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19.02.2012

11:53 Uhr

Arco

In Madrid dominiert die Fotografie

VonOlga Grimm-Weissert

Auch in diesem Jahr lockt die spanische Messe für zeitgenössische Kunst, Arco, wieder Sammler und Verkäufer aus über 30 Ländern nach Madrid. Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr eindeutig auf der Fotografie.

German Gomez' „From Whisper to Cry“ ist mit 16.000 Euro angesetzt. Galeria Fernando Pradilla

German Gomez' „From Whisper to Cry“ ist mit 16.000 Euro angesetzt.

MadridDie Qualität einer Messe lässt sich auch am Zuspruch bedeutender Sammler ablesen. Aus Europa, den USA und dem Mittleren Orient waren in diesem Jahr nicht weniger als 200 wichtige Sammler zur Madrider ARCO geladen. Zu Berühmtheiten wie Mera und Don Rubbel aus Miami und Farhad Farjam aus Dubai gesellten sich zahlreiche Europäer, die Werke im Preisbereich unter 30.000 Euro erwarben. Noch bis zum 19. Februar präsentiert die ARCO 216 Galerien aus 30 Ländern.

58 der teilnehmenden Galerien sind in ein kuratiertes Programm eingebunden, das jungen Künstlern und Galeristen ein Forum bietet. Das diesjährige Gastland Holland tritt mit 14 Galerien an, die überwiegend spröde, fast rebellisch gestaltete Stände präsentieren. Der Sektor „Opening“ vereint 22 europäische Galerien, die erst seit 2004 existieren. Deren Positionen enttäuschen jedoch ebenso wie die 22 Stände unter dem Motto „Solo Projects“: Die ausgestellten jungen Künstler imitieren die Kunst ihrer Akademieprofessoren.

Direktor Carlos Urros machte im Gespräch auf die Galerie El Museo aus Bogota (Kolumbien) besonders aufmerksam, die ausdrucksstarke Männerköpfe des 39-jährigen Spaniers German Gomez zeigt, die dieser schichtweise auf Metallunterlagen fotografierte. „From Whisper to Cry“ zeigt die Gesichter von Männern in dem dramatischen Moment, als sie von ihrer HIV-Infektion erfahren. Das Werk ist mit 16.000 Euro angesetzt.

Schon rein zahlenmäßig dominiert in diesem Jahr die Fotografie auf der ARCO. Die deutschen Fotokünstler setzen sich qualitativ und preislich eindeutig ab: die historischen Serien von Jürgen Klauke bei Hans Mayer, Düsseldorf (von 1990/1992) bzw. bei Helga de Alvear, Madrid (von 1973) kosten bis 80.000 Euro. Ein schwarz-weißes Unikat (plus ein Künstlerexemplar) von Wolfgang Tillmans, „Ushuaia Favela (b-w) C°1/1“ von 2010 ist bei Juliana de Aizpuru, Madrid, für 45.000 Euro zu haben.

Brigitte Schenk, Köln, zeigt drei schwarz-weiße Blumen-Stillleben von Walter Schels für je 9000 Euro. Barbara Gross aus München bietet die eigenwilligen Fotospiegelungen von Sabine Hornig für 8000 bis 12.000 Euro an. Esther Schipper, Berlin, hat die neueste Serie von Thomas Demand im Gepäck (je 30.000 Euro), die ab März in einem Privatmuseum in Sydney gezeigt wird.

Im letzten Jahr überzeugte der Malerei-Sektor der ARCO. In diesem Jahr geht die Tendenz hin zu Skulpturen, insbesondere Wandskulpturen. Der Berliner Mehdi Chouakri, der einen der überzeugendsten Stände der Messe zusammenstellte, verkaufte an die immense Sammlung seiner Kollegin Helga de Alvear eine zweiteilige gelbe Arbeit „Series B Reliefs“ der 1985 verstorbenen radikalen Künstlerin Charlotte Posenenske. Alvear musste für den auf der Dokumenta XII ausgestellten Prototyp 120.000 Euro anlegen. Die Innsbrucker Galerie Elisabeth & Klaus Thoman wartet mit der biegsamen „Körperschleife“ des österreichischen Provokateurs Franz West von 1974 für 140.000 Euro auf. Thoman verkaufte vor elf Jahren Wests „Sitzwurst“ an den Londoner Galeristen Faggionato, der sie nun auf der ARCO für 200.000 Euro anbietet.

Das Preissegment über 500.000 Euro ist kaum zu finden: Georg Nothelfer, Berlin, brachte ein wildes Gemälde von Kazuo Shiraga für 600.000 Euro mit. Bei Lelong, Paris, hängt eine große abstrakte Malerei von Sean Scully für 750.000 Euro und bei Edward Tyles Nahem, New York, eine Abstraktion von Joan Mitchell für 570.000 Euro. Für die teuersten Positionen sorgt Leandro Navarro, Madrid, der einen kleinen Salvador Dali von 1948 für 1,5 Millionen Euro offeriert. Die Moderne rundet den Gesamteindruck der diesjährigen ARCO positiv ab.

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