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18.11.2015

19:00 Uhr

Alte und Neue Meister, Skulpturen

Sündhaftes steigert die Kauflaune

VonSabine Spindler

Mit Franz von Stucks „Sinnlichkeit“ hat das Auktionshaus Karl & Faber innerhalb Deutschlands den höchsten Auktionspreis für ein Werk des Münchner Malerfürsten erzielt. Der Erlös beträgt fast die Hälfte des Gesamtumsatzes. Absatzprobleme machen die Druckgraphik und die Malerei des 18. und 19. Jahrhunderts.

Franz von Stucks einst skandalträchtiges Gemälde „Die Sinnlichkeit“ von 1897. Erst bei 440.000 Euro fiel der Hammer. Quelle: Karl & Faber, München

Erzeugte heftiges Bieterbegehren

Franz von Stucks einst skandalträchtiges Gemälde „Die Sinnlichkeit“ von 1897. Erst bei 440.000 Euro fiel der Hammer. Quelle: Karl & Faber, München

MünchenWie sehr der Kunstmarkt nach frischer, hochkarätiger Ware giert, zeigte am 13. November 2015 Franz von Stucks einst skandalträchtiges Gemälde „Die Sinnlichkeit“ von 1897. Erst bei 440.000 Euro fiel im Münchner Auktionshaus Karl & Faber der Hammer für die leichenblasse Femme fatale mit der diabolischen Schlange. Ein deutscher Sammler rang hartnäckig mit Bietern aus England und Frankreich um die auf 120.000 Euro geschätzte Inkarnation der Verführung. Mit Aufgeld musste er letztlich 543.000 Euro investieren. So viel wurde auf deutschen Auktionen nie zuvor für ein Werk des Münchner Symbolisten gezahlt.

„Ein sehr guter Preis.“, kommentierte Geschäftsführer Rupert Keim das Ergebnis im Gespräch mit dem Handelsblatt. Wohl auch im Hinblick auf die erst kürzlich bei Sotheby´s erzielten 852.000 Euro (alle Erlöse inkl. Aufgeld) für Stucks großformatigen „Drachentöter“ und auf die 2010 bei Christie´s versteigerte fast identische Version der „Sinnlichkeit“. Sie brachte damals umgerechnet 186.000 Euro. Karl & Faber hatte vor der Auktion durch eine gütliche Einigung alle Restitutionsansprüche des seit geraumer Zeit im Art Loss Register aufgeführten Werkes ausräumen können (siehe HB-online vom 2.11.2015).

Markt für Scherenschnitte Runges gesättigt

Internationales Interesse riefen auch vier italienische Zeichnungen des frühen 17. Jahrhunderts aus der Stuttgarter Sammlung Heinrich Geissler hervor. Zeichnungsexperte Miles Chappell hatte die dicht skizzierten Altar- und Gemäldeentwürfe kurz zuvor dem Florentiner Domenico Cresti, genannt Il Passignano, zugeschrieben. Von geschätzten 5.000 und 7.000 Euro kletterten sie in den fünfstelligen Bereich bis maximal 33.700 Euro. Sie gingen nach Italien, Deutschland und in die USA.

Das Gros der knapp zur Hälfte abgesetzten Zeichnungen und Graphiken bewegte sich im Rahmen der Schätzungen. Wenig glorios verlief der Absatz der letzten Tranche von Scherenschnitten des Romantikers Philipp Otto Runge aus der Sammlung Speckter. Jeweils auf 40.000 Euro taxiert wurden zwei Arbeiten nur unter Vorbehalt zugeschlagen. Das dritte Blatt konnte unter der Taxe für 38.750 Euro verkauft werden. „Nachdem sich amerikanische Museen und viele Sammler in den letzten zehn Jahren immer wieder bei Karl & Faber mit diesen Blättern eingedeckt hatten, ist der Markt wohl jetzt gesättigt“, erklärte Keim. 2005 versteigerte er eine „Narzisse“ Runges für etwas mehr als 100.000 Euro.

Das Kamelbild von Friedrich Voltz (ca. 1880) ging bei 27.500 Euro an einen deutschen Sammler. Geschätzt war es auf 6.000 Euro. Quelle: Karl & Faber, München

Kampf um ein stolzes Kamel

Das Kamelbild von Friedrich Voltz (ca. 1880) ging bei 27.500 Euro an einen deutschen Sammler. Geschätzt war es auf 6.000 Euro. Quelle: Karl & Faber, München

Wenig Euphorie bei der Malerei des 17. bis 19. Jahrhunderts

Zurückhaltend ging bei dem eher soliden Angebot an Gemälden des 17. und 18. als auch des 19. Jahrhunderts zu. Nur zwei weitere Werke brachten Steigerungen. Die Gewissheit auf eine Entdeckung katapultierte drei malerisch virtuos ausgeführte Köpfe aus dem 17. Jahrhundert von 2.000 Euro auf 17.500 Euro. Und um Friedrich Voltz` ansprechende Darstellung eines Kamels von ca. 1880 musste ein deutscher Sammler lange kämpfen. Erst bei 27.500 Euro überließ ihm ein Münchner Händler das seltene Werk dieses Tiermalers (Taxe: 6.000 Euro). Zurückgezogen wurde Heinrich Reinholds bravouröse Ölskizze eines Gewitters. Laut Rupert Keim gibt es von Seiten Nadine Brüggebors, die derzeit das Werkverzeichnis des Deutschrömers verfasst, noch weiteren Klärungsbedarf für eine gesicherte Zuschreibung des auf 35.000 taxierten Werkes von 1822.

Von 317 aufgerufenen Losen konnte Karl & Faber während der Auktion 140 Werke zuschlagen. Das entspricht einer losbezogenen Quote von 45 Prozent. Mit dem Umsatz von ca. 1,2 Millionen hat das Haus annähernd die Schätzsumme eingefahren.

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