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30.01.2011

18:14 Uhr

Ägyptisches Museum

Plünderer zerstören ägyptische Kunstschätze

Die Proteste in Ägypten gefährden auch die antiken Kunstschätze des Landes. Im Ägyptischen Museum, wo der Schatz des Tutanchamun ausgestellt ist, kam es zu Plünderungen und Zerstörungen. Der kulturelle Schaden ist unschätzbar.

Die weltberühmte Antiksammlung des ägyptischen Museum wurde durch Plünderer schwer beschädigt. dpa

Die weltberühmte Antiksammlung des ägyptischen Museum wurde durch Plünderer schwer beschädigt.

HB BERLIN. Arabische Fernsehsender zeigten Bilder von umgestürzten Figuren und eingeschlagenen Vitrinen in der weltberühmten Antikensammlung. Die langjährige Direktorin des Museums, Wafaa el-Saddik, machte Wachpersonal und Polizisten dafür verantwortlich. Mittlerweile werde das Museum vom Militär geschützt.

Die Zerstörungen in der berühmten Antikensammlung von Kairo geschahen alle im ersten Stockwerk, wo auch der Schatz des Tutanchamun aufbewahrt wird, sagte el-Saddik dem Berliner "Tagesspiegel" (Montagsausgabe). "Es sind sehr viele Figuren auf den Boden geworfen und zerstört worden, darunter auch Götterfiguren aus dem Schatz des Tutanchamun". Die Antikensammlung beherbergt zahlreiche Fundstücke aus dem Grab des Tutanchamun, unter anderem die berühmte goldene Totenmaske des Pharaos.

"Das waren die Wächter des Museums, unsere eigenen Leute", sagte el-Saddik. Einige Polizisten hätten offenbar vorher ihre Jacken ausgezogen, "um nicht als Polizisten erkennbar zu sein". Eine zweite Gruppe der Täter sei über eine Feuerleiter durch die Dachfenster eingestiegen.

"Als die Menschen auf dem Tahrir-Platz gemerkt haben, was vorgeht, haben sie das gesamte Gelände sofort umgestellt", sagte sie "Zeit Online". Die Demonstranten hätten einige Täter festhalten können, andere seien entkommen. "Zum Glück war dann schnell das Militär zur Stelle, das am Freitagabend bereits auf dem Tahrir-Platz aufmarschiert war. Seitdem wird das Museum gut geschützt." Die Plünderer hätten mehrere pharaonische Schmuckstücke gestohlen.

Auch ein erst kürzlich eröffneter Anbau mit einem Andenkenladen sei ausgeraubt worden. Die Wachpersonal im Ägyptischen Museum werde extrem schlecht bezahlt, erklärte Wafaa el-Saddik. Die Archäologin war von 2004 bis Ende 2010 Direktorin des Museums in Kairo. Zuvor hatte sie viele Jahre in Deutschland gelebt.

Auch ein Museum in Memphis sei am Samstag früh komplett ausgeraubt worden. "Die Verantwortlichen dort haben mich in ihrer Verzweiflung angerufen und gefleht: "Rette uns, mach etwas"", schilderte el- Saddik "Zeit Online". In den Museen in Luxor und Assuan sei dagegen nichts passiert. "Das größte Problem ist der mangelhafte Schutz unserer Museen überhaupt", sagte sie. "Das Ägyptische Museum in Kairo und alle Museen in Ägypten sind überhaupt nicht versichert."

Kommentare (3)

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Schliemann

30.01.2011, 19:30 Uhr

Allen Sozis und Kommunisten in berlin ins Stammbuch gechrieben: Nofrete ist schon längst berlinerin geworden. Der ägyptische Museumswärter, der immer wieder mit unverschämten Forderungen an Deutschland nach Rückgabe herantritt, gehört ein für alle mal das Maul gestopft. Die Zustände in Kairo sind der letzte beweis!

S.Bauer

30.01.2011, 20:33 Uhr

Es gibt mehr und mehr Hinweise darauf, daß solche Vorkomnisse bewusst von der Mubarak-Junta angezettelt werden, um die Proteste gegen seine Herrschaft zu diskreditieren. Wie im Artikel geschrieben: Wachpersonal und Polizei sind für diese Frevel verantwortlich. Es gibt berichte, daß Sachen wie dieses hier oder die Freilassung von Schwerverbrechern von ganz oben angeordnet wurde.

Mubarak ist ganz offensichtlich ein alter, sturköpfiger und machtgieriger Mann, der sich mit allen Mitteln an seine Macht krallt. Dieser Mann würde sein ganzes Land in Zerstörung und Chaos enden lassen. Hauptsache, er behält die Macht.

stephan heinrich

31.01.2011, 12:58 Uhr

@Schliemann ist zuzustimmen, auch wenn ich es anders formuliert hätte.
interessanterweise habe ich vor ca. 2 Wochen nach der letzten Rückgabeforderung Ägyptens in Sachen Nofretete darauf hingewiesen, dass N. in berlin hervorragend präsentiert und konserviert werde, während im Ägyptischen Nationalmuseum allgemein miserable Ausstellungsbedingungen herrschen.

Die jüngsten, absolut zu verurteilenden Ereignisse im Nationalmuseum zeigen, dass es auch die büste Nofretetes hätte sein können, die umgeworfen (oder geklaut) wurde.

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