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19.01.2010

18:51 Uhr

3D-Film

China will Siegeszug von „Avatar“ stoppen

Der Siegeszug des Films „Avatar - Aufbruch nach Pandora“ ist der chinesischen Führung ein Dorn im Auge. Trotz des starken Besucheransturms darf die Mehrheit der Kinos in China den Film ab Freitag nicht mehr zeigen. Offiziell, weil er eine zu starke Konkurrenz für die heimischen Filme darstellt. Der eigentliche Grund ist aber vermutlich ein anderer.

Werbung für "Avatar" in Peking. Chinas Führung reagiert verschnupft auf den Erfolg des Films. ap

Werbung für "Avatar" in Peking. Chinas Führung reagiert verschnupft auf den Erfolg des Films.

HB PEKING. Mangelndes Interesse an dem Science-Fiction-Film „Avatar - Aufbruch nach Pandora“ in China ist nach offizieller Darstellung der Grund, dass der Film nur noch eingeschränkt gezeigt wird. Es sei eine kommerzielle Entscheidung gewesen, da nicht mehr ausreichend viele Besucher die normale Leinwandversion hätten sehen wollen. „Es gab viele leere Plätze. Deswegen ist es nur normal, die zweidimensionale Version von der Leinwand zu nehmen“, argumentierte der Vizechef der Verwaltung für Radio, Film und Fernsehen, Zhang Hongsen, nach Angaben der Nachrichtenagentur China News vom Mittwoch. „Für die dreidimensional ausgelegte Version ändert sich nichts.“

Der prämierte Science-Fiction, der als bislang erfolgreichster ausländischer Film in China gilt, wird vom Wochenende an nur noch in Kinos mit 3D-Technologie gezeigt. In normalen Lichtspieltheatern wird „Avatar“ für die Feriensaison über das anstehende chinesische Neujahresfest durch die heimische Produktion „Konfuzius“ über das Leben des großen Philosophen ersetzt. Es war spekuliert worden, dass mit dem Rückzug von „Avatar“ unliebsame ausländische Konkurrenz beseitigt und gleichzeitig die durch den Film angestoßene Debatte über Zwangsräumungen eingedämmt werden soll.

Der Film hat bei Chinesen einen Nerv getroffen, weil sich viele durch die Geschichte über den Widerstand gegen die gewaltsame Vertreibung eines Volkes auf einem fernen Planeten an das Schicksal ihrer eigenen Familien erinnert fühlen, die zwangsweise ihre Häuser für neue Immobilienprojekte verlassen müssen. Bei Protestaktionen gegen Neubauten verwiesen Bewohner schon auf Spruchbändern auf den Film. China hat 1700 Lichtspieltheater mit mehr als 4000 einzelnen Kinosälen, von denen aber nur gut 500 dreidimensional ausgelegte Filme zeigen können.

Chinas Behörden wollten "Avatar" vorzeitig auslaufen lassen, "weil er die Besucher an Zwangsumsiedlungen denken lässt und möglicherweise Gewalt auslösen könnte", berichtete indessen die Hongkonger Zeitung "Apple Daily". Auch nehme der ausländische Film heimischen Produktionen die Einnahmen weg. Die bekannte Kolumnistin Hung Huang beschrieb in der "China Daily", warum sich viele Chinesen mit dem Na'vi-Volk in dem Fantasie- Film identifizieren und sprach von einem "sozialen Phänomen". "All die zwangsweisen Umsiedlungen alter Nachbarschaften in China machen uns heute zu den einzigen Erdenbürgern, die wirklich das Leid der Na'vi nachempfinden können."

Kommentare (1)

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Habib

19.01.2010, 20:27 Uhr

ich glaube die Palestinenser können ein noch grausameres Lied von Vertreibung singen als die Chinesen.

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