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08.07.2011

20:39 Uhr

Adrian de Vries

Vorläufiger Rückzug

Das Rätseln um die Herkunft einer bedeutenden Bronzestatue ist vorerst beendet. Ursprünglich wollte Christie’s das Werk des manieristischen Bildhauers Adrian de Vries in London versteigern. Doch das Los wurde zurückgezogen. Es stammt offenbar aus einer denkmalgeschützten Schlossanlage in Oberösterreich und darf vorerst nicht ausgeführt werden.

Um 1626 schuf Adriaen de Vries (1550-1626) die Bronze einer mythologischen Figur, die einen Globus trägt. Sie sollte zum Schätzpreis von fünf bis acht Millionen Pfund bei Christie's in London zum Aufruf kommen. Quelle: Christie's Images 2011

Um 1626 schuf Adriaen de Vries (1550-1626) die Bronze einer mythologischen Figur, die einen Globus trägt. Sie sollte zum Schätzpreis von fünf bis acht Millionen Pfund bei Christie's in London zum Aufruf kommen.

WienDer internationale Kunstmarkt ist seit dieser Woche um einen neuen Zuschlagsrekord ärmer und um einen Skandal reicher. Bei einer Routine-Schätzung, die das Anwesen des Auftraggebers mitsamt aller beweglichen Güter umfasste, hatten Christie’s-Mitarbeiter vor rund einem Jahr eine sensationelle Entdeckung gemacht. Konkret entpuppte sich eine 109 cm hohe Bronzestatue als ein der Fachwelt bislang unbekanntes Werk des manieristischen Bildhauers Adrian de Vries. Zwei Feuersbrünste und 300 Jahre Witterung hatte die einen Brunnen zierende mythologische Figur, wohl ein Bacchus, überstanden. Nun sollte sie frisch restauriert am 7. Juli im Rahmen der Auktion „Exeptional Sale“ bei Christie’s in London versteigert werden.

Der eigens für Lot Nummer 20 publizierte Katalog führte eine deutsche Adelsfamilie als bisherigen Besitzer an, nicht aber den bisherigen Standort, konkret ein Schloss in Oberösterreich, wie sich im Laufe dieser Woche herausstellen sollte. Die signierte und mit 1626 ins Todesjahr des Künstlers datierte Figur war über die Christie’s-Niederlassung in Wien eingebracht worden.

Das Bundesdenkmalamt kannte den Standort nicht

Selbstverständlich verfüge man über eine Ausfuhrgenehmigung, reagierte man auf Anfrage in London. Das Problem: Bis zu diesem Zeitpunkt hatte das zuständige österreichische Bundesdenkmalamt (BDA) keine Ahnung, dass es sich bei dem ursprünglichen Standort der Bronze um das seit 1939 unter Denkmalschutz stehende Schloss St. Martin im Innkreis handelt. Dabei hatte man mehrfach bei Christie’s in Wien um detaillierte Auskünfte gebeten. Die Angaben seien stets dürftig geblieben, das Objekt befände sich seit zumindest 100 Jahren in Privatbesitz einer deutschen Familie und der Zusammenhang mit einer denkmalgeschützten Sammlung sei wohl nicht gegeben.

Vor knapp drei Wochen veröffentlichte Christie’s den Katalog und damit auch einen ersten Hinweis für Nachforschungen: Zwei Bildausschnitte von Kupferstichen aus den Jahren 1700 bzw. 1723, die eine für potenzielle Käufer relevante historische Provenienz dokumentierten und besagten Schlosshof mitsamt der Figur zeigen. Nur Detailaufnahmen, denn mit der Gesamtansicht hätte man sofort das (baulich bis heute kaum veränderte) Schloss und damit auch jenen Eigentümer preisgegeben, der beides aber diskret behandelt wissen wollte. Eine Quadratur des Kreises.

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