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20.10.2011

15:36 Uhr

Alte Kunst

Der Hausrat seiner Hoheit

Der Adelsbonus zieht nicht immer. Das führte die jüngste Auktionswoche des Dorotheums vor Augen. Qualität bleibt das entscheidende Kriterium.

Franz Ludwig Catel (1778-1856): "Spaziergang in Palermo" wurde für 306.300 Euro (inkl. Aufgeld) versteigert. (Ausschnitt) Dorotheum

Franz Ludwig Catel (1778-1856): "Spaziergang in Palermo" wurde für 306.300 Euro (inkl. Aufgeld) versteigert. (Ausschnitt)

Wien.Die Liste der erlauchten Popos, die sich auf dem Zopfstil-Salonensemble niederzulassen pflegte, mag ja eine ganz stattliche gewesen sein; der Adelsbonus zog trotzdem nicht. Legendär die Thurn und Taxis-Sause in den 1990ern, als schnöde Küchenstühle für ein Vermögen den Besitzer wechselten. Dem Hause Anhalt-Askanien blieb derlei vornehmlich verwehrt. Die Nachfrage für den im Wiener Dorotheum offerierten hochwertigen Hausrat seiner Hoheit Eduard Prinz von Anhalt blieb gemäßigt.

Zurück ging die nach einem Entwurf Rubens um 1630 gewirkte Tapisserie mit dem Motiv der Vertreibung der Heiden – zu verblichen, um bei einer stolzen Taxe von 50.000 bis 70.000 Euro Interessenten aus der Reserve zu locken. Die Telefone blieben still und keiner der im Saal Anwesenden zückte sein Bietertäfelchen.

Etwas fiel dennoch für die aristokratische Haushaltskasse ab: Zum Limit sicherten sich österreichische Käufer einen Lehnsessel für 1.500 Euro inkl. Aufgeld sowie einen süddeutschen Renaissance-Fassadenschrank für 12.500 Euro. Nach Deutschland reichte man wiederum einen flämischen Kabinettschrank für 7.500 Euro weiter. In Punkto Qualität überzeugte hingegen eine große Regence-Prunkkonsole (67.400), die sich der deutsche Handel für 67.400 Euro ebenso aus dem Angebot fischte wie einen musealen Empire-Damensekretär für 61.300 Euro.

Provenienz schürt Erwartungen

In anderen Spartensitzungen, die im Rahmen der dritten Auktionswoche des Dorotheums vom 11. bis 13. Oktober auf dem Programm standen, tat das Blaublut-Phänomen wiederum seine Wirkung. Zumindest in jenen Fällen, in denen die Güte überzeugte oder die Provenienzhistorie hochkarätiger als sonst geriet.

In der Sektion Gemälde des 19. Jahrhunderts wartete etwa ein Dokument aus der Vita Zarin Alexandra Fjodorownas, geborene Prinzessin Charlotte von Preußen, auf einen Käufer.

Unter dem Titel „Spaziergang in Palermo“ hatte der deutsche Maler Franz Ludwig Catel den Ausflug der russischen Herrscherfamilie 1846 samt stilechten Transportmitteln verewigt. Bis zum Tod der Zarin hing dieses stimmungsvolle Gemälde an der Salonwand im Alexander Palast. Über den Erbweg gelangte es später an die Familie von Württemberg und verschwand Anfang des 20. Jahrhunderts, bis es jetzt von Dorotheums-Experten in einer italienischen Sammlung entdeckt wurde.

Eine solche Provenienz schürt freilich auch Erwartungen, die mit 250.000 bis 350.000 Euro dann doch zu hoch gegriffen waren. Übers Telefon war dem Museum in St. Petersburg die Heimkehr den Kaufpreis von 306.300 Euro wert. Immerhin, der höchste Zuschlag der Sparte Gemälde des 19. Jahrhunderts, die insgesamt 3,42 Millionen Euro einbrachte bei einer Verkaufsquote von 60 Prozent.

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