipzig. AFP

Die neue Wagner-Statue in Leipzig.

DüsseldorfDer Schatten Richard Wagners ist lang. Sehr lang. Fast vier Meter ragt er in die Höhe und ist damit mehr als doppelt so hoch wie die Nachbildung des Komponisten selbst. Als junger Mann in blauer Jacke steht Wagner da, den Arm in die Seite gestützt. Mit einer Größe von 1,66 Metern hält sich das Denkmal ziemlich genau an das recht kleine Vorbild. Eins will Markus Käbisch nämlich auf keinen Fall: Den Musiker größer machen als er war.

Wenn der Solarunternehmer heute mit dem Oberbürgermeister von Leipzig das Denkmal zu Ehren dieses berühmten Sohns der Stadt einweiht, ist der Jubel sehr genau dosiert, dann wird eben nicht nur das Werk des berühmtesten deutschen Opernkomponisten geehrt, sondern auch berücksichtigt, dass dieser nachweislich ein Antisemit war. Damit das auch wirklich niemand vergisst, ist da diese schwarz lackierte Silhouette von vier Metern Größe – ein Schatten, viel größer als der Künstler selbst.

„Richard Wagner ist kompliziert“, sagt Markus Käbisch. Das gilt für fast alles an ihm: Die Musik, die zwischen Bombastereien und zarter Verletzlichkeit wandelt, seine gebrochene Biographie, die  ungewöhnliche Wirkungsgeschichte und die Faszination, die er mit alldem bis heute auslöst.

Wichtige Wagner-Orte

Leipzig

Wagner kommt am 22. Mai 1813 in der sächsischen Stadt zur Welt. Er verbringt dort prägende Jugendjahre. Der junge Mann hat zwar keinen Schulabschluss, dennoch schreibt er sich 1831 an der Universität als Student der Musik ein.

Dresden

Im Februar 1843 wird er Kapellmeister an der Hofoper. Seine Oper „Rienzi“ hatte dort im Oktober zuvor eine triumphale Uraufführung gefeiert. Wegen seiner Teilnahme am Dresdner Mai-Aufstand 1849 wird Wagner steckbrieflich gesucht und flieht im Oktober in die Schweiz. Erst 1860 darf er wieder deutschen Boden betreten.

Zürich

„Dort in der Schweiz sind wir wie zu Hause“, lockt er seine Frau Minna. Sie folgt ihm im September 1849. Neun Jahre lang, bis zum August 1858, leben beide in der damals noch kleinen Stadt. Wagner lernt dort seine Muse Mathilde Wesendonck und ihren Mann kennen. Sie unterstützen den notorisch abgebrannten Künstler. Im April 1857 beziehen die Wagners ein Sommerhaus im Park der Villa Wesendonck. 1858 verlässt Wagner Zürich. Seine Ehe mit Minna ist gescheitert.

München

Wagner verbringt nur 1864/65 in München, aber unter anderem Skandale um verprasstes Geld machen die zwei Jahre zu einer spannenden Episode. Sein größter Fan, Bayernkönig Ludwig II., unterstützt ihn finanziell. Doch Wagner fällt bei den Münchnern und dem Staatsapparat derart in Ungnade, dass ihn der König bittet, die Stadt zu verlassen. Der Künstler zieht wieder in die Schweiz.

Tribschen

Für sechs Jahre, von 1866 bis 1872, lebt Wagner mit seiner zweiten Frau Cosima und ihren Kindern ein Familienidyll in einem Landhaus in Tribschen, einer Landzunge am Vierwaldstättersee bei Luzern. Hier besuchen ihn unter anderem Ludwig II. und Friedrich Nietzsche. Wagner verlässt Tribschen für seine Festspielhaus-Pläne in Bayreuth.

Bayreuth

Als Wagner kommt, ist Bayreuth ein Provinzstädtchen. Das Grundstück für sein eigenes Festspielhaus stellen die Stadtväter zur Verfügung, beim Bau des Opernhauses und des Hauses Wahnfried unterstützt ihn erneut der Bayernkönig. Im April 1874 zieht die Familie in Haus Wahnfried ein. Im August 1876 feiern die Festspiele mit dem erstmals vollständig aufgeführten „Ring des Nibelungen“ ihre Premiere. Heute sind Wagner und die jährlichen Festspiele Bayreuths wichtigste Markenzeichen.

Venedig

Die italienische Lagunenstadt zählt zu Wagners Lieblingsorten. Hier stirbt er am 13. Februar 1883 an einer Herzattacke. Er weilte schon seit September in der Stadt, um dem fränkischen Winter zu entgehen. Ein Sonderzug bringt Wagners Leichnam über die Alpen nach Bayreuth, wo er in einer Gruft im Garten der Villa Wahnfried beigesetzt wird.

