Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.11.2015

15:03 Uhr

Alte Meister und Skulpturen

Erfolg nur für das dünn Gesäte

VonChristiane Fricke

Zwar bieten beim Kölner Auktionshaus Lempertz internationale und bekannte Sammler mit. Doch sie suchen sich sehr gezielt die Rosinen aus dem Kuchen. Millionenzuschläge fehlen, noch nicht einmal die 500.000 Euro-Marke wird gerissen. Wieder lebhafter ist die Nachfrage aus Holland, wo die internationalen Versteigerer weitgehend das Feld geräumt haben.

Florentinische Goldgrundtafel von Andrea di Bonaiuto (Andrea da Firenze). Die Madonna mit Kind wechselt nach einem zähen Bietgefecht für den Hammerpreis von 390.000 Euro (483.600 Euro inkl. Aufgeld) in den Besitz eines italienischen Sammlers (Taxe 140.000 bis 160.000 Euro). Quelle: Lempertz

Einst Besitz des Malerfürsten Franz von Lenbach

Florentinische Goldgrundtafel von Andrea di Bonaiuto (Andrea da Firenze). Die Madonna mit Kind wechselt nach einem zähen Bietgefecht für den Hammerpreis von 390.000 Euro (483.600 Euro inkl. Aufgeld) in den Besitz eines italienischen Sammlers (Taxe 140.000 bis 160.000 Euro). Quelle: Lempertz

KölnAn Tag Eins nach den Terroranschlägen von Paris überwiegt auch im Kölner Auktionshaus Lempertz eine eher gedämpfte Stille. So richtig voll will an diesem 14. November 2015 der Saal nicht werden. Einer bereits angemeldeten Gruppe Bieter, die ihren Besuch der Gemäldeauktion mit einer Vorbesichtigung auf die letzte Minute verbinden will, macht die geschlossene Grenze einen Strich durch die Rechnung.

Doch die Folgen des IS-Terrors sind nicht allein dafür verantwortlich, dass die Herbstauktionen mit Alter Kunst und Schmuck mit insgesamt 6,8 Millionen Euro inkl. Aufgeld schwächer notieren als im Vorjahr (8 Millionen Euro; 11,1 Millionen Euro in 2013). Zwar summiert sich das Ergebnis durch die Nachverkäufe bis Anfang der Folgewoche schnell auf rund 7 Millionen Euro. Doch Zuschlagquoten unter 50 Prozent (mit Ausnahme des Schmucks) signalisieren, wie selektiv die Bieter ihr Geld einsetzen; natürlich nur für das Beste, und das ist in dieser Saison dünner gesät als in den Vorjahren.

Alte und Neue Meister, Skulpturen: „Kein Gebot? Kein Interesse?“

Alte und Neue Meister, Skulpturen

„Kein Gebot? Kein Interesse?“

Van Ham verzeichnet bei der Auktion Alter Kunst unzählige Rückgänge. Auch der Nachlass der einstigen Münchener Malergröße Carl von Marr entfacht keine wahre Bieterlust. Zwei Gemälde aus dem 19. Jahrhundert bescheren dem Kölner Auktionshaus jedoch überraschende Zuschlagssummen.

Rheinischer Ausverkauf

Dass in dieser Kategorie so gut wie alles über Telefon läuft, zeigen bereits die zu Beginn aufgerufenen Spitzenstücke. Vor den Augen eines reglosen Publikums wird die winzige florentinische Goldgrundtafel aus dem ehemaligen Besitz des Malerfürsten Franz von Lenbach nach einem zähen Bietgefecht für 390.000 Euro einem italienischen Sammler zugeschlagen. Macht mit Aufgeld ohne Mehrwertsteuer 483.600 Euro (Taxe 140.000 bis 160.000 Euro).

Die Madonna mit Kind aus der Nachfolge Hans Memlings. Rechts ist Platz für eine Stifterfigur. Die farblich attraktive, prächtige Tafel sichert sich für 334.800 Euro Londoner Handel für mehr als das Dreifache der oberen Schätzung. Quelle: Lempertz

Auf Vorrat gemalt

Die Madonna mit Kind aus der Nachfolge Hans Memlings. Rechts ist Platz für eine Stifterfigur. Die farblich attraktive, prächtige Tafel sichert sich für 334.800 Euro Londoner Handel für mehr als das Dreifache der oberen Schätzung. Quelle: Lempertz

Ebenso hartnäckig, aber langsam wird am Telefon um die auf Vorrat (ohne Stifterfigur auf der rechten Seite) gemalte Madonna mit Kind aus der Nachfolge Hans Memlings gerungen. Mehr als das Dreifache der oberen Schätzung muss Londoner Handel für das auch farblich attraktive Bild nach dem Bietgefecht mit einem englischen und rheinischen Bieter auf den Tisch legen: 334.800 Euro zugunsten der Erben der Bonner Sammlung eines in London wohnhaften deutschen Adeligen, aus der noch 19 weitere Bilder eingeliefert wurden.

Reise nach Washington

„Die Alte Kunst ist neben der asiatischen Kunst die internationalste Abteilung des Hauses“, erläutert Hanstein im Nachgang zu den Auktionen. Das gilt sowohl für die Einlieferungen als auch für den Verkauf. 50 Prozent des Angebots kommt aus dem Ausland, 50 Prozent geht raus.

„Einer der größten Sammler der Welt“, ansässig in Washington, erhält laut Hanstein den Zuschlag für das überlegt komponierte Stillleben mit Blumen, Schnecke und Libelle von Isaak Denies. Fünf Vorgebote und zwölf Telefonbieter treiben den Preis von geschätzten 15.000 bis 20.000 auf 93.000 Euro. Das Nachsehen hat als unmittelbarer Unterbieter Hollands führender Altmeistersammler, gefolgt von tschechischem und britischem Handel, der weitere niederländische und deutsche Sammler abschüttelt.

Einer von zwei Altmeistersammlern aus Berlin bewilligt im Nachverkauf 124.000, oberhalb der unteren Taxe, für das melancholische, auf Papier gemalte Selbstporträt Annibale Caraccis. Zurück nach Italien geht an eine Sammlerin für mehr als das Zehnfache der vorsichtigen unteren Taxe (10.000 Euro) das zumindest reinigungsbedürftige „Bildnis eines Mannes“ in der Art Giovanni B. Moronis für 107.000 Euro.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×