Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.11.2015

10:38 Uhr

Alte und Neue Meister, Skulpturen

„Kein Gebot? Kein Interesse?“

VonKonstantin Alexiou

Van Ham verzeichnet bei der Auktion Alter Kunst unzählige Rückgänge. Auch der Nachlass der einstigen Münchener Malergröße Carl von Marr entfacht keine wahre Bieterlust. Zwei Gemälde aus dem 19. Jahrhundert bescheren dem Kölner Auktionshaus jedoch überraschende Zuschlagssummen.

Cornelis Springers Straßenansicht mit der  Sint Maartenskerk von Zaltbommel (1867). Die 61 x 50 cm hohe, auf Holz gemalte Darstellung erzielte mit Aufgeld 172.800 Euro. Geschätzt war sie auf 30.000 bis 40.000 Euro. Quelle: Van Ham Kunstauktionen

Umkämpft von Telefonbietern

Cornelis Springers Straßenansicht mit der Sint Maartenskerk von Zaltbommel (1867). Die 61 x 50 cm hohe, auf Holz gemalte Darstellung erzielte mit Aufgeld 172.800 Euro. Geschätzt war sie auf 30.000 bis 40.000 Euro. Quelle: Van Ham Kunstauktionen

KölnMit „Kein Gebot? Kein Interesse?“ musste Van-Ham-Auktionator Reinhard Singer am letzten Freitag ziemlich oft staunend zum nächsten Los wechseln. Die Telefone blieben nämlich still, das Publikum im überschaubar besetzten Saal unberührt ob der Werke aus der Abteilung Alte Kunst, die das Kölner Auktionshaus aufgefahren hatte.

Sicherlich führte das einmal mehr vor Augen, wie stark der Geschmackswandel, namentlich die Anziehungskraft der zeitgenössischen Kunst dem Markt für Alte Kunst in Deutschland zusetzen. Umso dankbarer zeigte sich der Auktionator, wenn ein Werk dann doch zu einem Pingpong-Gefecht animieren konnte. Manches sogar mit unerwartetem Ausgang.

Einsame Höhepunkte

Der italienische „Triumphzug im Hof eines Renaissanceschlosses“ aus dem 17. Jahrhundert fesselte drei Telefonbieter dermaßen, dass sie das vorsichtig auf 2.500 bis 3.000 Euro taxierte Werk auf stattliche 32.000 Euro inkl. Aufgeld hievten. Mit 21.760 Euro inkl. Aufgeld endete ein Gefecht am Telefon um eine Tafel mit scharfen Jagdhunden am Weiher aus dem Umfeld des Antwerpeners Jan Fyt (Taxe 10.000 bis 15.000 Euro).

Beide Lose markierten jedoch bereits die Höhepunkte bei den Alten Meistern. Was nicht unerwidert zurückging, schaffte es kaum über die untere Taxe. Die Rekorde des Tages sollten aber noch folgen.

Eine " Brasilianische Landschaft bei Rio de Janeiro", gemalt von Otto Grashof 1856. Das 66 x 100 cm große Leinwandgemälde verdoppelte seine obere Taxe und landete mit Aufgeld bei 121.600 Euro. Quelle: Van Ham Kunstauktionen

Exotische Ferne

Eine "Brasilianische Landschaft bei Rio de Janeiro", gemalt von Otto Grashof 1856. Das 66 x 100 cm große Leinwandgemälde verdoppelte seine obere Taxe und landete mit Aufgeld bei 121.600 Euro. Quelle: Van Ham Kunstauktionen

Was die Bieter anstachelt

Mit der Ausbietung von 235 Losen aus dem 19. Jahrhundert verging bei Van Ham nämlich der ganze Nachmittag. Hier kam Leben auf. Als Cornelis Springers Straßenansicht bei der St. Maartenskerk im niederländischen Zaltbommel von 1867 aufgerufen wurde, focht ein Bieter im Saal gegen mehrere Telefone. Ab 60.000 Euro ging es nur an den Telefonen weiter. Veranschlagt mit nur 30.000 bis 40.000 Euro fiel für die lebendige Szene der Hammer schließlich bei sensationellen 135.000 Euro (mit Aufgeld 172.800 Euro). Den Zuschlag erhielt ein britischer Händler bei Van-Ham-Chef Markus Eisenbeis in der Leitung.

Höhenflug einer Landschaft

So hätte es sich das Auktionshaus weitergewünscht. Mithalten konnte aber nur noch Otto Grashofs Darstellung einer wild wuchernden Landschaft bei Rio de Janeiro. Eine Sammlerin im Saal und ein New Yorker Händler am Telefon stritten um das Gemälde, bis es bei stattlichen 95.000 Euro (mit Aufgeld 121.600 Euro) letztlich an den Händler ging. Geschätzt war es auf 45.000 bis 60.000 Euro. Kopfschüttelnd nahm die Frau ihre Niederlage an. Kopfschütteln auch von anderen im Raum angesichts der Hartnäckigkeit beider Bieter.

Ein farbsattes Stillleben mit Sektflöte von Emilie Preyer ging für 55.000 Euro Zuschlagssumme an einen Telefonbieter, nachdem sich ein Sammler vor Ort bei 50.000 Euro ausgeklinkt hatte (Taxe 22.000 bis 26.00 Euro). Alle anderen Hammerpreise bewegten sich fast nur im einstelligen Tausenderbereich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×