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20.10.2011

15:57 Uhr

Alte Meister

Nach Goethes Geschmack

Scherenschnitte von Philipp Otto Runge veredeln die Offerte des Münchener Auktionshaus Karl & Faber. Teuerstes Los ist ein Nachtstück aus einem Passions-Zyklus von Tiepolo.

Philipp Otto Runge: "Ahornblätter", Weißer Scherenschnitt auf graublauem Bütten. (Ausschnitt) Karl & Faber, München

Philipp Otto Runge: "Ahornblätter", Weißer Scherenschnitt auf graublauem Bütten. (Ausschnitt)

München.Die klare Schönheit der Scherenschnitte von Philipp Otto Runge verzauberte nicht nur Goethe und seine Zeitgenossen. Auch heute sind sie bei Sammlern sehr begehrt. Vier der berühmten Weißschnitte kommen am 28. Oktober zum Aufruf, wenn das Münchner Auktionshaus Karl & Faber „Alte Meister. Kunst des 19. Jahrhunderts“ versteigert: eine „Hyazinthe“ und „Ahornblätter“, beide zu Schätzpreisen von 35.000 bis 40.000 Euro. Sie stammen aus der Sammlung von Runges Zeichenlehrer Heinrich Joachim Herterich.

Die höchsten Zuschläge für die filigranen Kunstwerke waren in der Vergangenheit von Karl & Faber verzeichnet worden. Eine „Narzisse“ spielte laut Datenbank Artnet im November 2005 den Auktionsrekord von 86.000 Euro (ohne Aufpreis) für einen Scherenschnitt von Runge ein. Aber bereits Ende der 1970er-Jahre wurden bei Karl & Faber Maßstäbe gesetzt.

Giovanni Battista Tiepolo malte "Christus am Ölberg" um 1745/1750. (Ausschnitt) Karl & Faber, München

Giovanni Battista Tiepolo malte "Christus am Ölberg" um 1745/1750. (Ausschnitt)

Miniaturen in Blattgold

Ein besonderes Glanzstück der rund 460 Werke umfassenden Offerte ist ein dramatisches Ölgemälde von Giovanni Battista Tiepolo, das Christus am Ölberg zeigt. Das um 1745/50 entstandene Nachtstück trägt mit 290.000 bis 350.000 Euro die höchste Taxe der Auktion. Das Bild stammt aus einer Bildfolge mit Passionsszenen, deren Einzelteile sich unter anderem in der Hamburger Kunsthalle, im Louvre, in Museen in Rotterdam und dem amerikanischen Saint Louis befinden.

Um 1450/75 entstand in der Werkstatt des führenden Meisters von Rouen, des sogenannten „Schöffenmeisters“, ein kostbares französisches und lateinisches Stundenbuch mit 13 großen, prächtigen Miniaturen in Blattgold und leuchtenden Farben. Die Experten des Hauses schreiben zwei Miniaturen der Handschrift einem anderen Meister zu, der sich stärker an Pariser Vorbildern orientierte. Der Schätzpreis für diese mittelalterliche Kostbarkeit liegt bei 20.000 bis 30.000 Euro.

Frühwerk von Hans von Marée

Die in den vergangenen Auktionen sehr gut bestückte Altmeister-Graphikofferte kann mit einer soliden Offerte aufwarten. Werke von Martin Schongauer, Rembrandt und Albrecht Dürer kommen zum Aufruf, doch rare Blätter mit fünfstelligen Taxen fehlen dieses Mal.

Bei den Gemälden des 19. Jahrhunderts sticht ein Ölgemälde von Hans von Marées heraus, das auf 70.000 bis 80.000 Euro geschätzt ist. Werke von Marées tauchen nur selten auf Auktionen auf. Bereits in seinem Frühwerk, zu dem auch das angebotene „Fahrende Volk“ zählt, sind stilistische Merkmale seiner reifen Malerei wie etwa akzentuierende Farbflecken zu finden. Im Zentrum der Gauklertruppe zeigt Marées einen Schimmelreiter, ein Motiv, das er später wieder aufgreifen wird.

Von

Bettina Beckert

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