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04.07.2011

09:22 Uhr

40. Todestag von Louis Armstrong

Der Quadratmund mit der Trompete

40 Jahre nach seinem Tod ist die Jazz-Jegende Louis Armstrong unvergessen. Er war nicht nur musikalisch ein Ausnahmetalent sondern auch privat ein Lebenskünstler. Armstrong hinterlässt mehr als tausend Plattenaufnahmen.

Louis Armstrong, aufgenommen während eines Auftritts in der Jahrhunderthalle Höchst 1965. Der Todstag des größten Jazzmusikers aller Zeiten jährt sich am 6. Juli2011 zum 40. Mal. Quelle: dpa

Louis Armstrong, aufgenommen während eines Auftritts in der Jahrhunderthalle Höchst 1965. Der Todstag des größten Jazzmusikers aller Zeiten jährt sich am 6. Juli2011 zum 40. Mal.

DüsseldorfEs war ein Ende, wie es sich viele wünschen: Am 6. Juli 1971 entschlief Louis Armstrong im Alter von 69 Jahren friedlich. Der Tod des größten Jazzmusikers aller Zeiten jährt sich an diesem Mittwoch zum 40. Mal. „Er war herzkrank und starb am frühen Morgen daheim im eigenen Bett, seine Lucille neben sich“, sagt Deslyn Dyer, die im Haus der Armstrongs Besucher aus aller Welt herumführt.

Nur zwei Tage vor seinem Tod hatte „Pops“, wie er liebevoll genannt wurde, noch mit Freunden und Nachbarn im Garten seinen angeblichen Geburtstag gefeiert.

Dass Armstrong mit seinem Geburtstagsdatum geschummelt und sich dabei sogar älter gemacht hatte, wurde erst nach seinem Tod bekannt. In der Sacred Heart Church in New Orleans tauchte die Amtsurkunde mit dem Geburtsdatum 4. August 1901 auf. Doch dieses Datum war Louis offensichtlich nicht grandios genug. Schon zu Beginn seiner Karriere änderte er es in den 4. Juli 1900 um und kombinierte so den amerikanischen Unabhängigkeitstag mit dem Aufbruch ins neue Jahrhundert.

Louis Armstrong Facts

"Satchmo"

Der Spitzname „Satchmo“ wurde dem schwarzen Musikgenie für seine breiten Lippen angehängt, mit denen er das Mundstück seiner Trompete umfasste. Satchmo steht für „satchel mouth“ und heißt so viel wie Taschen- oder Quadratmund.

Falsches Geburtsdatum

Armstrong kam nicht am 4. Juli 1900, dem amerikanischen Nationalfeiertag, in New Orleans zur Welt, wie es der begnadete Selbstdarsteller behauptete und wohl selbst glaubte, sondern am 4. August 1901. Das wies Gary Giddins anhand des Taufscheins nach.

Frühe Einflüsse von der Straße

Im Alter von sieben Jahren machte Louis seine ersten eigenständigen musikalischen Schritte. Er sang zusammen mit Freunden in der Straße. Im einer schmuddeligen Dancehall nahe Louis' Wohnung hörte er erstmals die Musik, die später als Jazz bekannt wurde. Durch die Strassen von New Orleans zogen damals spasm bands, die ihre Späße trieben und einen bedeutenden Einfluss auf Armstrong hatten.

Sein erstes Instrument

Anfangs spielte Louis ein einfaches Blechhorn, als er mit elf Jahren für die jüdische Familie der Karnofskys auf einem Trödelwagen mitfuhr. Die Karnofskys unterstützen Louis und schossen das Geld für sein erstes richtiges Kornett vor. Vier Jahre lang arbeitete er für die Familie, bevor er am Morgen zur Schule ging.

Sinn für Humor

Seine Jugend zwischen Huren, Zuhältern und kleinen Ganoven prägten Louis' Witz. Sein Briefpapier "zeigte ihn grinsend auf einer Toilette sitzend, die Hosen bis zu den Knöcheln heruntergezogen, aus einem Winkel, als würde man durch ein Schlüsselloch spähen, und darunter stand: Satchmo sagt, lass alles hinter Dir!

