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27.11.2011

12:18 Uhr

Alte Kunst

Wie eine Porzellan-Löwin zum Superstar wurde

VonElke Trappschuh

Mit interessanten Einzellosen macht Lempertz guten Umsatz. Die höchsten Notierungen verbucht das Kölner Auktionshaus mit Silber und ausgefallener Porzellanplastik - eine Löwin aus Meissen erzielte einen Rekordpreis.

Johann Gottlieb Kirchner: Die sitzende Löwin aus Porzellan stammt von 1733. Lempertz

Johann Gottlieb Kirchner: Die sitzende Löwin aus Porzellan stammt von 1733.

KölnTriumph oder Erleichterung? Als Lempertz-Hausherr Henrik Hanstein abends gegen halb sieben die Scheinwerfer auf den Superstar der Auktions-Gala, auf die 70 Zentimeter (!) große Meissener Löwin von Johann Gottlieb Kirchner (1733) richtete und den Hammer bei 900.000 Euro niederklacken ließ, war immerhin die angepeilte Rekordmarke geschafft. Allerdings knapp: Nur mit Aufgeld erreichte das Gebot des siegreichen japanischen Sammlers die fast 1,1 Millionen Euro, die nun als Rekord in Millionengröße Auktionsgeschichte schreiben: der höchste Porzellan-Preis, der je auf einer deutschen Auktion erreicht wurde.

Ansonsten zeigte sich bei dieser Auktions-Ouvertüre mit Aplomb einmal mehr, dass das fragile und von den modernen Geschmackstrends überholte Porzellan von der vielberufenen Flucht in die (künstlerischen) Sachwerte nicht mehr profitiert. Die Hälfte der 260 Lose, darunter auch Prestigestücke wie die sogenannte Münchner Vase mit dem prachtvollen Blumenband (Taxe 80.000 bis 120.000 Euro) und etliche Berliner Ansichtsvasen gingen zurück, in Lempertz’ Pressebilanz tauchte die ganze Abteilung gar nicht mehr auf.

Dasselbe gilt für die Möbel, bei denen die verhaltenen Gebote in der Regel an oder sogar unter der „unteren Kante entlangschrappten“ (Kunstgewerbeexpertin Ingrid Gilgenmann). 15.000 Euro für ein langes Kanapee mit zwei Sesseln waren die Obergrenze bei dem wie üblich international und telefonisch bebotenen Angebot, das von vornherein nicht forsch angesetzt war. Extremes Fallbeispiel für den immer nachdrücklicheren Geschmackswandel zugunsten des modernen Designs: ein auf 8.000 bis 10.000 Euro angesetzter klassizistischer Kommodensekretär aus Braunschweig blieb zwar nicht ganz unbeachtet, doch die einzige Resonanz war ein extrem niedriges, zu niedriges Gebot von 5.000 Euro. „In D-Mark-Zeiten“, so Gilgenmann, „hätte ich solch ein Möbel ohne Probleme für 30.000 Mark verkauft.“

Dass das Kunstgewerbe in den zwei Auktionstagen mit 3,4 Millionen Gesamtumsatz der alten und neueren Kunst (Gesamtumsatz 3,7 Millionen Euro) so nahekam, verdankte es neben der Löwin vor allem dem Silber, das dank Materialwert und großbürgerlichem Lifestyleprestige alle geschmacklichen Moderne-Anfechtungen locker überlebt, sowie der westfälischen Jugendstil-Sammlung, hauptsächlich französisches Glas, die zwar nicht lückenlos, doch mit einer wertbezogenen Verkaufsquote von 100 Prozent abgenommen wurde.

Kommentare (1)

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Bestecksammlung

06.12.2011, 18:27 Uhr

so eine qualitätvolle Besteckslg. war seit vielen Jahren nicht mehr auf dem Markt

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