Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.05.2012

08:57 Uhr

Andreas Blühm

Herber Verlust für Köln

VonChristiane Fricke

Das Kölner Wallraf-Richartz-Museum verliert seinen Direktor. Andreas Blühm wechselt nach siebenjähriger Amtszeit ans nordholländische Groningen Museum. Köln verdankt ihm originelle Ausstellungen und eine mitreißende Sammlungspräsentation.

Andreas Blühm, Direktor des Wallraf-Richartz-Museum - Fondation Corboud in Köln. Rheinisches Bild Archiv

Andreas Blühm, Direktor des Wallraf-Richartz-Museum - Fondation Corboud in Köln.

KölnWie vorzeitig bekannt wurde, wechselt Andreas Blühm, Direktor des Kölner Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Courboud, zum Groningen Museum. Er verlasse Köln „mit schwerem Herzen“, erklärte er gestern. Private Gründe sollen es gewesen sein, die für den Weggang des 53-Jährigen in die nordholländische Stadt sprachen. Blühms Frau ist in Groningen geboren. Außerdem lockt ihn „die Vielfalt der dortigen Sammlung. Vom barocken Silber bis Ai Wei Wei reicht das Spektrum, das mich als passioniertem Museumsmann nur locken kann.“ Dazu komme wohl das spektakulärste Museumsgebäude diesseits von Bilbao.

Blühms Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2015. In Köln angetreten war er 2005. Davor war er zwölf Jahre am Amsterdamer Van Gogh Museum tätig. In seine siebenjährige Amtszeit fallen die Neuhängung der Sammlung und eine Vielzahl origineller, großartiger Ausstellungen. Blühms Projekte sind nie langweilig. Sie zeichnen sich stets auch dadurch aus, dass er mit einem erweiterten, über die Disziplinen hinaus reichenden Blickwinkel und mit viel Sinn für eine ebenso ästhetische wie mitreißende, verständliche Darbietung am Werk ist. Das zeigte unter anderem seine Ausstellung über den 19. Jahrhundert-Maler Alexandre Cabanel.

Eine der klassischen Gemäldegalerien

Das Wallraf-Richartz-Museum gehört zu den großen klassischen Gemäldegalerien Deutschlands. Es beherbergt Kunst vom 13. bis ins 20. Jahrhundert, darunter die Impressionisten-Sammlung der Fondation Corboud und ein Graphik-Bestand von 75.000 Blättern. Mit Ausstellungen über den Impressionismus, den Mond oder die Tiere sprach Andreas Blühm Zielgruppen an, die in einem Museum normalerweise selten gesehen werden. Erfolgreich war auch seine Zusammenarbeit mit Sponsoren, die zum Beispiel Projekte für Schüler wie den 2008 ins Leben gerufenen „Wallraf der Museumsbus“ oder später den Wallraf-Shuttle für gehbehinderte und ältere Besucher ermöglichten. Zum Profil des Hauses gehören außerdem Forschungsvorhaben, allen voran das Projekt zur Technologie der Altkölner Malerei.

Frust über Kölner Verwaltungsklüngel

Zur Dauerbaustelle allerdings wurde der seit zehn Jahren vor sich hindümpelnde Plan zur Verselbständigung des Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud. Seit 2005 zum Amtsantritt Blühms ein entsprechender Ratsbeschluss gefasst worden war, ist nicht viel geschehen. Während Blühm mit großem Elan Kölns ältestes Museum besucherfreundlicher machte, trat die Kölner Verwaltung auf die Bremse. Dazu findet der Museumsmann, den der Kölner Kulturrat zum „Besten Kulturmanager des Jahres 2009“ kürte, deutliche Worte: „Ich bin frustriert darüber.“

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

M.R.

21.05.2012, 01:39 Uhr

Zu Ihrem Bericht über Herrn Andreas Blühm gibt es folgendes anzumerken.
Die wissenschaftlichen Forschungen die angeblich durch Herrn Blühm voran getrieben werden sollten, sind in meinen Augen eher beschnitten und deformiert worden!
Dazu ein Beispiel aus dem Forschungsprojekt: „Maltechnik des Impressionismus und Postimpressionismus“, in diesem wurden unter anderem zwei hauseigene Gemälde von Vincent van Gogh untersucht und in beiden Bildern wurde Cadmiumgelb gefunden, die Farbe die vom Vincent van Gogh Museum seit Jahrzehnten bestritten wird! Eigentlich ein sensationeller Fund ,da die Gemälde aus den Jahren 1887 und 1888 stammen und damit die dauerhafte Verwendung von Cadmiumpigmenten bei van Gogh beweisen würde. Entdeckt wurde Cadmiumgelb bei der Vis-Spektroskopie und mit einem Fragezeichen versehen, eine mikrochemische Analyse hätte Klarheit gebracht, die Kosten hierfür liegen bei circa 200€ pro Einzelprobe. Leider wurde keine weitere Untersuchung durchgeführt. Dieses ist, wenn man bedenkt das Herr Blühm, 13 Jahre Mitarbeiter des van Gogh Museums war und mit der Thematik durchaus vertraut sein sollte doch recht fragwürdig. Ich würde dazu sagen Amsterdamer Museums Klüngel. Solche Fakten mehr oder weniger unter den Tisch zu fegen ist der Kunstwelt gegenüber nicht zu vertreten!

Markus Roubrocks Köln

Claudia

23.05.2012, 17:14 Uhr

Ich selber studiere Kunst mit dem Schwerpunkt Impressionismus. Der Kommentar von Herrn Roubrocks ist meiner Ansicht nach sehr spannend, da ich an neuen Wissenschaften sehr interessiert bin. Hoffe, dass es in diesem Fall bald Neuigkeiten gibt, freue mich auf neue Informationen und bin sehr gespannt.

Claudia Paderborn

M.R.

23.05.2012, 21:35 Uhr

Auf meinen Kommentar hat Herr Blühm per e-Mail Stellung bezogen. Aus meiner Sicht hätte Herr Blühm öffentlich Stellung beziehen müssen. Aus diesem Grund sende ich Ihnen, zum besseren Verständnis der Sachlage meine Antwort auf Herrn Blühm`s e-Mail.

Markus Roubrocks

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×