Eine Schwäche für Marihuana

Louis war ein großer Marihuana-Konsument. Er nannte es Gage und wollte sogar seinen dritten Memoirenband Gage nennen. Die Gewohnheit behielt er sein Leben lang bei, denn die Droge half ihm, seine Schüchternheit zu überwinden. Dem Stoff widmete er sogar ein Lied, Song of the Vipers, eine Verherrlichung von Jazz und Marihuana. Wenige Tage, nachdem die Platte in den USA veröffentlicht worden war, wurde er vom Markt genommen.

... und Frauen

Louis war insgesamt vier Mal verheiratet und hatte zahlreiche Affären.1917 heiratete er die ehemalige Prostituierte Daisy Parker, von der er sich vier Jahre später scheiden ließ. Bereits ein Jahr darauf ehelichte er Lil Hardin, mit der bis 1938 zusammen war. Von 1938 bis 1942 war er mit Alpha Smith verheiratet. Im selben Jahr heiratete Armstrong Lucille Wilson, mit der er bis zu seinem Tod 1971 zusammen war.


Mobilmacher im Kalten Krieg

Wegen seiner weltweiten Berühmtheit wurde Louis Armstrong in den 50er Jahren von der US-Regierung als musikalischer Mobilmacher in den Ost-West-Konflikt entsandt. Ab 1956 reiste er zusammen mit verschiedenen Künstlern in den Ostblock und Staaten in Afrika und Asien, die sowohl von den USA und als auch der UdSSR umworben wurden. In Ghana spielte er beispielsweise 1956 vor 100.000 Menschen in einem Stadion.

Armstrong selbst nutzte seine Popularität auch um auf Tourneen Menschen- und Bürgerrechte für Afro-Amerikaner einzufordern.

Armstrongs zweifelhafter Manager

Joe Glaser war seit 1935 Armstrongs Manager. Glaser war ein abgebrühter Sohn russisch-jüdischer Einwanderer und zuvor schon als Alkoholschmuggler, Schieber, Boxpromoter und Zuhälter tätig. Er hatte sich wegen Pädophilie und Vergewaltigung vor Gericht verantworten müssen. Louis war das egal, denn für dessen Karriere war Glaser sehr hilfreich.

"What a Wonderful World" - ein später Erfolg

Bereits 1968 nahm die Jazz-Legende den Song What A Wonderful World auf. Er verzichtete dabei ganz auf die Trompete und sang nur. In den USA verkaufte sich der Titel damals weniger als tausendmal. Erst gut 20 Jahre später fand der Song mit dem Film Good Morning Vietnam (1989) ein breites Publikum in den USA. Auch wenn man im Film Armstrongs Gesicht nicht sah und es keine Werbung für den Song gab, schaffte es die wiederveröffentlichte Platte für sechs Wochen in die Top100. Im Rest der Welt dagegen war What A Wonderful World bereits 1968 ein Hit. In England verkaufte sich die Platte rasch und stieg an die Spitze der Charts.

Louis wuchs in der Armut des kreolischen Viertels von New Orleans auf. Die Eltern trennten sich bald Jahre nach seiner Geburt. Er war gerade zwölf, als er auf der Straße mit einer Pistole herumfuchtelte und von der Polizei in ein Heim für Herumtreiber gesteckt wurde.

Das Schönste, was den Jazz ausmacht, ist Satchmo zu verdanken: ekstatische Soli, vokale Lautmalereien, perfekt improvisierte Orchesterstücke, die einer Mozart-Komposition in nichts nachstehen. Quelle: picture-alliance

Das Schönste, was den Jazz ausmacht, ist Satchmo zu verdanken: ekstatische Soli, vokale Lautmalereien, perfekt improvisierte Orchesterstücke, die einer Mozart-Komposition in nichts nachstehen.

Dort lernte er mehrere Instrumente spielen, darunter auch die Trompete. Später gab er seine Musik auf Flussdampfern zum Besten. Mit denen gelangte er - wie auch der Jazz - von New Orleans den Mississippi hinauf bis nach Chicago. Dort traf er Joe „King“ Oliver, seinen Mentor, und lernte richtige Bühnen und Studios kennen.

Anfang der 1930er Jahre galt Armstrong als der beste Jazz-Trompeter der Welt. Dass er mit seiner Reibeisenstimme auch unverwechselbar singen konnte, obendrein selbst komponierte, seine eigene Band aufbaute und als erster Schwarzer eine eigene Radioshow bekam, machte ihn zu einem Star, wie der Jazz ihn nie wieder erlebt hat.

Kommentare (1)

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06.07.2011, 12:13 Uhr

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