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14.07.2012

16:23 Uhr

Albrecht Dürer

Nur das Beste erzielt hohe Preise

VonChristian Herchenröder , Christian Herchenröder

Die stark besuchte Nürnberger Schau zu Albrecht Dürer betont dessen deutsche Herkunft. Dabei wurde der Künstler erst durch seine Italienreisen zu einer europäischen Leitfigur. Ein Widerspruch?

Ein Besucher in der Ausstellung „Der frühe Dürer“. dapd

Ein Besucher in der Ausstellung „Der frühe Dürer“.

Er war der einflussreichste Künstler der deutschen Renaissance, schon zu Lebzeiten ein internationaler Marktfaktor. Der italienische Kunstchronist Giorgio Vasari pries Albrecht Dürer (1471 bis 1528) 40 Jahre nach dessen Tod als universalen Geist. Der Kunsthistoriker Heinrich Wölfflin charakterisiert ihn als einen, der „über das Wirkliche hinaus das Bild der Schönheit an den Tag bringt“ - eine einsame Position in der deutschen Kunst dieser Zeit, eine Grundhaltung, die generell mit der italienischen Renaissance verbunden wird.

Dürer hat sie als Kunstwanderer erreicht. Zweimal ist er nach Italien aufgebrochen, zweimal hat die Begegnung mit der venezianischen Kunst nicht nur eine Verfeinerung seiner Technik, sondern auch sein Streben nach Harmonie, nach der messbaren Schönheit des Körpers gefördert. Schon früh erkannte Dürer, dass er mit der Verbreitung seiner Druckgraphik die besten Chancen hatte, berühmt zu werden. Sie gab ihm auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit, sich in aller Ruhe seinen Malereiaufträgen widmen zu können. Ihm selbst dienten die Kupferstiche und Holzschnitte als Reiseschecks. Als er zu seinen Italienreisen aufbrach, ließ er Ehefrau und Mutter die Graphiken in der Heimat verkaufen.

Albrecht Dürer: „Die Anbetung der Könige“ aus Florenz fasziniert durch Farbwahl und perspektivische Finesse (Gemäldeausschnitt). Germanisches Nationalmuseum

Albrecht Dürer: „Die Anbetung der Könige“ aus Florenz fasziniert durch Farbwahl und perspektivische Finesse (Gemäldeausschnitt).

Als er 1504 nach Venedig reiste, waren seine Kupferstiche in Italien schon so bekannt, dass Marc Antonio Raimondi Nachstiche mit Dürer-Monogramm geschaffen hatte, gegen die der Nürnberger Künstler mit Erfolg klagte. Dürer war es schon damals und ist es noch heute: eine unerschütterliche Marktsäule. 1504 hatte er mit dem Meisterstich „Adam und Eva“ ein Hauptwerk geschaffen, das die von allem Ballast befreite ideale Schönheit des menschlichen Körpers feiert.

Dieses in frühen Druckzuständen meistgesuchte Blatt wurde 2004 bei Kornfeld in Bern zum Spitzenpreis von 490.000 Schweizer Franken (netto) zugeschlagen und erreichte dort fünf Jahre später in einem anderen Exemplar 460.000 Franken (netto). Den absoluten Rekordpreis für Dürer-Graphik setzte ein Museum ein: Für 1,1 Millionen Dollar erwarb die Washingtoner Nationalgalerie 2009 einen seltenen, kompletten Satz der Holzschnitt-Apokalypse als Frühdruck, deren Einzelblätter immer wieder in Auktionen erscheinen und selbst in schwachen Abdrucken Käufer finden. Frühe Einzelabzüge dieser Holzschnittfolge bringen heute mühelos 50.000 Euro.

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