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11.08.2011

13:45 Uhr

Aktuelle Kunst

Nur ein Trostpflaster für Berlin

VonChristian Herchenröder

Im Postbahnhof wird es eng, wenn im September 117 Galerien in der abc art berlin contemporary in Berlin Kunst an den Mann bringen wollen. Ein echter Ersatz für die abgesagte Messe art forum ist die kuratierte Verkaufsausstellung aber nicht.

Koje von Matthias Weischer mit dem Gemälde "Pulp Painting". Quelle: courtesy Galerie EIGEN + ART / Uwe Walter

Koje von Matthias Weischer mit dem Gemälde "Pulp Painting".

BerlinAls die Berliner Messegesellschaft Ende Mai verkündete, dass die Kunstmesse art forum vorerst gestorben sei, hielten sich Zustimmung und Kritik die Waage. Beifall gibt es dafür, dass der unglückliche, zwischen Messen in London und Paris platzierte Termin des art forum geplatzt war. Aber auch von „Mafia“ und „Kartell“ ist die Rede. Denn die federführend von den Berliner Galeristen Esther Schipper, Alexander Schröder und Joanna Kamm betriebene „A-Z art exhibition GbR“, die das Berliner Gallery Weekend und die messeähnliche Überblicksveranstaltung  abc art berlin contemporary organisiert, strebte die Alleinherrschaft an. Sie hatte sich zu einer Fusion mit dem art forum bereit erklärt, aber nur unter der Bedingung, auch die Organisation dieser in 15 Jahren gereiften Schau zu übernehmen. Das musste die Messegesellschaft ablehnen, was von vorne herein klar war.

Kunst im Postbahnhof

Nun gibt es also nur noch eine Messe in Berlin: Die abc mit konzentriertem Programm und offenem Format zwischen Ausstellung und Galerie. 122 Künstler aus 117 Galerien präsentieren sich vom 7. bis 11. September 2011 im ehemaligen Postbahnhof am Gleisdreieck, in dem schon die erste, der Skulptur  gewidmete abc gezeigt wurde. Diese vierte Ausgabe hat den Titel „about painting“ und wird Malerei, aber auch Installationen, Videos, Fotos und Skulpturen versammeln, die „ein kontextuelles Interesse an diesem klassischen Medium aufweisen“. Kuratorische Beihilfe leisten Rita Kersting, ehemalige Leiterin des Düsseldorfer Kunstvereins, und der Filmwissenschaftler Marc Glöde.

Internationale Beteiligung

Von den 38 eingeladenen ausländischen Galerien kommen fünf aus London, je vier aus New York und Wien, je drei aus Paris und Mailand, je zwei aus Turin und Brüssel. Auch aus Dubai und Peking werden Beiträge erwartet.

Eine Lücke bleibt

Die Liste der ausgewählten Künstler ergibt ein stimulierendes Spannungsfeld aus Klassikern (z.B. André Thomkins, Uwe Lausen, Per Kirkeby, Valie Export, David Buren), arrivierter zeitgenössischer Kunst (Marlene Dumas, Günther Förg, Elizabeth Payton, Thomas Scheibitz, Matthias Weischer, Eberhard Havekost, Olafur Eliasson) und jüngsten Positionen. Ein Ersatz für die marktstrategisch unverzichtbare Messe ist das noch nicht. Eher ein ästhetisches Trostpflaster. Dass Berlin internationales Marktpflaster ist, sollte sich nicht nur auf Galerieebene zeigen. 

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