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22.06.2015

11:35 Uhr

Achenbachs Kunstlager bei Van Ham

„Es war eine Auktion der Superlative“

VonChristiane Fricke

Der viertägige Auktionsmarathon um den Lagerbestand Helge Achenbachs ist mit einem unerwartet hohen Ergebnis zu seinem nur vorläufigen Ende gekommen. Ende September kommen rund 100 sperrige Installationen zum Aufruf.

Jörg Immendorffs Affenskulptur wechselte für 210.000 Euro den Besitzer. dpa

„Komm Jörch wir gehen“

Jörg Immendorffs Affenskulptur wechselte für 210.000 Euro den Besitzer.

Köln„Es war eine Auktion der Superlative“, fasst Markus Eisenbeis, Chef des Kölner Auktionshauses Van Ham den vier Tage dauernden Auktionsmarathon um den Lagerbestand des im Gefängnis sitzenden Kunstberaters Helge Achenbach zusammen. 6,5 Millionen Euro allein an Zuschlagssumme für rund 2.300 Werke stehen am Abend des 20. Juni 2015 in seinen Büchern; mit Aufgeld machen das 8,9 Millionen Euro. So viel hat noch keine Auktionsserie im Hause eingefahren.

Als das letzte Los, eine im pastellfarbenem Nebel kaum sichtbare Landschaft von Jef Verheyen, einem Telefonbieter für 38.000 zugeschlagen wird (Taxe 20.000 bis 30.000 Euro), brandet Beifall auf und Eisenbeis bekommt auf dem Silbertablett die berühmten weißen Handschuhe überreicht – in der Auktionswelt das Symbol für den „White Glove Sale“ genannten Komplettverkauf.

Erwartet hatte man 6 Millionen Euro, allerdings inklusive der Erlöse für die ausgewählten Werke, die von Sotheby’s noch aufgerufen werden, mehrheitlich in London am 2. Juli. Insolvenzverwalter Marc D’Avoine, der das Geschehen mit Argusaugen beobachtete, darf deshalb zufrieden sein und spricht von einem „Ergebnis über Plan“. Freude kann sich der auf Steuer- und Handelsrecht spezialisierte Rechtsanwalt von Amts wegen nicht erlauben. Im Hinterkopf hat er die Gläubiger des Kunstberaters, die nach bisherigem Stand der Erkenntnisse nicht mehr als 10 Prozent ihrer Forderungen wiedersehen könnten.

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Van Ham sonnt sich derweil in Rekordzahlen. Über 5000 schriftliche Vorgebote wurden notiert, rund 2500 Bieter registriert, davon zwei Drittel Neukunden. Viele davon boten übers Telefon mit. Live dabei waren in den Düsseldorfer Lagerhallen streckenweise mehr als 300 Personen. Auch in Köln herrschte nie gesehener Andrang. Rund 250 Leute, darunter ganze Familien, drängelten sich in und vor dem viel kleineren Saal.

Rekordverdächtig auch der Zuspruch für die 66 Affenbronzen von Jörg Immendorff. 210.000 Euro Hammerpreis bot ein deutscher Sammler für den „2 Meter hohen Beuys, der den kleinen Affen, Immendorffs Alter Ego, an der Hand führt („Komm Jörch wir gehen“) und damit den weltweit höchsten, je auf einer Auktion erzielten Preis für eine Bronze dieses Künstlers (mit Aufgeld 288.750 Euro). Seiner Beute ganz sicher sein kann er sich allerdings nicht, da diese wie acht weitere, gestern in Köln aufgerufene Skulpturen wegen noch nicht abschließend geklärter Eigentumsverhältnisse nur unter Vorbehalt zugeschlagen werden durften.

Nicht verwunderlich waren die starken Preise für die drei, gerade mal DIN-A 4-großen, mit Ölfarbe überarbeiteten Farboffsets von Gerhard Richter. Alle erzielten sechsstellige Ergebnisse, das teuerste Blatt 316.250 Euro inkl. Aufgeld. In Düsseldorf sorgte ein mit schwarzem Lack auf Leinen gemaltes Riesenformat der Amerikanerin Joyce Pensato für Überraschung. Der Hammer fiel für das mit nur 2.000 bis 3.000 Euro geschätzte Gemälde bei 50.000 Euro zugunsten eines britischen Käufers.

Für Van Ham ist der große Achenbach-Ausverkauf tatsächlich noch nicht zu Ende. Am 30. September gibt es noch mal eine „XXL“-Auktion, wenn 103 große, sperrige Formate und Installationen unter den Hammer kommen. Der Katalog ist schon gedruckt.

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