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24.11.2012

12:12 Uhr

Alte Kunst

Rasante Verteuerung einer Zeichnung

VonSusanne Schreiber

Van Ham konnte mit einer Entwurfszeichnung von Matthäus Gunther das 22-fache des Schätzpreises ergattern. Das Auktionshaus spricht von einer der erfolgreichsten Herbstauktionen überhaupt.

Adam Weisweiler: Das Beistelltischchen im Directoire-Stil prunkt mit vergoldeter Bronze. VAN HAM Kunstauktionen / Sasa Fuis

Adam Weisweiler: Das Beistelltischchen im Directoire-Stil prunkt mit vergoldeter Bronze.

KölnSo lebhaft wie bei der Entwurfszeichnung eines „Gottvaters“ mit rückseitigen Engeln von Matthäus Günther ging es eher selten zu im Kunstauktionshaus Van Ham bei der Versteigerung Alter Kunst am 16. November. Mit 5 000 Euro ausgerufen, fiel der Hammer des souveränen Auktionators Reinhard Singer erst bei 90 000 Euro. Das sind mit Aufgeld 112 000 Euro. Die Taxe hat sich um den Faktor 22 erhöht.

Vier Telefonbieter wussten mehr als der Katalog, der sich auf ein Kirchenfresko in Oberammergau berief. Martin Grässle, Direktor im Kunsthandel Katrin Bellinger, ersteigerte die doppelseitige Skizze für das Metropolitan Museum in New York. „Das Blatt stammt nicht von Günther, der hat nie mit Rötel gezeichnet, sondern von dessen Lehrer Cosmas Damian Asam“, erzählt der Händler aus München amüsiert auf der Vernissage der Cologne Fine Art and Antiques dem Handelsblatt. Darüber hinaus kamen Grässle die Engel irgendwie bekannt vor. Die konnte er im Kloster Aldersbach festmachen und hatte so Asam, den Hauptmeister des bayerischen Rokoko, als Autor der Zeichnung ermittelt. Wie die drei Unterbieter auch.

Recht teuer wurde auch eine kleine anonyme Verkündigungstafel, die Rogier van der Weyden nachfolgt. Zahlreiche, teilweise recht ungeduldige Telefonbieter bemühten sich um das repräsentative Porträt Friedrichs II. von David Matthieu. Deutscher Handel setzte sich hier erst bei 56 250 Euro durch. Ein Schweizer Händler übernahm eine Bartholomäus Bruyn zugeschriebene Madonna auf der Mondsichel beim Dreifachen der Taxe für 45 000 Euro.

Doch die Alten Meister bleiben selektiv beboten, oft gibt es nur einen Interessenten. Die „Maria Magdalena“ des Prager Hofmalers Joseph Heintz d. Ä. geht für 75 000 Euro nach Tschechien, das lebenspralle Bacquencourt-Bildnis von Rigaud übernahm ein deutscher Sammler bei 37 500 Euro. Dass das schönste Landschaftbild von Hackert ohne Gebot blieb, gehört wie der Rücklauf von Cavaloris „Venus und Amor“ und Franz Roubauds marktbekannten „Heimkehrenden Kosaken“ zu den Enttäuschungen.

Hervorragend absetzen ließ sich dagegen der Schmuck bei Van Ham, der mit einer Million Bruttoumsatz eine Spitzenposition in Deutschland beansprucht. Der höchste Zuschlag galt hier einem diamantbesetzten Juwelencollier, das 42 000 Euro einspielte. Rarität und allerbeste Provenienz machten das Beistelltischchen im Directoire-Stil von Adam Weisweiler mit 153 000 Euro zum teuersten Objekt der begehrten Kunstgewerbesektion.

Der Handel sicherte sich das von Kaendler entworfene Paar vom Mopsorden aus Meissener Porzellan bei 69 000 Euro. Eine Russin investierte 30 000 Euro in eine üppig ausladende „Allegorie auf Katharina II.“, die Meissen um 1775 fertigte. Das vielleicht zu hoch angesetzte Angebot historischer Apotheken lehnte der Markt weitgehend ab. Jetzt laufen Nachverhandlungen um niedrigere Preise mit dem institutionellen Anbieter.

Sehr zufrieden zeigte sich Van-Ham-Chef Markus Eisenbeis mit dem Ergebnis. Mit Aufgeld liegt der Umsatz der vier Kataloge bei 5,2 Millionen Euro: „Eine unserer erfolgreichsten Herbstauktionen.“ Die Absatzquote lag bei den üblichen 65 Prozent nach Wert.

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