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04.01.2012

10:48 Uhr

Antiquarische Bücher

Zwischen kostbaren Deckeln

Paris ist Drehscheibe für den Handel mit antiquarischen Büchern. Jedes Jahr kommen Zehntausende von ihnen unter den Hammer. In diesem Winter kam die väterliche Bibliothek von Frankreichs First Lady, Carla Bruni-Sarkozy, an die Reihe.

Von Maurice Scève gedichteter "Mikrokosmos" in Alexandrinern, 1562. (Ausschnitt) Binoche & Giquello 2011

Von Maurice Scève gedichteter "Mikrokosmos" in Alexandrinern, 1562. (Ausschnitt)

ParisDie Auktionen mit antiquarischen Büchern zählen praktisch zum täglichen Brot der Pariser Versteigerer. Jahrelang werden die kostbar eingebundenen Schriften von akribischen Sammlern zusammengetragen. Emsig beschreiben die Spezialisten der Auktionshäuser und die freiberuflichen Experten, die häufig selbst Antiquare sind, jedes Jahr Zehntausende von ihnen. Im Hôtel Drouot ist das Antiquariat mit Sicherheit das aktivste Segment. Aber selbstverständlich profilieren sich auch die großen Häuser Sotheby’s, Christie’s und Artcurial-Briest-Poulain-F.Tajan auf diesem Gebiet.

Ganze Sammlungen sind die Zugpferde. Im vergangenen Herbst gab es einige herausragende Bibliotheken, die meist anonym angeboten wurden. Aber in Insiderkreisen war es ein offenes Geheimnis, dass die Gattin des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, Carla Bruni-Tedeschi-Sarkozy, nur die Straße vom Elysée-Palast zu Sotheby’s überqueren musste, um dort die Bibliothek ihres verstorbenen Vaters versteigern zu lassen. Der kultivierte italienische Industrielle, Komponist und Sammler Alberto Bruni Tedeschi (1915-1996) hatte viele kostbar gebundene Bände mit französischer und italienischer Literatur zusammengetragen. Am 9. November 2011 wurden sie von Sotheby’s für insgesamt 1,3 Millionen Euro versteigert.

Eine kolorierte Geschichte der Vögel

Der Pariser Antiquar Jean-Claude Vrain sicherte sich das höchstdotierte Los, die zehn Bände der Geschichte der Vögel von Buffon, erschienen zwischen 1770 und 1786 in Paris. 264.750 Euro bewilligte Vrain für die handkolorierten Vogel-Abbildungen in den Folio Bänden. Sie stammen aus der Bibliothek des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen. Sotheby’s bot am gleichen Tag einen zweiten Buch-Katalog mit 236 Losen an, von denen 66 zurückgereicht wurden. Der Umsatz für die 170 verkauften Lose betrug 3,5 Millionen Euro. Insgesamt wurden an diesem Tag 4,8 Millionen Euro eingefahren.

Eine weitere Bibliothek, vermutlich die Privatsammlung eines Pariser Antiquars, wird die Pariser Auktionen in den nächsten Jahren beliefern. Die erste Versteigerung fand im Hôtel Drouot statt, wo die Auktionatoren Binoche & Giquello am 8. November 1,4 Millionen Euro für 89 angebotene Lose umsetzten. Das teuerste Buch der Herbstauktionen stammt aus dieser „Bibliothek R. und B.L.“: ein von Maurice Scève gedichteter „Mikrokosmos“ in Alexandrinern, den der Lyoner Drucker Jean de Tournes 1562 setzte. Der Band ist von großer Seltenheit und in der wunderbaren Typografie des 16. Jahrhunderts gedruckt. Dem Käufer war er 322.400 Euro wert.

Die zweite Auktion dieser Bibliothek wird am 28. März von Binoche & Giquello gemeinsam mit Sotheby’s in den Räumen des internationalen Hauses organisiert. Sie umfasst illustrierte Bücher des 20. Jahrhunderts, deren Gesamterwartung bei 4 Millionen Euro liegt.

Der vom Antiquariats-Experten Dominique Courvoisier zusammengestellte erste Katalog sah für jeden angebotenen Buchtitel bis zu drei Seiten vor, selbstverständlich inklusive Abbildung. Das Aufwerten der einzelnen Buchlose ist eine neue Tendenz in Paris, um die sechs- bis siebenstelligen Preise für seltene, kostbare Exemplare zu rechtfertigen.

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