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13.04.2011

19:00 Uhr

Arabische Kunst

Revolutionärer Aufbruch am Golf

VonMatthias Thibaut

Noch ist Saudi Arabien eine Kunstwüste, ohne Galerien, ohne Museen und ohne Kunstmarkt. Der saudische Kunststar Abdulnasser Gharem will, dass sich das ändert. Deshalb soll Christie’s in Dubai sein Hauptwerk versteigern.

Die im Felsendom gefangene Friedenstaube. Das Werk von Abdulnasser Gharem soll Christie's versteigern. Quelle: Christie's

Die im Felsendom gefangene Friedenstaube. Das Werk von Abdulnasser Gharem soll Christie's versteigern.

LondonAls „Rockstar der saudiarabischen Kunst“ fährt Abdulnasser Gharem einen riesigen 4x4 Geländewagen. Aber sein Geld verdient er in seinem „Tages-Job“ als Oberstleutnant der saudischen Armee. Das Zeichnen lernte er in Abha in der Kunststiftung von Prinz Khalid Al Faisal, dem ältesten Sohn des verstorbenen König Faisal und Malerfreund von Prinz Charles. Aber ein Blatt vor den Mund nimmt er deshalb nicht: „Als Künstler muss man schlau sein. Man muss seine Gedanken auf richtige Art darstellen, damit es keinen Zusammenstoß mit den anderen gibt“, beschreibt er seine Kunstpraxis dem Handelsblatt. Gharems Widersprüche, das Schweben zwischen Widerborstigkeit, Selbstbewusstsein und Anpassungsfähigkeit, sind wohl typisch für die Kunst des Nahen Ostens in einer Zeit des Aufbruchs.

Gharem ist Mitbegründer der Künstlergruppe „Edge of Arabia“ die in den letzten drei Jahren in europäischen Hauptstädten ausstellte und bei der Art Dubai im März die Show „Terminal“ zeigte – alles mit Unterstützung der königlichen Familie. Am 19. April werden in Christie’s Contemporary Auktion in Dubai sechs von „Edge of Arabia“ Künstlern gestiftete Werke versteigert. Die Gruppe will Geldmittel für ihr Bildungsprogramm. „Wir haben es auf uns genommen, der nächsten Künstlergeneration in Saudi Arabien zu helfen“. Saudi Arabien ist eine Kunstwüste, ohne Galerien, ohne Museen, ohne Kunstmarkt und Gharem will, dass andere nicht mehr ganz von vorne anfangen müssen wie er.

Eine Friedenstaube als Gefangene

Bei Christie’s wird „Message/Messenger“ versteigert, „eines meiner wichtigsten Werke“: Eine drei Meter Replik der Goldenen Kuppel des Felsendoms als Falle, in der eine kleine Friedenstaube sitzt. Ein politisches Werk? „Es geht um die Übertreibung, um das Überreagieren überall in der Welt. In Israel, zwischen Schiiten und Sunniten, bei den Amerikanern, wo einer den Koran verbrennen wollte, in Afghanistan, Jemen, Syrien, Ägypten, überall wird überreagiert.“ Die Schätzung beträgt 70.000 bis 100.000 US-Dollar – ein riesiger Preis.

Gharems Auktionshöchstpreis beträgt 8750 Dollar. Aber Sammler aus den Goldstaaten bezahlten für seine „Gummistempel Gemälde“ bereits über 50.000 Dollar bezahlt.. Sie werden mit Stempelkissen aus einer österreichischen Fabrik gemacht, die islamische Ornamentik und westliche Figuration verbinden. In den neuesten Bildern der „Men at work“-Serie tauchen aus der Ornamentik islamischer Kunst die schwarzen Silhouetten von Soldaten auf.

„Ich spreche nicht zu einer bestimmten Gruppe, ich bin gegen niemand, gegen keine Ideologie. Ich sage nicht, die Schiiten haben recht oder unrecht, die Regierung hat recht oder unrecht. Ich zeige einfach die Dinge, wie ich sie sehe”. Gharems Kunst ist nicht explizit politisch, aber sie steht mitten in den Prozessen der Kommunikation, Selbstdarstellung und Selbstbefragung, die nun für so epochale Umwälzungen im Nahen Osten sorgen.

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