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18.05.2011

09:32 Uhr

Aboriginal Art

Zu wenig Resonanz in Europa

VonOlga Grimm-Weissert

Auf dem australischen Kunstmarkt hat sich die Aboriginal Art mit relativ hohen Preisen etabliert. In Europa wird sie dagegen gerade erst entdeckt. Das signalisiert das Ergebnis der ersten großen Auktion in Paris.

Kurz vor seinem Tod malte Clifford Possum Tjapaltjarri (c. 1932-2002) das Acrylbild "Walk Around Worm at Naperby". Jetzt wurde es in Paris versteigert. Quelle: Cornette de Saint Cyr

Kurz vor seinem Tod malte Clifford Possum Tjapaltjarri (c. 1932-2002) das Acrylbild "Walk Around Worm at Naperby". Jetzt wurde es in Paris versteigert.

Paris Nur langsam erobert sich die Malerei der australischen Ureinwohner den europäischen Markt. Das zeigte auch die bislang größte Versteigerung am 9. Mai in Paris. Nur 52 Prozent der 124, vom Auktionshaus Cornette de Saint Cyr ausgerufenen Lose fanden im Drouot-Montaigne einen Abnehmer. Einlieferer Arnaud Serval und die Experten Stéphane Corréad und der Pariser Galerist Stéphane Jacob waren trotzdem mit dem Ergebnis zufrieden.

Nicht bereit, hohe Preise zu zahlen

Zum höchst dotierten Los avancierte Billy Stockman Tjapaltjarris „Python-Teppich in Ilpitteri“. 18.750 Euro erzielte das fast drei Meter hohe und 126 Zentimeter breite Gemälde von 1988. Mehrere bis 40.000 Euro geschätzte Werke wurden allerdings zurückgereicht. Die europäischen Sammler sind nach Einschätzung von Jacob noch nicht bereit, die international üblichen hohen Preise zu bewilligen. Der hiesige Markt für Aboriginal Art sei kaum den Kinderschuhen entwachsen.

Die internationalen Versteigerer beschränken sich deshalb immer noch auf Auktionen außerhalb Europas. Sotheby’s versteigert seit 1996 alljährlich im Juli in Melbourne. Christie’s begnügte sich bisher mit zwei Auktionen, die 2005 und 2006 stattfanden. In Paris startete Artcurial im Juli 2008 einen Versuch mit der Sammlung Peter Los; Tajan mischte in seine Tribal Art-Auktion im März 2010 zirka 50 Werke „Aboriginal Art“. So hielt es auch das Auktionshaus Gaïa im Oktober 2010.

40.000 Jahre alte Maltradition

Die Wertmaßstäbe der Saalkäufer bei der Abendauktion im Drouot-Montaigne waren mutmaßlich rein ästhetisch, was aber keineswegs den Intentionen der australischen Aboriginal-Maltradition entspricht. Diese existiert seit 40.000 Jahren und ist eng mit den Riten der australischen Nomadenstämme verbunden. Nur initiierte Frauen und Männer durften zu festlichen Anlässen die ihnen überlieferten Motive von der „Zeit des Traumes“ entweder auf Felswände oder in den Sand malen. Die „Zeit des Traumes“ ist jene sakrale Zeit der Ahnen, die dank der Maltätigkeit noch andauert. Jedes Gemälde ist eine spirituelle, sakrale Fläche und gleichzeitig eine Art konkrete Landkarte. Auf ihr verzeichnen die Maler die Symbole für Wasser, Regen, Gestirne, Wege (von einem Lager zum anderen), Tierspuren, einen Regenbogen oder Menschen. Tiere wie zum Beispiel Schlangen oder Krokodile werden gegenständlich dargestellt.

Die australischen Ureinwohner wurden Ende der 1960er Jahre zum sesshaften Leben in Kommunen gezwungen. 1971 setzte sich ein australischer Lehrer für die Erhaltung der rituellen Motive der Aboriginal Mal-Tradition ein. In den folgenden Jahren entstanden Kunstzentren für „Aboriginal Art“.

Der Einlieferer ist selber Galerist

Seit 2000 gab es mehrere größere Ausstellungen in den ethnologischen Museen Europas: in Lyon 2004 und in Genf 2010/11. Die Wiener Albertina zeigte 2007 die Sammlung Donald Kahn. Über eine eigene Sammlung verfügt das Pariser Musée du Quai Branly (MQB). Bevor es vor fünf Jahren eröffnet wurde, ließ man eigens eingeflogene Ureinwohner die Mauern und Decken eines Bürogebäudes des MQB bemalen.

Die in Paris versteigerten Gemälde stammen aus der Sammlung des Einlieferers. Arnaud Serval, 43 Jahre alt, lebte wiederholt mit den Aboriginals und erwarb mehrere Tausend Werke direkt. Er unterhielt seit 1996 in Paris eine Galerie und eröffnete im April Galerie- und Schauräume in Genf.

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