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22.08.2012

08:47 Uhr

About Change

Die Welt anders zusammensetzen

Künstler konstruieren in Collagen neue Welten. Das reizte die Medienunternehmerin Christiane von Salm zum Aufbau einer eigenen Kunstsammlung. Die Berlinische Galerie konfrontiert ihre zeitgenössischen Werke mit den historischen Arbeiten aus dem eigenen Museumsbestand.

Ellen Gallagher: "Greaseless (aus der Serie DeLuxe)", 2004, About Change Collection, Berlin. (Ausschnitt) E. Gallagher/Berlinische Galerie

Ellen Gallagher: "Greaseless (aus der Serie DeLuxe)", 2004, About Change Collection, Berlin. (Ausschnitt)

BerlinDie Weimarer Republik war eine Hochzeit der künstlerischen Collage. Mit Papier, Medien- und Fotovorlagen, Schere und Klebstoff arbeiteten Dada-Artisten wie Raoul Hausmann, Hannah Höch und Kurt Schwitters ebenso wie der Politkünstler John Heartfield. Die Welt des überkommenen, kaiserlichen Deutschlands war im Ersten Weltkrieg in Stücke zerbrochen, und nun schien es, als würden die Künstler die Welt neu und anders zusammenzusetzen.

Wie sehr zeitgenössische Künstler mit den Mitteln der heutigen Zeit an die alte Form der Collage anknüpfen, zeigt die Ausstellung „Manifesto Collage“ in der Berlinischen Galerie. Werke von Hannah Höch und Kurt Schwitters aus dem museumseigenen Bestand werden hier Arbeiten aus der privaten Kunstsammlung der Medienunternehmerin Christiane zu Salm gegenübergestellt. Sie stammen alle aus dem vergangenen Jahrzehnt. Die Sammlung „About Change“ legt einen bewussten Schwerpunkt auf das Prinzip der Collage. „An den Schnittstellen zwischen den verschiedenen Welten entsteht Neues, entsteht Veränderung“, schreibt die Sammlerin auf ihrer Webseite. „Die Collage ist eine solche fruchtbare Schnittstelle.“

Überzeichnete Klischees

Die Bandbreite der Arbeiten ist groß. So zeigt die antimilitaristische Collage-Serie „Bringing the War Home“ (2004) der US-Künstlerin Martha Rosler Interieurs aus US-amerikanischen Mittelstandswohnzimmern. Darin inszenieren sich die Bewohner wie Models selbst, während draußen vor dem Fenster die Welt brennt; ein bitterböser Kommentar zum Irak-Krieg. Scheinbar Unvereinbares führt Rosler im Bild zusammen, um eine direkte Wirkung beim Betrachter zu erzeugen. So haben es Höch und Schwitters vorgemacht.

Auch die afroamerikanische Künstlerin Ellen Gallagher greift auf mediale Vorlagen zurück, die sie kreativ verändert. Für die 60 Blätter umfassende Serie „De Luxe“ (2004/2005) wählte sie Seiten aus afroamerikanischen Magazinen aus. Sie hat die Frisuren der auf ihnen Abgebildeten mit Knete hervorgehoben, Gesichter mit Aquarellfarben besonders konturiert oder Augen wie die von Masken gestaltet. Auf diese Weise überzeichnet sie bestimmte Klischees und Stereotype der (Selbst-) Darstellung von Afroamerikanern in den modernen Massenmedien. Ähnlich funktionieren die Collagen der Serie „no. no. no!“ (2006) von Tobias Rehberger. Kriegsbilder aus Zeitungen und Zeitschriften hat er durch Überklebungen zum Teil unsichtbar gemacht, was jedoch die Aufmerksamkeit des Betrachters auf diese Motive erst schärft.

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