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21.04.2015

08:51 Uhr

Alfred Taubman

Der Mann, der für Sotheby’s ins Gefängnis ging

VonMatthias Thibaut

Alfred Taubman begann seine Karriere als Schuhverkäufer. Nach dem Erwerb von Sotheby’s 1983 revolutionierte er den Auktionsbetrieb und brachte das Unternehmen an die Börse. Kartellabsprachen brachten ihn 2002 hinter Gitter. Jetzt starb er mit 91 Jahren.

Alfred Taubman 2002 auf seinem Weg ins New Yorker Gericht. Der damalige Besitzer von Sotheby's wurde zu einem Jahr Gefängnis und einer hohen Geldstrafe wegen illegaler Preisabsprachen verurteilt. picture-alliance / dpa

Alfred Taubman 2002 auf seinem Weg ins New Yorker Gericht. Der damalige Besitzer von Sotheby's wurde zu einem Jahr Gefängnis und einer hohen Geldstrafe wegen illegaler Preisabsprachen verurteilt.

LondonAls Alfred Taubman 1983 als „weißer Ritter“ das angeschlagene Londoner Auktionshaus Sotheby’s übernahm, war er ein amerikanischer Immobilieninvestor mit einem Spezialportfolio von Einkaufszentren. Man hatte in gewarnt. „Es ist ein lausiges Geschäft“.

Was ihn an Sotheby’s lockte, war die Tatsache, dass die weltbekannte Firma nur einen ernst zu nehmenden Mitbewerber hatte, Christie’s. Es war eine Analyse, die Taubman bereut haben mag: Wegen des Kartellskandals um Preisabsprachen zwischen Christie’s und Sotheby’s, der 2000 aufflog, musste Taubman 2002 als 78-jähriger eine einjährige Gefängnisstrafe antreten, obwohl er sich immer als unschuldig bezeichnete.

Die Leute brauchen keine Kunst

Die Aufgabe, Sotheby’s 1983 wieder auf die Beine zu bringen, ging Taubman entschlossen nach dem Motto an: „Kunst verkaufen ist wie Rübensaft verkaufen. Die Leute brauchen keinen Saft – und sie brauchen keine Kunst“.

Unter Taubmans Führung realisierte Sotheby’s als erstes Auktionshaus das Einzelhandelspotenzial des Auktionsbetriebs. Bis dahin waren Auktionen die exklusive Domäne einer Händlerelite, die auf Leute wie den Selfmademan Taubman herunter sahen, der als Schuhverkäufer begann und Sohn eines aus Deutschland eingewanderten jüdischen Maschinenarbeiters war. Taubman entriss das Auktionsgeschäft dem Handel und den Händlerringen, die mit geheimen Absprachen Außenstehende blockierten und die Preise zu kontrollieren versuchten. Das neue Zielpublikum waren Privatkäufer, die Taubman mit farbigen, wie Modemagazine mit werbenden Texten aufbereiteten Katalogen anlockte.

Mit dem Herzog auf Entenjagd

Das Konzept ging auf: 1988 konnte Taubman seinen Erwerb an die New Yorker Börse geben. Er selbst hatte sich vom Schuhverkäufer zu einem Mitglied der besseren Kreise gewandelt, sammelte Kunst, saß im Treuhänderrat der wichtigsten Museen und ging mit dem Herzog von Devonshire, einem Aufsichtsratskollegen, zur Entenjagd.

Der Prozess um die Kartellabsprachen, die Christie’s Chefmanager Christopher Davidge mit Sotheby’s Chefin Diana Brooks vereinbart hatten, brachte Sotheby’s fast an den Rand des Ruins. Taubman wurde zu einer Strafe von 7,5 Millionen Dollar und einem Jahr Gefängnis verurteilt; zusätzlich bezahlte er 186 Millionen Dollar Kosten an Zivilkläger und Aktionäre. 2005 verkaufte er seine letzten Aktienanteile an das Auktionshaus.

Bis zuletzt beteuerte Taubman seine Unschuld. In seiner Autobiografie warf er Davidge vor, die Kartellabsprachen eingefädelt zu haben und impliziert, dass Diana Brooks, „eine pathologische Lügnerin“, ihn hereinlegte.

Als Taubman 2003 nach über neun Monaten aus dem Gefängnis entlassen wurde, sagte er: „Ich habe ein Stück meines Lebens, meinen guten Ruf und 27 Pfund Gewicht verloren.“

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