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15.07.2011

00:00 Uhr

Antonio López

Auf der Suche nach dem Bild der Zeit

VonAngelika Stucke

Seine Bilder kosten bis zu einer Million Euro. Es gibt wenige, weil er so langsam malt. Jetzt wird der Spanier auch hierzulande gesammelt.

Antonio López: Das Stillleben mit griechischer Büste und blauem Kleid malte er 1958 und übermalte es 2011. Quelle: VG Bild-Kunst

Antonio López: Das Stillleben mit griechischer Büste und blauem Kleid malte er 1958 und übermalte es 2011.

MadridKurz vor der Eröffnung seiner ersten großen Ausstellung in seinem Heimatland seit 1993 lief der Spanier Antonio López geschäftig durch die weite Halle einer Gießerei, legte letzte Hand an eine Bronzestatue, die er "Mann aus Ávila" nennt, feilt hier, poliert da, schmirgelt dort. "Die Wirklichkeit ist immer im Fluss, deshalb kann auch ein Kunstwerk nie wirklich fertig sein", behauptet er. "Das ist völlig unmöglich!" Der 1936 in einem Dorf in La Mancha geborene Künstler ist bekannt dafür, dass er auch bei verkauften Arbeiten gern noch einmal den Pinsel anlegt - wenn ihm Gelegenheit dazu gegeben wird. Am liebsten hätte er das wohl auch noch beim Aufbau der aktuellen Ausstellung im Madrider Museum Thyssen-Bornemisza getan, den er mit Argusaugen beobachtet, als wir ihn begleiten. Er ist ein Perfektionist, der sich immer verbessern will. Es kribbelt ihm in den Händen: "Das hätte ich besser anders gemacht", murmelte er bei einem bildhauerischen Werk. Oder: "Da müsste noch etwas geändert werden!" bei einem Gemälde.
Einige auch von weniger kritischen Betrachtern als unfertige Arbeiten zu erkennende Werke sind im Thyssen-Museum unter 130 Gemälden, Zeichnungen und bildhauerischen Werken tatsächlich zu sehen. Ein Privileg für die Besucher, glaubt López, denn "ein Besuch der Ausstellung kommt einer Visite in meinem Atelier gleich". Einen Gast, der mit seiner Arbeit noch nicht vertraut ist, würde er gern an die Hand nehmen und einen chronologischen Rundgang starten. Mit den frühen Arbeiten aus den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zum Beispiel. Viele Familienporträts sind dabei: Bleistift- und Kohlezeichnungen, die wie mit der Zeit vergilbte Fotografien wirken. Die Schau ist fast so etwas wie eine gemalte Autobiografie. "Ich hoffe, das Publikum sieht die Werke mit wenigstens einem Teil der Gefühle, die ich in sie hineingelegt habe. Ich glaube, das wünschen sich alle Künstler", sagt der 75-Jährige. Einen Besucher, der sein Werk schon kennt, mit dem würde er dagegen am liebsten durch die Säle schlendern und sich dabei unterhalten. "Vielleicht würde ich ihm sogar Fragen zu meinen Bildern stellen", mutmaßt er. Am Porträt der Königsfamilie malt er fast 20 Jahre.
Der Ruf eines langsamen, aber unermüdlich Schaffenden eilt Antonio López voraus. Über Jahrzehnte arbeitet er an manchen Werken - und als fertig empfindet er sie eigentlich nie. An einem Porträt der spanischen Königsfamilie, einer Auftragsarbeit, sitzt er schon seit fast 20 Jahren. Viele hätten das Bild jetzt gern im Thyssen-Museum gesehen, aber das lässt der Vertrag mit dem Auftraggeber leider nicht zu.

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