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30.10.2012

08:09 Uhr

Abstrakte Malerei

Harte Fakten zu Serge Poliakoff

VonSabine Spindler

Der gebürtige Russe Serge Poliakoff gehört zu den beliebtesten abstrakten Malern der Nachkriegszeit. Jetzt ist der vierte und vorletzte Band seines Werkverzeichnisses erschienen. Autor ist sein Sohn Alexis Poliakoff; Herausgeber die Galerie Française in München.

Gérard Schneider, Herausgeber des Werkverzeichnisses, Gérard Duruzoi, Autor einer Poliakoff-Monografie, sowie Autor und Nachlassbetreuer Alexis Poliakoff (von li.). Archiv A. Poliakoff

Gérard Schneider, Herausgeber des Werkverzeichnisses, Gérard Duruzoi, Autor einer Poliakoff-Monografie, sowie Autor und Nachlassbetreuer Alexis Poliakoff (von li.).

MünchenSerge Poliakoff ist einer der Großen der europäischen Nachkriegskunst und auf dem internationalen Kunstmarkt bis heute sehr präsent. Keine Tefaf in Maastricht, keine Art Basel und keine Biennale in Paris kommt ohne ein Werk des schon zu Lebzeiten gefeierten Abstrakten aus. Über 3.500 Gemälde und Gouachen entstanden bis zum Tod des russischstämmigen Franzosen 1969. Einen Überblick gibt das derzeit in Arbeit befindliche, französisch und englisch verfasste Werkverzeichnis, das Gérard Schneider von der Galerie Française, München, herausgibt. Mittlerweile ist man bei Band IV angelangt. Er umfasst 791 Werke von 1963 bis 1965.

Der Düsseldorfer Galerist Rainer Ludorff, der den prominenten Vertreter der Nouvelle École de Paris seit Jahrzehnten in seinem Programm führt, charakterisierte gegenüber dem Handelsblatt das Werkverzeichnis als eine „längst überfällige und ehrenwerte Aufgabe“. Der Kunstmarkt brauche fundiertes Quellenmaterial wie dieses. Denn wer heute für mehrere hunderttausend Euro ein Gemälde von Serge Poliakoff kaufe, wolle nicht nur vertrauensvolle Worte, sondern auch harte Fakten.

Skandalpegel niedrig

Das Werkverzeichnis führt üblicherweise neben den allgemeinen Beschreibungen das Entstehungsjahr, in zahlreichen Fällen einstige Besitzer und sämtliche Museums- und Galerie-Ausstellungen sowie Literaturverweise auf. Das Gemälde „Bleu Rouge Lie-de-Vin“ von 1965 beispielsweise, das in der Galerie Ludorff 445.000 Euro kostet, ist hier mit einer ganzen Liste von Galerieausstellungen aufgeführt, die sich bis ins Entstehungsjahr des Gemäldes in die St. Gallener Galerie „Im Erker“ zurückführen lassen. Eine Adresse, die in den 60er-Jahren direkt mit Serge Poliakoff zusammenarbeitete.

Auch wenn der Skandalpegel niedrig ist, auch im Falle Poliakoff, der seine Werke oft nur als "Composition abstraite" bezeichnete, gibt es Fälschungen. Überzeugende Provenienzen und bedeutende Museumsausstellungen zu Lebzeiten eines Künstlers haben mittlerweile ähnliches Gewicht wie eine stilkundliche Bewertung.

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