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01.05.2012

13:47 Uhr

Anton Corbijn

Einsamer Cowboy erzählt Witze

Schwermütige, schwarzweiße Fotografien von Rockmusikern sind Anton Corbijns Markenzeichen. Jetzt steht er selbst im Mittelpunkt eines Kinofilms. Mehr als drei Jahre lang begleitete die niederländische Regisseurin Klaartje Quirijns den publikumsscheuen Einzelgänger bei seiner Arbeit durch die halbe Welt. Ergebnis ist ein einfühlsames Porträt des arbeitswütigen Fotografen.

Still aus dem Film "Anton Corbijn Inside Out", 2012. (Ausschnitt) Klaartje Quirijns Film

Still aus dem Film "Anton Corbijn Inside Out", 2012. (Ausschnitt)

KleveMit der Kamera malt er die Welt schwarz-weiß. Wenig Buntes findet sich darin. Die Schwermut überwiegt in vielen seiner zumeist grobkörnig analogen Fotografien. Genau das aber ist das Markenzeichen von Anton Corbijn und entspricht am ehesten seinem Typ. Die niederländische Regisseurin Klaartje Quirijns hat sich diese – Corbijns – Arbeitsweise zu eigen gemacht und einen Film über den Starfotografen gedreht, der an die Machart seiner Fotos anschließt. In zumeist gedämpften Farben und ruhigem Ambiente entstand so das einfühlsame Porträt eines öffentlichkeitsscheuen Einzelgängers, das ihn mal auf dem Deich, mal in Hotelzimmern, mal bei seiner Familie, auf einem Konzert oder beim Säubern der väterlichen Grabstätte zeigt. Aber auch sein professionelles Tun wird sichtbar bei der Fotoauswahl, einer Ausstellungseröffnung, bei Dreharbeiten oder Fotoshootings mit der Band U2 und weiteren Größen der Popmusik.

Der Tod hing in der Luft

Dabei hält sich die Autorin selbst zumeist bedeckt, lässt in „Anton Corbijn Inside Out“ vielmehr andere, Wegbegleiter, Familie, Auftraggeber zu Wort kommen. Lediglich in der Eingangsszene und – wie zur Abrundung – am Ende des Films hört man ihre Fragen aus dem Off. Trotzdem ist in jeder Szene zu spüren, dass sie dem Menschen Corbijn verdächtig nahe kommt. „Meistens bin ich nicht unglücklich in meinem Leben. Das war ich als Jugendlicher viel mehr“, outet sich der überzeugte Single auf einer Couch in seiner karg möblierten Wohnung liegend. Hätte sich Corbijn nicht selber frei gestrampelt aus dem rigiden, calvinistischen Pfarrhaushalt („in dem der Tod ständig in der Luft hing“) und von der Schule verabschiedet, um Fotograf zu werden, wäre sein Glas vermutlich heute noch halb leer. „Meine Rebellion bestand darin, dass ich sehr wohl Ikonen liebte, aber eben andere als die kirchlichen“, begründet der 56-Jährige seinen Befreiungsschlag.

Der Typ auf dem Foto

Corbijns Ikonen waren die vielen Musikgruppen, für die sein Herz bereits in jungen Jahren höher schlug. Auf mehr als 100 Plattencovern von Künstlern wie R.E.M., The Bee Gees, The Rolling Stones und über 80 Musikvideos unter anderem für Popgruppen wie Joy Division, Nirvana, Johnny Cash und Metallica erfasste er, wie kein anderer, die Seelen der Musiker. Aber auch bei Depeche Mode, Herbert Grönemeyer und U2 trug der einstige Fan entscheidend zu deren Imagebildung bei. So zitiert im Film Grönemeyer Frontman Bono mit den Worten: „Als ich ein Foto von mir von Anton gesehen habe, beschloss ich, irgendwann der Typ auf dem Foto zu sein.“ Später folgen Fotos von weiteren Ikonen mit Kate Moss und Robert de Niro, diesmal aus der Mode- und Schauspielwelt.

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