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22.02.2015

16:23 Uhr

Ärger um den Oscar

Von Plastik-Babys, Drogen und Raubkopien

VonAxel Postinett

Die Filmbranche verleiht heute ihren wichtigsten Preis: den Oscar. Doch auch die nominierten Filme sind nicht frei von Skandalen. Ein Plastikbaby sorgt für Spott, illegale Downloads für Ärger in Hollywood.

Auf den Straßen von Los Angeles laufen die letzten Vorbereitungen für die große Oscar-Verleihung. AFP

Hollywood bringt sich auf Hochglanz

Auf den Straßen von Los Angeles laufen die letzten Vorbereitungen für die große Oscar-Verleihung.

Los AngelesDumm gelaufen. „And the Oscar goes to: American Sniper“. Aber nicht irgendein Oscar. Schon vor der großen Gala am Sonntagabend bekommt der umstrittene Scharfschützen-Film des greisen Regisseurs Clint Eastwood das wohl unbeliebteste Abzeichen der Branche an die Brust geheftet: Kein anderer Film jemals wurde nach seiner Nominierung für den prestigeträchtigen Filmpreis so oft illegal aus dem Internet geladen. Ganze 1,39 Millionen Mal drückten sparsame Filmfans zwischen dem Verkündungstag am 15. Januar und dem 14. Februar den Download-Button. Insgesamt, so die Piraten-Verfolger von Irdeto, einem Unternehmen, das weltweit Urheberrechtsverletzungen nachgeht, wanderten von den acht für „Bester Film“ nominierten Werken rund 6,5 Millionen Kopien auf irgendwelchen Festplatten.

Doch es kommt noch besser. Der zweite Award, den „American Sniper“ schon in der Tasche hat, ist der der größten Lachnummer des Jahres. Mitten in einer Schlüsselszene des ergreifenden und wie Kritiker meinen schwer kriegsverherrlichenden Irak-Dramas ergreift der Held liebevoll sein Baby aus den Händen der Mutter – und es ist eine 15-Dollar-Puppe aus der Grabbelkiste des Spielwaren-Discounters. So sehr sich die Protagonisten auch mühen und so echt das darüberkopierte Baby-Gebrabbel ist, irgendwie löst sich der Spannungsbogen beim Betrachter auf einmal in hemmungsloses Gelächter auf.

Das Plastikbaby hat mittlerweile einen eigenen Twitter-Account, Scherzbolde verlangen einen Oscar für die „beste Nebenrolle aus Plastik“ und Kommentatoren unken: Wenn das Werk des 84-jährigen Eastwood an diesem Abend nicht die meisten Oscars abräumt, sondern gegen „Birdman“ oder „The Imitation Game“ verlieren sollte, dann wegen dieser Schenkelklopfer-Lachnummer in einer 60-Millionen-Dollar-Produktion. Eine Plastikkopie des Scharfschützengewehrs aus dem Spielwarenregal hätte Waffennarr Eastwood niemals durchgehen lassen. Selbst wenn das Arbeiten mit Babys am Set extrem kompliziert und durch harte gesetzliche Auflagen (völlig korrekt) stark reguliert ist: Dann lieber die Szene weglassen als so was, so der Tenor im Internet.

Kaufen, Klauen, Essen: Fakten über den Oscar (1)

Oscar...

Die 35 Zentimeter große, vier Kilogramm schwere und mit Gold überzogene Figur – sie gleicht einem Ritter, der auf einer Filmspule steht und sich auf ein Schwert stützt – ist eben die begehrteste Filmtrophäe der Welt. Sie soll nicht käuflich sein, man muss sie sich verdienen, meinen die Organisatoren.

...ist käuflich

Normalerweise gewinnt man einen Oscar, doch er ist auch käuflich. Schon ab knapp zehn Dollar und bis weit über eine Million. Hollywoods höchste Auszeichnung ist ein begehrtes Objekt.

Michael Jackson...

Der 2009 verstorbene Popstar war tatsächlich Besitzer einer Oscar-Trophäe, allerdings auf Umwegen und für sehr viel Geld. 1999 hatte der Sänger für über 1,5 Millionen Dollar den begehrten Goldjungen aus dem Jahr 1939 für das prämierte Südstaaten-Drama „Vom Winde verweht“ ersteigert.

...bezahlte Rekordpreis

1,5 Millionen Dollar ist mit Abstand der höchste Preis, der jemals öffentlich für eine Oscar-Statue geboten wurde. Extrem, ja, aber nicht weiter verwunderlich, meint der Auktions-Experte Darren Julien von Julien's Auctions in Beverly Hills. „Für Sammler ist der Oscar die ultimative Hollywood- Trophäe, das ist der „Monet“ unter den Preisen“. Vor allem aus Asien und Russland bekomme er viele Anfragen nach käuflichen Oscars, erzählt Julien.

Es gibt nicht viele...

Seit der ersten Oscar-Verleihung im Jahr 1929 sind nach Angaben der Film-Akademie nur knapp 3000 Statuen ausgehändigt worden.

...und ein Rückkaufsrecht

Seit 1950 sichert sich der Verband von allen Oscar-Gewinnern vertraglich das Recht zu, die Statuen für einen symbolischen Preis von einem Dollar zu erwerben, falls die Gewinner ihre Trophäe in bare Münze umsetzen wollen. Dieser Knebelvertrag gilt auch für die Erben.

Oscar-Auktionen rund um...

Damit wird jede Oscar-Auktion zur Besonderheit. 2012 kamen gleich 15 Goldjungen für insgesamt mehr als drei Millionen Dollar unter den Hammer – alle aus Jahren vor 1950. Der mit Abstand teuerste Oscar war der von Herman J. Mankiewicz für das Drehbuch von „Citizen Kane“, der für umgerechnet 440.000 Euro wegging.

...Bette Davis und

2001 ersteigerte Oscar-Preisträger Steven Spielberg den 1938 für „Jezebel“ gewonnenen Oscar von Hollywood-Ikone Bette Davis. Er zahlte 578 000 Dollar und schenkte die Statue umgehend der Academy. Damit „rettete“ Spielberg bereits zum zweiten Mal einen Oscar vor einer weiteren kommerziellen Ausnutzung.

...Clark Gable

1996 hatte der Regisseur die Oscar-Trophäe von Clark Gable für den Film „Es geschah in einer Nacht“ für über 600.000 Dollar ersteigert und der Filmakademie vermacht.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott also nicht zu sorgen. Doch was bringt eine Oscar-Nominierung denn sonst noch, außer unliebsamer Aufmerksamkeit in Internet-Tauschbörsen und überbordender Schadenfreude? Schauspielern und Filmschaffenden bringt er die Aufmerksamkeit der Medien, Ruhm, Ehre und eine bessere Verhandlungsposition bei neuen Projekten. Dazu, wenn sie Glück haben, die Möglichkeit am Sonntag in Hollywood einmal auf offener Bühne Papa und Mama und allen möglichen anderen Leuten zu danken, von denen man am Montagmorgen schon nichts mehr hört.

Dazu gibt es eine mit 24-Karat-Gold überzogene Statue von seltener Hässlichkeit. Die dürfen die Geehrten noch nicht mal verkaufen, weil das seit 1950 verboten ist. Sie müssen sie für einen symbolischen Dollar der Academy zum Rückkauf anbieten. Wer Pech hat und seinen Namen nicht im Umschlag findet, tröstet sich mit einem Geschenkpaket mit kleinen Aufmerksamkeiten für zusammen 160.000 Dollar. Es ist so toll, ein Verlierer zu sein.

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