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11.06.2011

18:02 Uhr

André Butzer

„Brandenburgische Spargelmalerei“

Mit Qualitätsmaßstäben ist der Malerei von André Butzer nicht beizukommen. Der Künstler erschafft seine eigene Kunstgeschichte. Auch bei seiner Vermarktung hält er das Heft in seiner Hand.

André Butzer: "Mutterbild", 2011, Foto: Roman März Quelle: André Butzer

André Butzer: "Mutterbild", 2011, Foto: Roman März

HannoverAndré Butzers Malerei ist ohne die große Erzählung nicht zu verstehen, die der Künstler um seine Arbeiten herum aufgebaut hat. Es geht um das Hohelied der künstlerischen Autonomie. Das zeigen auch die neun Großformate der Ausstellung „der wahrscheinlich beste abstrakte maler der welt“ in der Kestnergesellschaft in Hannover. Butzer ist der Boss. Er hat die großformatigen Bilder für die Ausstellung geliefert. Er hat die Titel gedichtet, zum Beispiel „Brandenburgische Spargelmalerei - Elektronischer Krieg - Neo-Cézannismus“ – wohlgemerkt der Titel eines Bildes –, oder „Ich will erstmal `ne Cola“. Er hat seine Werke in Reihen und Epochen eingeteilt, die alle schöne Bezeichnungen tragen. So beginnt jetzt mit den geometrisch-abstrakten Arbeiten die neue Reihe der „N-Bilder“.

Der Künstler beharrt auf seiner Deutungshoheit

Doch Butzer geht noch weiter. Wie schon der Ausstellungstitel andeutet, möchte Butzer auch die Deutungshoheit über sein Werk behalten. Diese Rolle haben traditionell das Publikum, die Sammler, Kunsthistoriker und Kritiker. Konsequent ist daher nur, dass Butzer selbst ein Vorwort für den Ausstellungskatalog beigesteuert hat.

Wer das alles aber wörtlich nimmt, ist Butzer schon auf den Leim gegangen. Der 1973 in Stuttgart geborene und jetzt in Rangsdorf bei Berlin lebende Künstler arbeitet an einem Gesamtkunstwerk, dessen Bestandteile neben den Bildern vor allem Ironie und Selbstinszenierung, aber auch Camouflage und Irritation sind. Denn die Bilder selbst bieten wenig Anhaltspunkte für interpretatorische Ansätze.

Qualitätsmaßstäbe laufen ins Leere

Da sind grobe, wilde Farbkompositionen zu sehen, die entfernt an die gestische Malerei der Cobra-Gruppe der 1950er und 1960er Jahre erinnern. Im starken Kontrast dazu stehen die extrem reduzierten Werke der „N-Bilder“, die geometrische Farben und Linien auf einem groben grauen Untergrund zeigen. Auch hierfür mag es Bezugpunkte in der Kunstgeschichte geben, doch ist kaum zu vermuten, dass Butzer diese konsequent sucht und einsetzt. Butzers Bilder zeichnen sich durch eine geradezu naive Abstraktion aus. Kritiker haben auf die Nähe zur Art Brut hingewiesen – der autodidaktischen Kunst von Laien, Kindern und geistig Behinderten, an die in der Nachkriegszeit der französische Maler Jean Dubuffet anschloss.

Doch solche Kategorisierungen schrammen letztlich an der Malerei von Butzer vorbei. Schon in der nächsten Ausstellung würde er versuchen, die Öffentlichkeit vom Gegenteil zu überzeugen. Auch ist Qualität eine Kategorie, die nur bedingt taugt. Denn Butzers Malerei ist dürftig, inkonsequent und huschig. Ernsthaftigkeit ist seine Sache nicht. Durchaus passend war die Beteiligung des Malers an einer Ausstellung mit dem Titel „Bad Paintings“ in Wien. Der zweite Teil des Ausstellungstitel lautete „Good Art“ – worüber man im Falle Butzers streiten kann.

André Butzer: "Welt aus Toom", 2010, Courtesy: Rafaela and Kaj Forsblom Collection. Quelle: André Butzer

André Butzer: "Welt aus Toom", 2010, Courtesy: Rafaela and Kaj Forsblom Collection.

Butzer möchte alles unter Kontrolle behalten

Zumindest auf dem Kunstmarkt funktioniert die Marke André Butzer aber sehr gut. Sammler wie Ingvild Goetz, die Rubells oder Charles Saatchi haben Arbeiten von Butzer gekauft. Außerdem wird er von nicht weniger als zehn Galerien vertreten, von Berlin bis Tokio und Dubai. Das Prinzip erklärt Guido Baudach, der neben Max Hetzler der Berliner Galerist von André Butzer ist: „André arbeitet mit allen Galerien direkt zusammen, zu seinen Bedingungen. Er ist selbst Chef und alleinige Mitarbeiter einer eigenen Firma unter der Bezeichnung Friedenssiemense. Alles möchte er selber unter Kontrolle behalten, was ein Teil seiner Arbeit ist. Auch das Werkarchiv führt er selbst, was sonst Aufgabe des Galeristen ist.“ Als Galerist habe man nur die Wahl, unter Butzers Bedingungen mitzumachen oder es ganz sein zu lassen.

Dass so viele gern mitmachen, liegt auch an der Marktgängigkeit der Arbeiten Butzers. Großformate wie die Bilder in der Hannoveraner Ausstellung, die gerne 2,80 mal 4,20 Meter messen können, kosten bei Guido Baudach zwischen 70.000 und 90.000 Euro. Und sind sehr gut nachgefragt. Bei kleineren Formaten müssen Sammler mitunter eine Wartezeit einkalkulieren. Die Galeristen spielen das Spiel mit. Für die Galeristenmesse abc - art berlin contemporary im kommenden September, die in diesem Jahr im Zeichen der Malerei steht, kündigt Baudach eine Kooperation mit Max Hetzler in Sachen André Butzer an. Und der zieht im Hintergrund weiter seine Strippen.

André Butzer bis 14.8. in der Kestnergesellschaft, Goseriede 11, Hannover. Der Katalog ist im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln (160 Seiten, 86 Abb.), erschienen und kostet 38 Euro.

Von

Johannes Wendland

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