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20.05.2013

15:11 Uhr

200. Geburtstag

Wagner mutet seinem Publikum viel zu

Ein Egoist, der bei seinen Zeitgenossen hemmungslos schnorrte. Ein Erneuerer des Musiktheaters, der einen üblen Antisemitismus an den Tag legte: Richard Wagner ist auch heute noch eine polarisierende Figur.

Richard Wagner polarisiert: Entweder man liebt sein Werk - oder man verabscheut es. dpa

Richard Wagner polarisiert: Entweder man liebt sein Werk - oder man verabscheut es.

BayreuthEr mutet seinem Publikum viel zu. Er mutet den Sängern und Musikern viel zu. Er erntet dafür: tiefe Zuneigung oder strikte Ablehnung. Richard Wagner polarisiert. Das zeigte sich schon zu Lebzeiten - Revolutionär und Königsfreund, Innovativer Musikdramatiker und wüster Antisemit, Perfektionist und Egoist. Entweder, man ist fasziniert und liebt sein Werk - oder man verabscheut es. Ganz oder gar nicht, dazwischen gibt es nichts. Adolf Hitler gehörte zu jenen, die Wagners Musik und seine Musikdramen liebten. Diese Tatsache und Wagners deutlich zum Ausdruck gebrachte Judenfeindlichkeit machen ihn zu einer der umstrittensten Figuren der deutschen Kulturgeschichte. Am 22. Mai vor 200 Jahren wurde er in Leipzig geboren.

Wagner ist kein Junggenie im Stile eines Mozart. Er betreibt zunächst Eigenstudium und hat Privatunterricht. Erst der Leipziger Thomaskantor Theodor Weinlig habe die Beschäftigung mit der Musik in professionelle Bahnen gelenkt, schreibt der Wagner-Kenner Dieter Borchmeyer.

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Der Boykott gegen die Aufführung von Wagner-Musik in Israel gilt schon seit einem Dreivierteljahrhundert. Liebhaber seiner Werke rennen im Versuch, ihn zu brechen, immer wieder gegen die Wand.

Wagner müht sich im Klassikbetrieb: 1833 wird er Chordirektor in Würzburg, es geht weiter nach Magdeburg, Königsberg und Riga. Er ist inzwischen verheiratet mit der Schauspielerin Minna Planer. Die Ehe ist eine Abfolge von Hochs und Tiefs. Sie werden sich später trennen. Aus Riga flieht das Paar bei Nacht und Nebel. Wagner hat eine Sehnsucht. Sie heißt: Paris. Dort will er Karriere machen. Doch es klappt nicht recht, die Wagners leben in bitterer Armut.

In den 1840er Jahren bessert sich die Lage zunächst, Wagner wird Kapellmeister in Dresden. Das Jahrzehnt scheint entscheidend gewesen zu sein. In dieser Zeit hätten sich alle späteren Werke schon herausgebildet, Wagners Werk habe deshalb keine Chronologie, notiert der Schriftsteller Thomas Mann, der Wagner unter anderem auch als „Pumpgenie“ betitelte.

Überhaupt - die Werke: Wer Wagner liebt, braucht gutes Sitzfleisch. Allein die Tetralogie „Ring des Nibelungen“ erstreckt sich über rund 15 Stunden. Sein Einfluss auf spätere Komponisten ist enorm - selbst die Filmmusik made in Hollywood wäre ohne Wagner kaum denkbar.

Die Dresdner Zeit für Wagner endet jäh - er beteiligt sich 1849 am Maiaufstand und muss fliehen. Obdach findet er in der Schweiz, wo ihn der Kaufmann Otto Wesendonck unterstützt. Das Problem: Wagner und Wesendoncks Frau Mathilde verlieben sich ineinander. 1858 kommt es zum Eklat, weil Minna Briefe abfängt. Wagner verlässt die Schweiz. Er gibt Konzerte in vielen Städten, doch die finanziellen Probleme verschärfen sich.

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