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18.06.2012

08:06 Uhr

Antiquitätenmessen London

Stabil mit eigenem Profil

VonMatthias Thibaut

Es gibt fünf gute Gründe, im Juni nach London zu reisen: Wimbledon, Derby, die Galeriewochen für Altmeistermalerei und Zeichnungen, jede Menge Prestigeauktionen und drei Messen für die Alte Kunst. Jede hat inzwischen ihr eigenes Gesicht. Das macht sie stark: die feine Arts Antiques London, die individualistische Olympia-Fair und die edle Masterpiece.

Jenner & Knewstub: "Service de toilette", London 1870. Abigail Gold Antiquities, London

Jenner & Knewstub: "Service de toilette", London 1870.

LondonEin Auftritt der New Yorker Glamour-Band „Scissor Sisters“ unterstrich bei der Gala Eröffnung der „Arts Antiques London“ (bis 20. Juli), dass auch Sammler von altem Kunsthandwerk Gespür für den Zeitgeist haben. Die „Party in the Park“ neben dem Albert Memorial brachte eine halbe Million Euro für Diabetes-Forschung zusammen und lockte Scharen betuchter Schaulistiger ins luftige Zelt dieser „Messe für Connaisseurs“. Der formidable Start der „AAL“ war auch ein Beweis, dass die Londoner Messeszene nach Jahren des Umbruchs wieder eine stabile Form gefunden hat.

Aber wie lange wird es halten? Kaum haben die drei neuen Messen, die nach dem Abgang der honorigen Grosvenor Fair 2009 entstanden sind, ihre Identität gefunden, steht neue Konkurrenz vor der Tür. Im Oktober startet „Frieze Masters“, die auf alte, klassische und moderne Kunst spezialisierten Parallelaktion der Contemporary Frieze mit einer Liste von 90 hochkarätigen Edelgalerien aus aller Welt. Das wird ein Großangriff, der den Londoner Oktober, statt wie bisher den Juni, endgültig zum Jahreshöhepunkt der Kunstmarkt-Hauptstadt London machen könnte.

Zurück zum alten Format

Noch ist trotz Kälte jetzt der Wonnemonat, und es drängen drei große Antiquitätenmessen, die Galeriewochen für Altmeistermalerei und Altmeisterzeichnungen und jede Menge Prestigeauktionen in den Kalender zwischen Derby und Wimbledon. Höhepunkt wird die Masterpiece Luxus-Messe Ende Juni sein, sie soll edler, teuerer und besser werden als je (28. Juni bis 4. Juli). www.masterpiece.com

Zwei Messen machten den Auftakt: Noch vor der AAL eröffnete die Olympia Fair (bis 17. Juni) und meldete als Auftaktsensation den Verkauf eines 32-teiligen, vergoldeten „service de toilet“. 1708 wurde es von Benjamin Pyne für die Hochzeit der jungen Duchess of Norfolk bestellt. Die australisch-englische Vater und Tochter-Handlung Hawkins & Hawkins nannte als Verkaufspreis 1,5 Millionen Pfund. Aber solche Verkäufe sind auf der Olympia Messe nicht die Regel.

Nach all den Aufregungen um ehrgeizige Pläne, Londons neue Spitzenmesse zu werden, ist man wieder zum alten Format zurückgekehrt: Die großen Starhändler sind zur Masterpiece abgewandert; ohne dünkelhafte Standesunterschiede und zu vertretbaren Standpreisen tummeln sich nun wieder 200 individualistische Trödler, Provinzgrößen und fast 40 ehrgeizige Newcomer unter dem Glasdache der Olympia-Halle. Das macht die Olympia wieder zu der frischen, liebenswerten Messe, die sie einmal war. www.olympia-art-antiques.com

Originelle Mischhändler

Das Gesicht der Messe ist nun wieder von originellen Mischhändler wie Peter Petrou, dem legendären Gordon Watson oder Art Deco Spezialist Nick Haslam geprägt, die alle Design des 20. Jahrhunderts mit charaktervoller Altkunst mischen. Es gab mehr Möbel und Einrichtung, auch Textil- und Ethnografenkunsthändler kehrten zurück. Einrichter fühlten sich wieder auf der Messe wohl: Geoffrey Stead verkaufte gleich zum Start eine hölzerne, spanische Wendeltreppe für 28.000 Pfund, der Olympiakauf par excellence.

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