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21.10.2015

15:06 Uhr

Alexander Calder

Ornament auf Papier

VonChristiane Fricke

Den Raum allein durch Farbe erlebbar zu machen, war ein großes Thema der amerikanischen Kunst schon vor dem Zweiten Weltkrieg. Auch der Bildhauer Alexander Calder kreist ausdauernd um das Verhältnis von Farben und Flächen. Das zeigt eine Ausstellung mit überwiegend farbigen Papierarbeiten in der Züricher Dependance der Galerie Michael Haas.

Alexander Calders Gouache und Tuschearbeit "Square Spiral" von 1973. Quelle: Galerie Haas AG, Zürich

Farben und Formen in Balance

Alexander Calders Gouache und Tuschearbeit "Square Spiral" von 1973. Quelle: Galerie Haas AG, Zürich

ZürichBildhauer haben es gewöhnlich schwer, der Schwerkraft ein Schnippchen zu schlagen. Alexander Calder (1898-1976) ist es mit seinen Mobiles gelungen, was nach den visionären Vorstößen der Konstruktivisten in den Raum in den frühen 1920er-Jahren eine radikale Neuerung darstellte. Im Nachhinein erscheint Calders Errungenschaft in noch etwas anderem Licht, wenn man weiß, dass der Amerikaner zuvor als Ingenieur ausgebildet wurde. Ende der 1920er-Jahre datieren seine ersten beweglichen Spielzeuge und Drahtskulpturen.

1939 schuf Alexander Calder diese spielerische Fingerübung mit Tusche und Gouachefarben: „Sans  titre 'To mark our first 41 years of struggle…'”. Quelle: Galerie Haas AG, Zürich

Standortbestimmung mit 41 Jahren

1939 schuf Alexander Calder diese spielerische Fingerübung mit Tusche und Gouachefarben: „Sans  titre 'To mark our first 41 years of struggle…'”. Quelle: Galerie Haas AG, Zürich

Gesetze des malerischen Raums

Die Mobiles haben Calder berühmt gemacht. Parallel dazu entwickelte er seit den dreißiger Jahren die Idee einer Plastik, die von einer flächigen, nicht-illusionistischen Malerei angeregt wurde. Auch das war damals ein Novum. Wer sich für die Calder-Ausstellung bei Haas in Zürich interessiert, sollte diese Neuerung im Hinterkopf behalten. Denn das Gros der angebotenen zehn Arbeiten auf Papier kreist um die Gesetze des malerischen Raums. Vor allem gilt das für die sieben Zeichnungen, die bis auf eine Tuschezeichnung von 1953 in Calders späten Jahren Ende der Sechziger bis 1973 entstanden. Flächige Formen, Spiralen und Rundformen in Primärfarben entfalten auf ihnen eine starke, ornamentale Wirkung. Das preisliche Spektrum liegt zwischen umgerechnet 124.000 und 230.000 Euro, inklusive der in der Schweiz anfallenden 8 Prozent Mehrwertsteuer.

Alexander Calders Tuschezeichnung "Sculpture Project II" von 1944. Quelle: Galerie Haas AG, Zürich

Ideenskizze für ein Stabile

Alexander Calders Tuschezeichnung "Sculpture Project II" von 1944. Quelle: Galerie Haas AG, Zürich

Erinnerung an Joan Miró

Die früheste freie Papierarbeit stammt aus dem Jahr 1939, eine Gouache und Tuschearbeit, die Calders Freundschaft mit Joan Miró wachruft. Kostenpunkt: 210.000 Euro. Für einen mit Tusche gezeichneten Entwurf eines skulpturalen Projekts von 1944 (57,8 x 79,1 cm) setzt Michael Haas 180.000 Euro an. Die Form ähnelt sehr stark dem ca. 1939 datierten Entwurf eines „Stabiles“ von 1939 aus dem Museum of Modern Art in New York („Spiny (Maquette“). Denselben Preis hat eine ähnliche, etwas größer dimensionierte und farbig angelegte Arbeit  aus dem Jahr 1950.

„Alexander Calders Arbeiten auf Papier aus den 40er bis 70er Jahren“, Galerie Haas, Zürich, 26. Oktober bis 28. November 2015

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