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22.01.2012

16:27 Uhr

Andy Warhol

Die Experten kapitulieren

VonBarbara Kutscher

Die Nachlassverwalter entscheiden über echt oder falsch bei Andy Warhols Kunst. Mehr als 6.600 Arbeiten wurden bisher begutachtet. Jetzt werfen sie wegen zu hoher Rechtsverfolgungskosten die Brocken hin.

Andy Warhols berühmte „Silver Liz“, hier in den Händen von Christie's-Mitarbeitern, entstand in der Factory des Popkünstlers, die viele Mitarbeiter beschäftigte. ap

Andy Warhols berühmte „Silver Liz“, hier in den Händen von Christie's-Mitarbeitern, entstand in der Factory des Popkünstlers, die viele Mitarbeiter beschäftigte.

New YorkSeit seiner Gründung vor 17 Jahren ist das Andy Warhol Art Authentication Board die einzige Autorität für Zu- und Abschreibungen der Werke von Andy Warhol (1928-1987). Diese Tochtergesellschaft der Andy Warhol Foundation for the Visual Arts begutachtete bisher mehr als 6 600 Arbeiten.

Echtheitserklärungen sind kein einfaches Geschäft, denn jede künstlerische Praxis kreiert ihre eigenen Probleme. Warhols offenes Studio-System in der Factory und sein betont sorgloser Umgang mit dem traditionellen Begriff des „Originals“ machen es besonders schwierig. Warhol beteiligte an seinen en masse produzierten Arbeiten unzählige, oft ungenannte Mitarbeiter und Assistenten.

Um die 100 000 Werke – in allen erdenklichen Medien – kamen so zusammen. Und es gibt viele Fälschungen. Das macht die Arbeit für ein Authentication Board nicht leicht. Dazu brachte der boomende Warhol-Markt eine Flut von Klagen ein. Zwar verpflichtete sich jeder Besitzer bei der Einreichung des zu begutachtenden Werks, keine Klage gegen die Entscheidung zu erheben. Diese Vereinbarung hielt vor Gericht aber nicht immer stand. Zuletzt wehrte sich die Foundation sogar gegen eine Wettbewerbsklage: Nachdem Joe Simons rotes Warhol-Selbstporträt (1964/1965) bereits zweimal abgelehnt worden war, warf er 2007 dem Komitee Monopolisierung des Markts vor.

Andy Warhol: Ausschnitt der „Sixteen Jackies“, kombiniert vom Sammler Peter Brand. Sotheby´s

Andy Warhol: Ausschnitt der „Sixteen Jackies“, kombiniert vom Sammler Peter Brand.

Angeblich würden echte Werke abgelehnt, um durch künstliche Verknappung die eigenen käuflichen Bestände aus Warhols Nachlass zu stützen. Simon zog die Klage 2010 aus finanziellen Gründen zurück. Aber da hatte die Warhol Foundation nach eigenen Angaben schon über sieben Millionen Dollar für Rechtsverfolgungskosten bezahlt.

Nun will die Foundation das Authentication Board im Laufe des Jahres 2012 auflösen und sich auf die Förderung der Künste und die Fertigstellung des Werkverzeichnisses beschränken. Sie besitzt Vermögenswerte in Höhe von etwa 330 Millionen Dollar. Davon sollen 2012 14 Millionen Dollar als Stipendien an Individuen und Institutionen ausgegeben werden.

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