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09.01.2012

17:34 Uhr

Antiken

Bemäntelter Schwan

Eine erotische Skulptur der römischen Kaiserzeit war der Star der Antiken-Auktionen in New York. Sotheby’s punktete mit der Herkunft seiner Stücke und Christie’s spielte eines seiner besten Ergebnisse ein.

Büste der Kleopatra Selene aus Silberblech getrieben und teilvergoldet, römisch, 1.Jh. v. Chr. bis 1. Jh. n. Chr. Christie's Images Ltd. 2011

Büste der Kleopatra Selene aus Silberblech getrieben und teilvergoldet, römisch, 1.Jh. v. Chr. bis 1. Jh. n. Chr.

New YorkArchäologen und auch der Hausherr des nordenglischen Landsitzes Aske Hall, der Marquess of Zetland, waren lange gleichermaßen ahnungslos: Die über 200 Jahre auf Aske Hall sorglos hin- und hergeräumte, fast lebensgroße Marmorgruppe „Leda mit dem Schwan“ wurde erst im letzten Jahr als wertvolle römisch-kaiserzeitliche Kopie identifiziert. Etwa im 2. Jahrhundert n. Chr. entstand sie nach einer Skulptur des berühmten griechischen Bildhauers Timotheus aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.. Ein Familienmitglied hatte Leda, die mit ihrem hochgehaltenen Mantel den Schwan vor einem angreifenden Adler schützt, 1789 auf der Grand Tour in Rom erworben.

Wie beliebt das erotische Thema in Rom war, bezeugen etwa zwei Dutzend weitere Kopien, viele heute in internationalen Museen. Aber die aus Aske Hall zählt zu den am besten erhaltenen. Sotheby’s erwartete für sie in der New Yorker Antikenauktion am 8. Dezember mindestens 2 Millionen Dollar. Vier Bieter trieben sie jedoch auf 19,1 Millionen hoch, ein Internet-Bieter war einer noch bei 16,5 Millionen dabei.

Weihen für einen Zeus-Kopf

Sotheby’s mit 69 Losen sehr schmale Offerte setzte erfolgreich auf Provenienzstücke. Da punktete auch der kaiserzeitliche Marmorkopf von Zeus Ammon (120-160 n.Chr.), griechisch-ägyptischer Schutzgott Alexanders des Großen. Die im vergangenen Jahr gestorbene bekannte kalifornische Großsammlerin Dodie Rosekrans hatte ihn ein Jahr lang ans New Yorker Metropolitan Museum verliehen. Diese Museumsweihen zahlten sich nun in Heller und Pfennig aus. Das Metropolitan Museum selbst kaufte den Kopf an, musste aber statt der geschätzten 800.000 bis 1,2 Millionen Dollar ganze 3,5 Millionen ausgeben.

Christie’s hatte am 7. Dezember 2011 eines seiner besten Ergebnisse vor allem europäischen und amerikanischen Privatsammlern zu verdanken. Toplos war eine kleine, aus Silberblech getriebene und teilvergoldete Büste, entstanden um das 1.Jahrhundert v. Chr. bis ins frühe 1. Jahrhundert n. Chr.. Einige Wissenschaftler identifizieren sie anhand des Elefanten-Kopfschmucks als Kleopatra Selene, Königin von Mauretanien. Das war in der Antike eine Region im Südwesten Afrikas. Ein europäischer Sammler kaufte sie dem New Yorker Einlieferer taxgerecht zu 2,5 Millionen Dollar ab.

Von

Barbara Kutscher

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