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22.01.2010

12:00 Uhr

Antiquariatsmessen

Vom Lutherbrief bis zur aufmüpfigen Dada-Zeitschrift

VonStefan Kobel

Die Stuttgarter Antiquariats-Messe läuft der Konkurrenz der Ludwigsburger Antiquaria den Rang ab. Das Angebot in Stuttgart ist nicht nur hochpreisiger, sondern kann auch mit etlichen Klassikern punkten. Die ältesten Objekte sind gleichzeitig die teuersten.

Ein koloriertes Dia aus dem Film Metropolis soll rund 35 000 Euro kosten. Antiquariat Dr.P. Kainbacher

Ein koloriertes Dia aus dem Film Metropolis soll rund 35 000 Euro kosten.

STUTTGART. Die im Württembergischen Kunstverein zum 49. Mal stattfindende Stuttgarter Antiquariats-Messe (29. bis 31. Januar) läuft der Ludwigsburger Antiquaria (28. bis 30. Januar) den Rang ab. Insgesamt ist die Offerte in Stuttgart nicht nur hochpreisiger, sondern auch klassischer, wobei die ältesten Objekte gleichzeitig die teuersten sind Das Wiener Antiquariat Dr. Paul Kainbacher hat für Stuttgart zwei handkolorierte großformatige Diapositive aus dem Kultklassiker "Metropolis" von Fritz Lang auftreiben können (je 35 000 Euro). Heribert Tenschert aus Ramsen in der Schweiz präsentiert sich mit einem um 1480/85 entstandenen Stundenbuch für den Gebrauch von Troyes mit 19 ganzseitigen Miniaturen des Hofmalers Georges Trubert (480 000 Euro). Bei einem anderen Stundenbuch aus den südlichen Niederlanden ist ausnahmsweise mit dem Talbot-Meister nicht nur der Maler bekannt, sondern durch seine Signatur auch der Schreiber: Hanskin de Bomalia. Der Band mit 67 Bildern auf 224 Blatt Pergament kostet 300 000 Euro.

Einen bedeutenden Autographen der anderen Konfession hat Inlibris aus Wien im Angebot. Martin Luthers Vermächtnis an seine Wittenberger Freunde ist der früheste, jemals in den Handel gelangte Brief des Reformators, der jetzt zum Preis von 300 000 Euro zum Verkauf steht. Eine Folge der von Luther losgetretenen Umwälzung des Weltbildes ist bei Hellmut Schumann aus Zürich mit Isaac Newtons "Philosophiae Naturalis Principia Mathematica" in der ersten Ausgabe von 1687 zu haben. Kostenpunkt: 250 000 Euro.

Während die Altmeister-Graphik zum angestammten Sortiment gehört, ist moderne Kunst im fünfstelligen Bereich bisher eher selten auf Antiquariatsmessen zu sehen. Günter Linke hat die ersten sieben Nummern der Zeitschrift "Dada" für 38 000 Euro im Angebot. Der einstige Bürgerschreck ist heute salonfähig. Bei Peter Kiefer gibt es Bronzen von Käthe Kollwitz und Wilhelm Lehmbruck bis 68 000 Euro.

Auf der Antiquaria-Messe in der Ludwigsburger Musikhalle zieht sich das Thema "Vom Barocktheater zum Animationsfilm" durch das Angebot der 51 Händler. Passend dazu, wenn auch nicht repräsentativ für das Gesamtangebot, ist ein psychedelisch leuchtendes Gemälde von Ludwig Sievert mit einem Entwurf für das Bühnenbild der Mannheimer "Zauberflöte" von 1917, die das dortige Buch- und Kunstantiquariat Klaus Schubert für günstige 1 800 Euro anbietet. Noch preiswerter sind die Theaterplakate, die Messeorganisatorin Petra Bewer aus Stuttgart mitbringt.

Kommentare (2)

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Werner Sudendorf

25.01.2010, 00:11 Uhr

Ein koloriertes Metropolis Dia für 35.000,- Euro - das ist Schwachsinn hoch 35. Der Film war ja in schwarz/weiss. Von 3 Jahren wurden rund 100 Originalfotos für 13.000 Euro verkauft - das war schon teuer genug. Der Antiquar braucht wohl Presse, aber macht keine marktgerechten Preise.

Sophia

10.02.2010, 16:01 Uhr

Sehr geehrter Herr Sudendorf,
der blick in den Katalog verrät: "Rarität! Normale schwarz/weiße Movie Stills kommen
immer wieder auf den Markt. Unbekannt für den
berühmten Film Metropolis von Fritz Lang sind die
beiden vorliegenden handkolorierten, großformatigen
Original-Diapositive. Diese wurden am Set als Planfilm
für Werbezwecke aufgenommen. Als Photograph war
Eugen Schüfftan eingestellt. Das von Schüfftan und
Ernst Kunstmann entwickelte Spiegeltrickverfahren
kam in Metropolis erstmals im großen Stil zum Einsatz.
Fritz Lang´s klassischer Antifaschismus Science Fiction
Kinofilm der UFA aus dem Jahre 1927, basierend auf
dem Roman von Thea von Harbou. in den Hauptrollen
Gustav Fröhlich, Alfred Abel und brigitte Helm."

Schöne Grüße, Sophia

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