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29.09.2016

15:15 Uhr

Anke Engelke im Interview

Fisch-Dame Dorie gibt jedem eine Chance

Sie ist wahnsinnig vergesslich – und der Liebling des Kinopublikums. Anke Engelke spricht in „Findet Dorie“ wieder die blaue Fisch-Dame – und erklärt im Interview Dories Beliebtheit.

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BerlinZum zweiten Mal leiht Anke Engelke (50) Dorie ihre Stimme. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur erklärt Engelke, warum die vergessliche Fisch-Dame aus dem Animationsfilm „Findet Dorie“ so beliebt ist. „Sie gibt jedem zu jeder Zeit die Chance, sich neu zu zeigen“, so die Synchronsprecherin.

Was im Leben darf man Ihrer Ansicht nach Dorie-mäßig ruhig vergessen?
Anke Engelke: Streit. Nachtragend zu sein, ist nicht gut, ich muss mir das abgewöhnen. Ich nehme mir vieles sehr zu Herzen, besonders wenn mir Leute sehr nahe stehen, aber ich würde mir wünschen, dass man eine Meinungsverschiedenheit einfach mal vergisst, zur Seite legt. Ich fände es schön, wenn man Konflikte lösen könnte, ohne etwas nachzutragen.

Trickfilm-Studio Pixar: Pionier und Oscar-Abräumer

Die Anfänge

Die Firma in Nordkalifornien, die heute zum Unterhaltungsriesen Disney gehört, begann 1986 mit Kurz- und Werbefilmen. Apple-Mitgründer Steve Jobs kaufte das Spezialeffekte-Studio damals „Star-Wars“-Schöpfer George Lucas ab.

„Toy Story“ als Meilenstein

„Toy Story“ wurde 1995 als erster Spielfilm komplett am Computer gemacht und als Meilenstein in der Filmgeschichte gefeiert. Das brachte Regisseur John Lasseter einen Extra-Oscar für Entwicklung und Anwendung innovativer Technik ein.

Acht Oscars

Seit Einführung der Oscar-Kategorie „Bester animierter Spielfilm“ im Jahr 2002 gewann Pixar acht Trophäen, darunter für „Findet Nemo“, „Ratatouille“, „Oben“, „Toy Story 3“ und „Alles steht Kopf“. Jobs verkaufte Pixar Anfang 2006 in einem 7,4 Milliarden Dollar schweren Deal an Disney. Er wurde dabei größter Aktionär des Konzerns und Pixar-Kreative wie Lasseter übernahmen eine führende Rolle in der Animationssparte von Disney.

Über 1000 Angestellte

Mehr als 1000 Menschen arbeiten in der High-Tech-Filmfabrik, die wie eine Mischung aus Spielzeugladen, Kunstgalerie und Rechenzentrum wirkt. Am Eingang stehen überlebensgroße Pixar-Figuren, die Gänge und Büros sind voll mit Zeichnungen und Modellen. Gearbeitet wird derzeit an „Cars 3“. Die Fortsetzung der Abenteuer des Sportwagens Lightning McQueen soll im Juni 2017 in den USA anlaufen, in Deutschland im September 2017. Zugleich gibt es inzwischen eine starke Konkurrenz anderer Studios, die Erfolge mit Filmen wie „Minions“ feierten.

Und was darf man im Leben auf keinen Fall vergessen?
Dem Gegenüber immer wieder Anerkennung, Achtsamkeit und Vertrauen zu spiegeln. Ernst nehmen, was die Menschen sagen und im Moment sein - ich möchte nicht ständig alles im Kopf haben und nicht bei der Sache sein: Was habe ich da eben in dem anderen Interview gesagt, was soll ich jetzt antworten, wo muss ich gleich hin, habe ich Hunger oder muss ich auf Toilette? Ich würde mir wünschen, dass wir es hinbekommen, das zu meinen, was wir sagen - und auch zu sagen, was wir meinen. Wenn wir nicht mehr miteinander ins Gespräch kommen, sondern abtauchen in unsere Handywelt, steuern wir schnurstracks in eine Art freiwillige Knechtschaft, dann geht alles flöten, was Zeit, die man miteinander verbringt, so klasse macht. Und das lässt sich nicht wieder zurückholen.

Was machen Sie, wenn Sie mit einer Freundin oder einem Freund im Restaurant sitzen und sie oder er tippt ständig nebenbei auf dem Smartphone rum?
Hab' ich gar nicht, solche Freunde. Ich bin nicht bei Facebook, Twitter und Instagram, dafür ist mir meine Zeit zu schade.

Sind Sie ein geduldiger Mensch?
Mal so, mal so. Wenn es um mich selbst geht, dann bin ich sehr ungeduldig - weil ich so viel von mir erwarte. Anderen gegenüber bin ich recht geduldig.

Warum wird das blaue, vergessliche Fischchen Dorie von Kindern wie Erwachsenen so geliebt?
Erstmal sieht Dorie süß aus - die großen, nah beieinander stehenden Augen, Kindchenschema. Die Nase wird etwas vernachlässigt und der Mund ist süß schnutig. Aber Hallo, es geht ja wohl auch um den Charakter von Dorie. Sie hat eine Gutmütigkeit, die nicht Oma-haft nervig, penetrant ist. Die Liebenswürdigkeit ist auch nicht vorgegaukelt. Bei ihr ist alles so klar und echt, das hat wiederum mit ihrem Defizit zu tun. Dadurch dass ihr Kurzzeitgedächtnis nicht funktioniert, ist sie immer im Hier und Jetzt. Sie ist nie retrospektiv und überlegt nicht, was war gerade, was hat was ausgelöst, auf wen muss ich noch stinkig sein? Sie kennt keine Kausalketten, keinen Dominoeffekt. Das macht sie liebenswert. Sie gibt jedem zu jeder Zeit die Chance, sich neu zu zeigen.

Sind Sie selbst auch manchmal vergesslich?
Bestimmt.

Wie entspannen Sie sich bei all der Arbeit?
Lustigerweise arbeite ich gar nicht so viel, ich habe sehr viel frei. Die Arbeit kommt dann immer gebündelt. Ich entspanne mich sowieso ständig, jetzt auch während des Interviews: Ich rede bedacht, sitze aufrecht, atme. Ich trinke vielleicht ein bisschen zu viel Kaffee und schlafe zu wenig. Aber wenn man die Erholung etwas mehr integriert in den Arbeitstag, den Alltag, dann ist das gar nicht schlecht. Ich erhole mich ständig nebenbei.

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