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14.08.2013

09:00 Uhr

Amazon

Einstieg ins Kunstgeschäft

VonBarbara Kutscher

Amazon will nun auch mit Kunst Geld verdienen und die Kunstwelt entmystifizieren. Die Produktpalette reicht von preiswertem zeitgenössischem Kitsch bis zu teurer impressionistischer Kunst. Verbesserungsfähig sind die Filter zum Suchen und Zusatzinformationen bei hochpreisigen Werken.

Jeff Bezos, Präsident und Gründer des Internet-Unternehmens Amazon. dpa

Jeff Bezos, Präsident und Gründer des Internet-Unternehmens Amazon.

New YorkEin diskreter Brief bat am 22. Mai  New Yorker Galeristen zu Cocktails. Anlass: Amazon.com aus Seattle wollte für einen geplanten Fine Art Store werben. Seit Anfang August tragen nun in einer beta-Version 153 Galerien und Händler über 40.000 Kunstwerke zur breitgefächerten Produktpalette des Online-Händlers (“Earth’s Biggest Selection”) bei Amazon.com. Galerien aus New York gibt es kaum. Aufgesprungen sind bisher überwiegend kleinere Anbieter aus den ganzen Vereinigten Staaten, einzelne auch aus den Niederlanden und Kanada. Zu den bekanntesten zählt der Fotogalerist Robert Klein (Boston), Mitglied des renommierten Händlerverbandes Association of International Photography Art Dealers (AIPAD). Highlight unter Kleins 28 schwarzweißen Klassikern des 20. Jahrhunderts ist Walker Evans “Post Office, Sprott, Alabama, 1936” für 25.000 Dollar plus 50 Dollar Versandkosten. Mit Editionen dabei ist das expansive junge Online-Auktionshaus Paddle 8 (New York): “Wir wollen es für unsere existierenden Kunden bequemer machen und auch neue Kreise erschließen”, kommentiert COO (Chief Operating Officer) Osman Khan.

Ohne Provenienzangaben

Das Angebot ist sehr viel breiter als bei den spezialisierten online-Anbietern wie etwa artsy, artnet oder artspace. Es umfasst viele Medien, aber keine Skulpturen, und reicht von viel preiswertem zeitgenössischem Kitsch bis zu berühmten Namen der Pop Art und des Impressionismus. Es gibt sogar Altmeistergraphik. Die Filter machen es aber nicht leicht, das Gewünschte zu finden. Am besten fährt man mit der Eingabe von Künstler- oder Händlernamen. Zielgruppe ist offensichtlich der wenig erfahrene Käufer. Zustandsberichte sind auf ein Minimum beschränkt. Selbst beim teuersten Werk, Norman Rockwells Ölbild “Willie Gillis: Package from Home” (1941) zu 4,85 Millionen Dollar, werden keine Provenienzen oder Nachweise in Werkverzeichnissen aufgeführt. Das auf einer Chicagoer Auktion 2012 wieder entdeckte Werk des populären amerikanischen Illustrators wird von M.S. Rau Antiques, einem seit 1912 in New Orleans, Louisiana, ansässigen Familienunternehmen, angeboten. Auf der Auktion im letzten Dezember hatte es noch 3,3 Millionen Dollar gekostet.

Die Marketingabteilung des Händlers ist bisher sehr zufrieden, bereits über 100.000 Seitenabrufe hätten sie gehabt. „Amazon erreicht definitiv das breiteste Publikum“, sagt eine Sprecherin. Laut Pressemitteilung will Amazon.com die Kunstwelt entmystifizieren und allen Kunden einen vergnüglichen Galeriebesuch bereiten. Dafür erhält es nach Händlerauskunft derzeit eine Verkaufsprovision von 5 bis 20 Prozent.

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