Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.06.2013

10:16 Uhr

25 Jahre „Starlight Express“

Rendite auf Rollschuhen

VonDésirée Linde

Vor 25 Jahren rollte in Bochum zum ersten Mal in Deutschland der „Starlight Express“. Doch nicht jedes Musical ist automatisch ein Gewinnbringer. Die Inszenierungen sind ein riskantes Millionengeschäft.

Andreas Wolfram tanzt und singt als Diesellok „Greaseball“. dpa

Andreas Wolfram tanzt und singt als Diesellok „Greaseball“.

DüsseldorfManchmal irrt auch ein Milliardär. Joop van den Ende hatte vor einigen Jahren die Chance, sich die Rechte am Musical Starlight Express zu sichern. Doch der Mitbegründer der zweitgrößten Fernsehproduktionsfirma  der Welt, Endemol, winkte damals ab. Ein Fehler, wie er heute weiß. Denn noch immer zieht die Geschichte um den Wettbewerb der zum Leben erweckten Eisenbahnen, garniert mit einer Liebesgeschichte, aufgeführt auf Rollschuhen zur Musik von Musical-Ikone Andrew Lloyd Webber. Die deutsche Uraufführung in Bochum liegt jetzt 25 Jahre zurück.

Fast 15 Millionen Besucher haben das rasante Rollschuh-Märchen gesehen. Es ist das erfolgreichste Musical, unter denen, die stets an ein und demselben Standort aufgeführt wurden. Dieser Erfolg überraschte nicht nur den niederländischen Musical-Tycoon van den Ende, der hinter Stage Entertainment steht, dem größten Player der deutschen Musicalszene. Auch andere Fachleute wie der Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin, sind verwundert über die Zugkraft – war Starlight Express doch in der Phase des leichten Rückgangs auf dem Musicalmarkt zur Jahrtausendwende totgesagt.

Die Erfolgsgeschichte Starlight Express

Die Idee

1973 wird Komponist Andrew Lloyd Webber wird gebeten, die Musik zu einer Zeichentrickfilmserie zu schreiben. Die Geschichte beruht auf einem damals in Großbritannien populären Comic, in dem es um einen Jungen ging, der in seinen Träumen mit der Eisenbahn spielt.

Die Konkurrenz

Eine weitere Fernsehgesellschaft bittet Webber, an einer Zeichentrickversion des Märchens Cinderella zu arbeiten. Aschenputtel sollte dabei eine Dampflokomotive sein – die bösen Geschwister eine Diese- und eine E-Lok.

Die ersten Akkorde

1982 entsteht die konzertante Fassung von Starlight Express. Sie war damals vor allem für Schulorchester gedacht.

Die Weltpremiere in London

Am 27. März 1984 wurde Starlight Express im Londoner Apollo-Victoria-Theatre im Westend uraufgeführt. Kritiker und Publikum umjubelten das Stück.

Die Eroberung des Broadway

Knapp drei Jahre später, am 15 März 1987, eroberte das Musical New York. Die Broadway-Premiere im Gershwin-Theater löste damals Begeisterungsstürme auch in Big Apple aus.

Der Siegeszug in Deutschland

Im Starlight Express Theater in Bochum hebt sich am 12. Juli 1988 der Vorhang für die deutsche Erstaufführung.

Der perfekte Spielort in Deutschland

Starlight Express ist die erste moderne Inszenierung in Deutschland, für die ein eigenes Theater gebaut wurde. Die Kosten für den Bau lagen bei etwa 24 Millionen D-Mark, die vom Land Nordrhein-Westfalen und von der Stadt Bochum getragen wurden. Die Starlight Express Musical Produktions GmbH als Pächter des Theaters investierte weitere 12 Millionen Mark in die Musical-Produktion.

Die zwei Weltrekorde

Gleich zweimal schaffte es das Musical ins Guinnessbuch der Rekorde: Zum einen, weil das Theater in Bochum in Rekordzeit fertiggestellt wurde (Baubeginn Dezember 1986; Bauübergabe Januar 1988), zum anderen weil es das erste Haus war, das extra für ein Bühnenstück gebaut wurde.

Dass die Rollschuhe und mit ihnen der Rubel in Bochum weiter rollen, ist eine Ausnahmegeschichte in der Branche. Mittlerweile wechseln die Stücke meist nach zwei bis fünf Jahren ihren Standort. „Denn man hat festgestellt, dass die Leute doch keine sehr langen Reisen in Kauf nehmen, um ein Musical zu sehen“, sagt Bühnenvereins-Direktor Bolwin. Musicals wie Starlight oder auch König der Löwen mit 12 1/2 Jahren in Hamburg sind die absolute Ausnahme.

Ein solcher Klassiker mit Strahlkraft zu werden, hängst massiv vom Standort ab. Lässt sich Musical mit einer Städtereise verbinden, haben die Produzenten gute Karten auf gute Rendite. Das funktioniert in Hamburg wie in keiner anderen Stadt in Deutschland. Jede sechste Hotelübernachtung führen die Hamburger auf „König der Löwen“, „Tarzan“, „Rocky“ und Co. zurück. Jedes Pärchen, das dort ein Musical besucht, lässt laut Erhebungen der Stage 870 Euro in der Hansestadt. Musicals sind damit längst auch Tourismusfaktor. Bundesweit machen sie ein Viertel der Umsätze im Bereich der Musikveranstaltungen aus. Der Markt ist gemessen allein an den Eintrittskarten (Umsatz zwischen 450 und 600 Millionen Euro) sogar anderthalbmal so groß wie der der Bundesliga (etwa 300 Millionen Euro), hat Jürgen Schmude, Professor für Wirtschaftsgeographie und Tourismusforschung, erhoben. Sind zwar in dem Vergleich die deutlich stärkeren Posten von Vermarktung und Merchandising in beiden Fällen nicht berücksichtigt, werfen die Zahlen jedoch ein Schlaglicht auf die Marktnische der Musicals – und deren Potenzial.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

IluvMusicals

12.06.2013, 18:25 Uhr

Wer hat eigentlich für diesen Artikel recherchiert? Ich habe selten so viele Fehlinformationen zum Thema Musical gelesen. Nur ein Beispiel: Stage Entertainment setzt seit längerer Zeit eben nicht mehr auf fremde Produktionen, sondern entwickelt eigene Stücke und spart sich damit die Lizenzgebühren. Ich war noch niemals in New York und Sisteract sind Eigenentwicklungen von Stage. Sisteract lief bereits letztes Jahr in Wien. Rocky ist für März 2014 am Broadway angekündigt. Im Moment wird das Stück nur in Hamburg gespielt. Die Liste ließe sich fortsetzen... Ob nun seichte Muse oder nicht: Ich hoffe, dass nicht alle Handelsblatt-Veröffentlichungen derart fehlerbehaftet sind. Wäre schade drum.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×