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28.05.2014

08:02 Uhr

Andreas Schlüter

Versuch, ein Lebenswerk zu rekonstruieren

VonChristian Herchenröder

Viel weiß man nicht über das Leben von Andreas Schlüter. Der Baumeister des Berliner Stadtschlosses gehörte zu den führenden Architekten seiner Zeit. Dass er auch ein angesehener Bildhauer war, wissen die wenigsten. Eine Ausstellung in Berlin versucht, sein nur bruchstückhaft erhaltenes Werk zu rekonstruieren.

Andreas Schlüter: Bronze-Büste des Landgrafen Friedrich II. von Hessen Homburg, Berlin, 1701. (Ausschnitt) Bad Schloß / Foto: Renate Deckers-Matzko

Andreas Schlüter: Bronze-Büste des Landgrafen Friedrich II. von Hessen Homburg, Berlin, 1701. (Ausschnitt)

BerlinEr ist immer noch ein großer Unbekannter. Erst die Entscheidung, das Berliner Stadtschloss wiederaufzubauen, hat Andreas Schlüter (um 1664- 1714) ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zurückgeführt. Als Baumeister dieses bedeutendsten Barockschlosses nördlich der Alpen ist er vielen nun wieder ein Begriff. Die wenigsten aber verbinden mit seinem Wirken auch ein bildhauerisches Werk von europäischem Rang. Diese Wissenslücke will nun eine Ausstellung im Berliner Bode-Museum schließen, die unter dem Titel „Andreas Schlüter und das barocke Berlin“ den Bildhauer und Architekten in die Kunstleistungen seiner Epoche stellt und seine Gestaltungskraft als führender Baukünstler einer rasant wachsenden Residenzstadt würdigt.

Die Schau ist in mancherlei Hinsicht eine Phantomausstellung. Von dem Baumeister legen nur Fragmente und vor 1945 entstandene Fotos Zeugnis ab. Auch der Bildhauer ist mit seinem Werk nur bruchstückhaft zu erleben. Einiges zeigt die Ausstellung, anderes ist nur vor Ort zu sehen, worüber ein neben dem Ausstellungskatalog publizierter Schlüter-Stadtführer einlädt. Erhalten sind Bauplastiken und Reliefs, die Prunksarkophage des Königspaars im Berliner Dom, die vom römischen Barock beeinflusste Kanzel in der Marienkirche, die Reiterstatue des Großen Kurfürsten, die Büste des Landgrafen von Hessen-Homburg und die nur im Nachguss präsente Statue Friedrichs III.

Große Vorbilder in Italien

Das ist nicht gerade viel, um Schlüters vormaligen Ruhm als deutscher Barockbildhauer nachzuvollziehen, aber genug, um ihn stilistisch einzuordnen. Aus den in der Ausstellung und ihrem schwergewichtigen Katalog präsentierten Fakten erkennt man einen Bildhauer und Architekten, der mit der europäischen Kunst seiner Zeit voll vertraut ist. Über manche Einflüsse wird hier weniger mitgeteilt.

Als Architekt ist Schlüter von den in Kupferstichen verbreiteten Palastentwürfen des Franzosen Antoine Le Paultre beeinflusst, als Architekt und Bildhauer von Lorenzo Bernini, dessen vatikanische Scala Regia ihm Vorbild für die Ausgestaltung des Treppenhauses im Berliner Stadtschloss ist. Auch Berninis Kuppelskulpturen in der römischen Kirche S. Andrea al Quirinale haben ihn zum Figurenschmuck im Elisabethsaal des Schlossbaus angeregt.

Dass Schlüter auch Kleinskulpturen geschaffen hat, lässt sich heute nicht mehr belegen. Man kann sie allenfalls bei der Betrachtung von fünf subtil in Terrakotta ausgeführten Sockelfiguren gefesselter Männer mit Trophäen erahnen. Als Kontrapunkt zum Gestalter der Großen Form sind in der Ausstellung feinste Paradestücke in Elfenbein von dem süddeutschen Elfenbeinschnitzer Christoph Maucher aus der brandenburgisch-preußischen Kunstkammer. 

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