Für Käbisch stand am Anfang ein seltsames Verantwortungsgefühl. Eines Tages erfuhr er, dass er mit Wagner, dem Komponisten, den er seit seiner Jugend sehr schätzt, etwas gemeinsam hat – beide sind in Leipzig geboren und aufgewachsen. Das war neu für ihn. Denn Leipzig gibt sich gerne als Musikstadt, als Heimat von Mendelssohn und Bach und feiert alljährlich große Feste zu Ehren der beiden Komponisten. Doch für Wagner gibt es nicht mal eine Gedenktafel.

Sieben Jahre ist es her, dass Markus Käbisch beschloss, das zu ändern. Er gründete einen Verein zur Errichtung eines Wagner-Denkmals. Die Stadtverwaltung signalisierte schon früh, ein solches Vorhaben finanziell nicht unterstützen zu wollen. Deshalb tüftelte Käbisch, selbst promovierter Betriebswirt, ein Konzept aus, mit dem er Sponsoren aus der Wirtschaft überzeugen wollte. Doch sowohl die Großen wie BMW und DHL, wie auch die kleineren Unternehmen vor Ort winkten schnell ab. Ein Wagner-Denkmal war vielen zu heikel.

Kommentare (4)

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Freidenker

22.05.2013, 20:27 Uhr

Die BRD ist ein Skandal!

Mit seiner Schrift Das Judenthum in der Musik gehört er geistesgeschichtlich zu den Verfechtern des Antisemitismus.

Und die Schizophrenie der Deutschen lässt somit grüßen....na ja, die Nazis haben ja auch nie aufgehört zu existieren. Ob hier in der BRD oder anderswo...Hauptsache es geht gegen Links...

Tabu

22.05.2013, 21:53 Uhr

Decker beschreibt eine Szene, die den jungen Wagner prägen sollte: Wie beiläufig wollten Fremde einen kleinen Hund im Teich ertränken, gaben sich aber keine große Mühe und warfen das Tier nur im Sack ins Wasser. Kein schneller Tod, sondern ein qualvoller. Richard gelang die Rettung. Deshalb mied er Wien, weil er auch die Droschkenpferde nicht leiden sehen wollte.
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Das hätte ich ja dann mit ihm gemeinsam.
Nun kann man nur hoffen,das seine Kritiker nicht lutherischen Glaubens sind.
Sagte dieser doch über die Juden:
"dass man ihnen verbiete, bei uns,öffentlich Gott zu loben, zu danken, zu beten, zu lehren bei Verlust (des) Leibes und Lebens "
Martin Luther verleumdete die jüdische Bevölkerung und forderte ihre Verfolgung.
Auch seine Beziehung zu Frauen war ein gestörtes.

"Die Zauberinnen(Hexen) sollst du nicht leben lassen.Es ist ein gerechtes Gesetz, dass sie getötet werden.Sie können ein Kind bezaubern, dass es fortwährend schreie. Schaust du solche Weiber an, wirst du sehen, dass sie ein teuflisches Gesicht haben..man töte sie nur."
Ich höre da lieber den hypersensiblen Wagner,auch
wenn ein Herr Fischer in den Figuren einiger
Protagonisten,persiflierte Juden meint zu sichten.
Nachäffen war einst eine unserer ersten bewußten
Handlungen...Tun wir heute noch mit wachsender
Begeisterun.Chaplin in der große Diktator z.B
Ich sehe in Wagner keinen Antisemiten,auch wenn er es wagte,sich mit Mendelssohn anzulegen,dem schon Heine 1842 „mangelnde Naivität“ zugesprochen hatte.
Zu finden unter"Das Judentum in der Musik"

Und ja,ich hab mir als kind vor dreißig Jahren die
Ohren zugehalten,ob des Türkisch/Kurdisch,Arabischen
Gedudels..Wenns dann antisemitisch war.Ja nun.
Mendelssohn jedenfalls,hat einige schöne Stücke geschrieben.Ich höre gerne Klezmer und bin,
dem jüdischen Einfluss auf unsere Gesellschaft,
sehr zugetan.Besonders dem vor Hitler.
Wie es sich für Wagner darstellte in seiner Zeit,weiß niemand wirklich.

Musikkritiker

22.05.2013, 22:37 Uhr

Die "Musik" von Richard Wagner konnte ich nie ausstehen; das ist etwas für hartgesottene "Möchtegerngermanen"...
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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