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14.02.2015

12:32 Uhr

Achenbach-Prozess

Eine Frage des Preises

VonMartina Müller

Zwei Künstler sagen im Prozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach aus: der Bildhauer Tony Cragg und der Fotograf Benjamin Katz. Ihre Aussagen vermitteln tiefe Einblicke in die Preise beim Weiterverkauf von Kunst.

Der Bildhauer Tony Cragg betritt den Gerichtssaal zum Achenbach-Prozess, wo er als Zeuge aussagen soll. dpa

Fortsetzung des Betrugsprozesses gegen Kunstberater Achenbach

Der Bildhauer Tony Cragg betritt den Gerichtssaal zum Achenbach-Prozess, wo er als Zeuge aussagen soll.

EssenAm zwölften Verhandlungstag im Prozess gegen den inhaftierten Kunstberater Helge Achenbach haben in dieser Woche erstmals Künstler als Zeugen ausgesagt: der Bildhauer Tony Cragg und der Fotograf Benjamin Katz.
Er sei sich nicht mehr ganz sicher, um welche Skulptur es sich gehandelt habe, sagt Tony Cragg: „Ich arbeite mit meinen Assistenten immer an mehreren Projekten.“

Auskunft gibt die Rechnung des Bildhauers: eine Edelstahl-Figur, drei Meter hoch, aus der Reihe der elliptischen Säulen „Points of View“. Davon gibt es viele Variationen. Helge Achenbach habe einige Skulpturen bestellt, darunter sicher auch die für Berthold Albrecht. Den 2012 verstorbenen Aldi-Erben habe Tony Cragg in seinem Wuppertaler Skulpturenpark gesehen, ohne mit ihm gesprochen zu haben. Mit Babette Albrecht sei er mehrmals ins Gespräch gekommen. Die Installation der Skulptur habe sein Assistent übernommen. Auf den Einwurf des Richters, das sei jetzt „ein bisschen unscharf“, antwortet Cragg: „Es ist nicht mein Job, Skulpturen zu verkaufen.“

Helge Achenbach hatte ausgesagt, das Kunstwerk sei speziell für Berthold Albrecht angefertigt worden, man habe auch über einen geeigneten Platz im Garten gesprochen. „Das ist vielleicht seine Sicht. Am Ende wusste ich, dass die Arbeit für Berthold Albrecht ist. Aber im Atelier orientiere ich mich nicht an Äußerlichkeiten, ich mache meine Sachen.“

Kunstberater Achenbach: Millionengeschäfte mit dem Aldi-Erben

Helge Achenbach

Der Düsseldorfer Kunsthändler ist seit Jahrzehnten in der Kunstszene tätig. Er gilt als Erfinder der Kunstberatung.

Geburtsdatum

17. April 1952

Achenbach Art Consulting

Achenbach besitzt seine eigene Kunstberatung. Die Achenbach Art Consulting existiert seit knapp 40 Jahren und arbeitete bereits mit renommierten Künstlern wie Gerhard Richter, Jörg Immendorff oder Andreas Gursky zusammen.

Betrugsvorwürfe

Im Juni 2014 wurden Betrugsvorwürfe gegen den Kunstberater bekannt. Babette Albrecht, Witwe des verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht, soll Anzeige gegen Achenbach erstattet haben. Der Grund: „verdeckte Preisaufschläge“. Auch Christian Boehringer von dem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim soll zu den Opfern Achenbachs zählen.

Sündenfall (1)

Achenbach verkaufte Bilder von Oskar Kokoschka. Dieser war ein österreichischer Maler, Grafiker und Schriftsteller des Expressionismus und der Wiener Moderne. Er wurde 1886 geboren und starb 1980.

Sündenfall (2)

Achenbach verkaufte Bilder von Ernst Ludwig Kirchner. Dieser war ein deutscher Maler und Grafiker und wird zu den wichtigsten Vertretern des Expressionismus gezählt. Er lebte von 1880 bis 1938.

Geschäftspartner

Achenbach machte Geschäfte mit Berthold Albrecht. Der Manager war einer von zwei Söhnen des Aldi-Nord Gründers Theo Albrecht. Berthold Albrecht lebte von 1954 bis 2012.

Geschäftsvolumen

Berthold Albrecht hat in nur drei Jahren mithilfe von Achenbach Kunstwerke und Oldtimer im Wert von rund 120 Millionen Euro erstanden.

Schaden

Die Staatsanwaltschaft geht im Zusammenhang mit den Albrecht-Geschäft Achenbachs von Betrug aus und hat einen Schaden von rund 23 Millionen Euro errechnet.

Tony Cragg und Helge Achenbach kennen sich seit Jahren, die Beziehung sei freundschaftlich. „Er ist ein gern gesehener Gast in meinem Atelier, der sich für meine Arbeit interessiert, einer von den Menschen, denen ich vertraut habe“, erklärte Cragg vor dem Richter. „Es kann sein, dass wir mehrfach über diese Skulptur gesprochen haben.“

Tony Cragg entlastet Achenbach

Was die Preise betrifft, so gebe es zwei: den Marktpreis und das, was der Künstler bekommt, erläutert Cragg weiter. „Sammler und Museen zahlen den Marktpreis, der mit der Zeit auch höher wird.“ Die Hälfte des Marktpreises, der für so eine Skulptur ungefähr bei 400.000 Euro liegt, hat Tony Cragg 2011 der Achenbach Kunstberatung in Rechnung gestellt: 220.000 Euro.

Welcher Preis dann beim Weiterverkauf erzielt werde, entziehe sich seiner Kenntnis: „Das ist Vertrauenssache“, sagt Cragg. Für 385.000 Euro (plus fünf Prozent Provision) soll Helge Achenbach die Skulptur an Berthold Albrecht verkauft haben.

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