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26.06.2011

15:04 Uhr

40 Jahre "Polizeiruf 110"

Der "Gegen-Tatort"

Einst sozialistischer Gegenwartskrimi, ist der Polizeiruf eines der wenigen Formate, das nach 1990 den Sprung aus dem DDR-Fernsehen in die ARD geschafft hat. Der "Gegen-Tatort" hatte stets sein eigenes Profil.

Die Polizeiruf-Stars Wolfgang Winkler, Isabell Gerschke und Jaecki Schwarz. Quelle: dpa

Die Polizeiruf-Stars Wolfgang Winkler, Isabell Gerschke und Jaecki Schwarz.

Berlin/LeipzigDer Klassenkampf machte selbst vor dem Krimi nicht Halt: Als im Herbst 1970 im Westfernsehen der „Tatort“ aus der Taufe gehoben wurde, riss das auch die DDR-Oberen aus dem Sessel. Verbrechen und Verbrecherjagd begeisterte nämlich das Publikum in Ostdeutschland, sofern die Antenne den Empfang zuließ. Staatsratsvorsitzender Erich Honecker persönlich soll eine „gewisse Langeweile“ im DDR-Fernsehen kritisiert und mehr Spannung auf der Mattscheibe gefordert haben. Der „Polizeiruf 110“ wurde als „Gegen-Tatort“ aus der Taufe gehoben.

Vor 40 Jahren, am 27. Juni 1971, ging die Ermittlergruppe um den Genossen Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt) zum ersten Mal auf Verbrechersuche im DDR-Fernsehen. In „Der Fall Lisa Murnau“ ging es um den Raub von 70.000 Mark aus einem Postamt, wobei die Schalterbeamtin, gespielt von Petra Hinze, lebensgefährlich verletzt wurde. „Es war die Absicht, einen sozialistischen Gegenwartskriminalfilm zu schaffen als Kontrapunkt und als Kontraprodukt gegenüber dem Tatort“, sagt der Dramaturg und Autor Eberhard Görner in einer Dokumentation, die aus Anlass des Jubiläums entstand.

Die Ermittler im Polizeiruf

München

Am 14. August starten Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) und Polizistin Anna Burnhauser (Anna Maria Sturm) die Verbrecherjagd in München. Ihre Besetzung folgt einem tragischen Schicksalsschlag: Jörg Hube und Stefanie Stappenbeck hatten 2009 gerade das langjährige Schauspielerteam Edgar Selge und Michaela May abgelöst, da starb Hube. Einen Krimi schaffte er nur, Stappenbeck kam auf drei.

Halle/Saale

Die beiden Hauptkommissare mit dem Vornamen Herbert - Schmücke (Jaecki Schwarz) und Schneider (Wolfgang Winkler) - ermitteln schon seit 1996 Seite an Seite in Halle. Seit 2010 (vier Fälle) haben sie die junge Oberkommissarin Nora Lindner (Isabell Gerschke) an ihrer Seite. Zahl der Fälle insgesamt: 46.

Potsdam

Schauspieler Horst Krause ist als etwas kauziger Land-Polizist die Konstante in diesem „Polizeiruf“ - 16 Fälle hat er bisher auf dem Buckel. Die meisten (12) davon an der Seite von Kommissarin Johanna Herz (Imogen Kogge). Nach ihrem Ausscheiden hat die junge Kriminalkommissarin Olga Lenski (Maria Simon) übernommen, die an diesem Sonntag in ihrem ersten (und Krauses 17.) Fall zu sehen ist. Gleich in der zweiten Folge bringt sie weitere Unordnung ins „Polizeiruf“-Team - dann ist sie nämlich, wie Simon im richtigen Leben, schwanger.

Rostock

Hauptkommissar Alexander Buckow (Charly Hübner) und LKA-Profilerin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) sind streng genommen kein Ermittlerteam. Sie wurde nach Rostock beordert, um ihn auszukundschaften. Doch in inzwischen vier Fällen haben sich beide zusammengerauft.

Die Krimireihe ist eines der wenigen Formate, das nach 1990 den Sprung aus dem DDR-Fernsehen in die ARD geschafft hat - und dort sogar auf den prominenten Sonntagabendplatz. Die Sender BR, MDR, NDR und RBB produzieren sie, mit neuen Ermittlerteams und Schauplätzen. Der Jubiläums-„Polizeiruf“ wird an diesem Sonntag (26.6.) um 20.15 Uhr ausgestahlt: „Die verlorene Tochter“ heißt der Krimi, bei dem erstmals Maria Simon als Kommissarin Olga Lenski an der Seite von Land-Polizist Horst Krause im Brandenburgischen ermittelt.

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