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18.10.2011

12:56 Uhr

Antiquitäten

Nur einmal mit Herzblut geboten

Den seit Jahren währenden Preiseinbruch bei Antiquitäten bekommt auch das Stuttgarter Auktionshaus Nagel zu spüren. Topstücke sind Mangelware. Das spiegelt auch das Ergebnis der jüngsten Herbstauktion.

Gillis Mostaert (1534-1598) zugeschrieben: "Ankunft der Heiligen Drei Könige im Stall", Öl auf Holz, Zuschlag bei 168.000 Euro bei Nagel in Stuttgart (Ausschnitt) Auktionshaus Nagel

Gillis Mostaert (1534-1598) zugeschrieben: "Ankunft der Heiligen Drei Könige im Stall", Öl auf Holz, Zuschlag bei 168.000 Euro bei Nagel in Stuttgart (Ausschnitt)

Stuttgart.Wenigsten einmal kam es zustande, jenes Bietgefecht, das so spannend sein kann wie ein Tennismatch. Mit nur 8.000 Euro war das Altmeistergemälde „Ankunft der Heiligen Drei Könige im Stall“ taxiert. Das Bild, das dem Antwerpener  Maler und Brueghel-Zeitgenossen Gillis Mostaert zugeschrieben ist, reizte viele Bieter der jüngsten Gemälde- und Antiquitätenauktion bei Nagel in Stuttgart. Erst bei 168.000 Euro fiel der Hammer zugunsten eines Saalbieters, der extra aus Belgien angereist war.

Mostaerts Gemälde, das für mehr als das Zwanzigfache der Taxe zugeschlagen wurde, bleibt mit Abstand das teuerste Los der Nagel-Auktion von Anfang Oktober. Von insgesamt  921 Losen wurde kein weiteres im sechsstelligen Preissegment weitergereicht. Fünfstellige Zuschläge lagen im Allgemeinen weit unter 50.000 Euro. Und von den 402, während der Auktion verkauften Antiquitäten und Gemälden blieb das Gros im Bereich der vierstelligen Taxen. Losbezogen setzte das Stuttgarter Haus Anfang Oktober knapp 45 Prozent ab. Nagel erreichte dennoch einen Gesamtumsatz von 2, 7 Millionen Euro (inklusive 33 Prozent Aufgeld) und damit sei man nicht unzufrieden, erklärte Rudolf Pressler von der Unternehmensleitung des Auktionshauses gegenüber dem Handelsblatt.

Preiseinbruch für Antiquitäten

Die Zahlen spiegeln den Preiseinbruch im Bereich Kunst und Antiquitäten jenseits der glanzvollen aber raren Topstücke wider. „Es ist eine Tatsache, dass viele Antiquitäten – bedauerlicherweise auch Möbel, für die Nagel vor Jahren eine der umsatzstärksten Adressen in Deutschland war – heute nur noch die Hälfte dessen erzielen, was früher bezahlt wurde.“, kommentiert Rudolf Pressler das Resultat gegenüber dem Handelsblatt. Nur das besondere Stück reüssiert, wie etwa ein westdeutscher Dielenschrank aus dem Rokoko. Bei einem Gebot von 17.000 Euro sicherte sich der deutsche Handel das kapitale Möbel, das vorsichtig mit 1.500 Euro taxiert war.

Marktfrische Ware aber hat Zugkraft. Nicht einen Rückgang verzeichnete Nagel bei den  Skulpturen der Sammlung des Münchner Medizinprofessors Josef Amann, die um 1900 zusammengetragen wurde und seither in Familienbesitz verblieb. Zahlreiche Taxen konnten verdoppelt werden. Auf  33.000 Euro kletterten die Gebote für die lebensgroße Figur des Heiligen Oswald (Schätzpreis 18.000 Euro) von Christoph Scheller. Die Skulptur von 1510 ging in den deutschen Handel.

Emotionslose Sammler

„Wenig Herzblut, wenig Emotionen“ registrierte Rudolf Pressler in Bezug auf die Fayence-Sammlung Metzger. Teuerstes Stück wurde mit einem Zuschlag von 6.000 Euro ein Nürnberger Walzenkrug von 1740 aus der Kordenbusch-Werkstatt. Im Auktionsaal fanden nur 45 von 102 Keramiken Bietinteressenten. Eingeschworene Sammler deutscher Fayencen sind preisbewusst und kritisch, weiß Pressler. Aber: „Wenn man sich als Privatmann das richtige Stück heraussucht, hat man gute Chancen, hervorragendes Kunsthandwerk zu soliden Preisen zu bekommen. Denn der Handel beteiligt sich auf dem Gebiet der Fayence-Krüge zur  Zeit nicht.“

Von

Sabine Spindler

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