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03.05.2011

16:12 Uhr

Alte Meister

Nymphen am Fluss

VonOlga Grimm-Weissert

Claude Lorrain war ein genialer Zeichner. Mit Nicolas Poussin verbindet ihn eine gemeinsame Zeit im Rom des 17. Jahrhunderts. Es war die Blütezeit der Landschaftsmalerei, für die Sammler heute hohe Preise zahlen.

Claude Lorrain malte die "Hirtenlandschaft" 1644. Aufbewahrt wird sie im Museum Grenoble in Frankreich. Quelle: Museum Grenoble

Claude Lorrain malte die "Hirtenlandschaft" 1644. Aufbewahrt wird sie im Museum Grenoble in Frankreich.

Paris Seine Bilder wurden schon zu Lebzeiten gesammelt: von den Päpsten, vom spanischen König, Sammlern aus Frankreich und aus Deutschland. Die Rede ist von Claude Gellée, genannt Le Lorrain (ca. 1600-1682). Dass er auch ein genialer Zeichner war, zeigt nun eine Ausstellung im Louvre. Unter dem Titel "Claude Le Lorrain. Der Zeichner blickt auf die Natur" versammelt sie 80 seiner motivisch variantenreichen Blätter. Zwölf Gemälde, darunter einige Meisterwerke, lockern den Rundgang auf.

Wischeffekte mit Chinatusche 

Lorrain arbeitete seine Zeichnungen bis ins kleinste Detail aus. Überwiegend entstanden so eigenständige Kunstwerke. Sie zeigen idealisierte Landschaften. Besonders häufig zeichnete der Lothringer mit Feder und Tusche; er lavierte auch mit Weiß oder verwischte Chinatusche für besondere Effekte. Häufig geben gewaltige Bäume den Blick auf eine perspektivisch aufgebaute Szenerie frei. Nymphen, Satire oder biblische Gestalten lösen ab den 1640er Jahren die frühen Schäferszenen ab. Kleinere Detailskizzen erfassen weniger spektakuläre Motive wie Felsen, Grotten und Kaskaden.

Carel van Tuyll, Kurator der Graphikabteilung im Louvre, traf seine Auswahl gemeinsam mit dem holländischen Teylers Museum in Haarlem. Die signifikantesten Blätter beider Sammlungen führte er zusammen. Im Anschluss an die Louvre-Schau wird die Ausstellung deshalb nach Haarlem wandern.

Natur und Ideal im Streit

Lorrain gehört auch zu den Protagonisten einer Ausstellung im Pariser Grand Palais, die sich mit der Landschaftsmalerei in Rom zwischen 1600 und 1650 befasst. Lorrain hat oft gemeinsam mit Nicolas Poussin (1594-1665) in der freien Umgebung Roms gezeichnet. Ihr Höhepunkt sind die Gemälde der beiden in Rom verstorbenen Franzosen. Insgesamt sind die Werke 34 italienischer, französischer, flämischer und deutscher Künstler vertreten. Der Schwerpunkt liegt auf der Malerei. 80 Gemälde und 30 Zeichnungen kreisen um die Auseinandersetzung von Natur und Ideal.

Der Rundgang verfolgt die Entwicklung der Landschaftsmalerei chronologisch. Er beginnt mit den in dunklen Farbtönen malenden Annibale Carracci, Paul Bril (1554-1626), Matthijs Bril (1550-1583) und Agostino Tassi (1578-1644). Staffagefiguren deuten religiöse oder mythologische Themen an, die ihrerseits die in helleren Farben gehaltenen erotische Elemente möglich machten. Mit der Zeit lassen Lorrain und Poussin immer mehr atmosphärisches Licht in ihre Landschaftskompositionen eindringen. Sie verzichten auf die lange Zeit obligatorischen architektonischen Kulissen. Sicher zählen Lorrains idyllisch ausgeleuchtete Fluss- und Meeresstrand-Ansichten mit historischen oder mythologischen Figuren im Vordergrund zu den Highlights dieser Schau.

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