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03.11.2011

19:25 Uhr

Alte Kunst

Ein Mann kommt nach Hause

VonChristiane Fricke

Mit gefühlsbetonter, religiöser Malerei nach spätmittelalterlichen Vorbildern verstießen junge Künstler Anfang des 19. Jahrhunderts gegen die Konventionen. Jetzt kommt bei Van Ham eines der seltenen Gemälde von Franz Pforr zur Auktion.

Franz Pforr (1788-1812): "Nächtliche Heimkehr", monogrammiert und datiert unten auf der Tafel: FP 1808. Öl auf Leinwand. 26 x 20cm. (Ausschnitt) Van Ham/Sasa Fuis

Franz Pforr (1788-1812): "Nächtliche Heimkehr", monogrammiert und datiert unten auf der Tafel: FP 1808. Öl auf Leinwand. 26 x 20cm. (Ausschnitt)

Köln.Von den gerade einmal fünf Gemälden, die dem früh verstorbenen Maler Franz Pforr (1788-1812) sicher zugeschrieben werden können, befinden sich drei im Städel Museum in Frankfurt. Jetzt hat das Kölner Auktionshaus Van Ham ein sechstes entdeckt, ein kleines Format, das den Titel „Nächtliche Heimkehr“ trägt. Am 18. November soll das monogrammierte und 1809 datierte Ölbild zum Schätzpreis von 130.000 bis 150.000 Euro versteigert werden.

Der Einlieferer staunte nicht schlecht, als der hinzugezogene 19. Jahrhundert-Kenner Helmut Börsch-Supan das Gemälde als Schlüsselbild des frühen 19. Jahrhunderts identifizierte. Seine Entstehungszeit fällt in die Aufbruchsphase der frisch gegründeten Künstlergruppe Nazarener, die sich damals noch „Lukasbrüder“ nannten. Das Bild, das bislang als vermisst galt, vom Künstler aber beschrieben wurde, entstand im eigenen Auftrag. Ein Nachtstück sollte es sein: „ein Mann, welcher nach Haus kommt und sein Weib bei der Arbeit findet“, berichtete Pforr.

Bekenntnis zu Gefühlen

Mit der gefühlsbetonten, moralisch-religiösen Grundstimmung betraten die jungen Künstler damals Neuland. Eine eigenartige Balance charakterisiert denn auch die aus tiefem Dunkel herausgearbeitete Szene, die mit wenigen, fein gemalten Bildgegenständen auskommt. Sie schwankt zwischen intimer Idylle und religiöser Erzählung, zwischen biedermeierlich-privatem Interieur und spätmittelalterlichen Darstellungskonventionen. Verständlich wird dieses Schwanken: Sehr wahrscheinlich stellte der Künstler sein eigenes Nachhausekommen dar.

In der 19. Jahrhundert-Offerte fällt darüber hinaus ein Genrebild der zurzeit in Düsseldorf ausgestellten Düsseldorfer Malerschule ins Auge: Rudolf Jordans 1878 gemalte Kneipenszene „In der Osteria, genannt die Schlangenkneipe“. 90.000 bis 100.000 Euro werden für die gut beobachtete Gesellschaft erwartet, unter der sich auch die Brüder Achenbach befinden soll. Von beiden hat Van Ham im Übrigen auch eigene Arbeiten im Angebot.

Georg Flegel (1563-1638): "Frühstück mit Trauben, Nüssen, Kastanien und Brot". Öl auf Eichenholz,. 38,7 x 48,6cm. (Ausschnitt) Van Ham/Sasa Fuis

Georg Flegel (1563-1638): "Frühstück mit Trauben, Nüssen, Kastanien und Brot". Öl auf Eichenholz,. 38,7 x 48,6cm. (Ausschnitt)

Entdeckt in einer dunklen Nische

Top-Lose unter den Alten Meistern sind zwei Stillleben von Georg Flegel und Gerrit Dou. Ein geometrisch aufgebautes Frühstück mit Trauben, Nüssen, Kastanien und Brot von Flegel (um 1600) ist auf 200.000 bis 220.000 Euro geschätzt. 130.000 bis 150.000 Euro soll das Stillleben des Leidener Feinmalers wert sein. Dou hat auf seiner Tafel die Attribute der Kriegskunst arrangiert. Aufgrund seiner Nähe zum Motivschatz von Rembrandt, in dessen Werkstatt Dou damals arbeitete, wird das Bild um 1628 bis 1631 datiert.

Museale klassizistische Stutzuhr, gefertigt in Neuwied um 1785 vermutlich in der David Roentgen Manufaktur.(Ausschnitt) Van Ham/Sasa Fuis

Museale klassizistische Stutzuhr, gefertigt in Neuwied um 1785 vermutlich in der David Roentgen Manufaktur.(Ausschnitt)

Eine klassizistische Stutzuhr aus der Neuwieder Manufaktur von David Roentgen ist das herausragende Stück der Kunstgewerbe-Auktion. Auch dieses Stück ist wie das Gemälde von Pforr eine Entdeckung für die Fachwelt. Jahrzehnte stand sie in einer dunklen Nische einer Bibliothek einer rheinischen Villa. Jetzt kommt sie zum Schätzpreis von 5.000 bis 10.000 Euro unter den Hammer. Sammler von Art Déco-Glas können sich auf Einlieferungen aus zwei qualitätvollen Kollektionen mit Glas der Verreries Schneider freuen.

Vorbesichtigung vom 11. bis 16. November

Auktion am 18. und 19. November

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