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20.10.2011

16:40 Uhr

Alfred Sisley

Am Nerv der Zeit vorbei gemalt

Trotz Negativkritik malte Alfred Sisley wie gewohnt weiter. Zu spät begann er die Arbeit an neuen Sujets und einem innovativen Stil. Auf dem Auktionsmarkt erfreut er sich steigender Beliebtheit. Von den Höchstpreisen eines Monet ist er aber weit entfernt.

Alfred Sisley: "Le Canal du Loing", 1884. (Ausschnitt) Von der Heydt-Museum, Wuppertal

Alfred Sisley: "Le Canal du Loing", 1884. (Ausschnitt)

Wuppertal.Einem abgewandelten alten Werbeslogan zufolge sind es drei Dinge, die ein Künstler braucht, um berühmt zu werden: das richtige Auftreten, Themenvielfalt und ein langes Leben. Alfred Sisley war nichts davon beschieden. Gerade als der 1839 in Paris geborene Engländer dabei war, sich einem innovativen Stil und neuen Sujets zuzuwenden, starb er – um es mit Spitzweg zu sagen – als „armer Poet“, noch nicht sechzigjährig an Krebs.

Wie so häufig bei Künstlern seiner Zeit, erfährt Sisleys umfangreiches Oeuvre von 884 Gemälden erst nach seinem Tod die angemessene Würdigung. So wie jetzt im Von der Heydt-Museum Wuppertal, das nach Renoir, Monet und Bonnard nun auch ihm, dem „wahren Impressionisten", wie der Untertitel verheißt, eine erste große Einzelschau in Deutschland widmet.

Mit Tubenfarben raus ins Freie

80 Werke aus Sammlungen weltweit nehmen einen mit in eine Ära, in der die Freiluftmalerei erblühte. Bereits fertig gemischte Ölfarben in handlichen Tuben – ein Novum zu jener Zeit –, ermöglichten es dem wohlhabenden Tuchhändlersohn Sisley und seinen Künstlerfreunden Claude Monet und Auguste Renoir, die Landschaft rund um Paris fernab von Atelier und „Großstadtmief“ auf die Leinwand zu bringen.

Bei Sisley, der bei dem Schweizer Maler Charles Gleyre eine dreijährige Kunstausbildung absolvierte, herrschten damals noch schwere Braun- und Grün-Töne vor. Das zeigen beispielhaft die Bilder „Kastanienallee" (1867) und „Monet im Wald von Fontainebleau" (1865) im ersten Raum. Erst später wird sein Farbauftrag leichter, zarter, luftiger; schön zu sehen bei einer zweiten Kastanienallee aus dem Jahr 1878 ein paar Räume weiter. Dort schon ist die Allee in ein sattes Grün getaucht und von Sonne durchflutet.

Affinität zu Flusslandschaften

Die Ausstellung spannt einen weiten Bogen. Er reicht von den frühen Anfängen, in welcher der dicht vermalte, dunkle Ton der „Schule von Barbizon“ vorherrschte, über eine lichtere Palette und einen tupfenden, strichelnden Farbauftrag bis hin zu den ersten Anzeichen der Abstraktion, die den Übergang in die Moderne ankündigen. Neben Werken seiner Vorbilder John Constable und William Turner im Eingangsbereich, gibt es auch einige wenige Zeichnungen und Druckgraphiken von Sisley.

Besonders ins Auge jedoch fallen die vielen Serien: Winterbilder, in denen der Maler mit verschiedenen Graden der Farbe Weiß experimentiert, Sommerbilder, Hochwasserszenarien bei Port-Marly und immer wieder Flusslandschaften. Die berühmteste ist wohl die Kanal- und Flusslandschaft des Loing in seinem langjährigen Wohnort Moret-sur-Loing. Auch die Kirche von Moret hält Sisley in zwölf Bildern fest, hat damit aber trotz seiner neuen, räumlicheren Herangehensweise weniger Erfolg als Monet mit seiner Serie „Kathedrale von Rouen“.

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