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22.09.2015

18:38 Uhr

ARD und RTL

Wettlauf um die Adidas-Story

VonOliver Stock

ARD und RTL drehen beide einen Film über das ungleiche Brüderpaar Dassler, das die Sportschuhfirmen Puma und Adidas gründete. Sie machen Lust auf einen Wirtschaftskrimi, der allenfalls von VW getoppt werden könnte.

Die Geschichte der ungleichen Brüder wird von der ARD und von RTL verfilmt. RTL

Rudolf und Adolf Dassler

Die Geschichte der ungleichen Brüder wird von der ARD und von RTL verfilmt.

Klar, die Geschichte hat was: Gäbe es da nicht gerade den Krimi um Volkswagen, hätte das, was sich über Jahrzehnte in Herzogenaurach abspielte, Anspruch darauf, Deutschlands tragischste Wirtschaftsgeschichte zu sein. Es geht um die Dasslers, die Turnschuh-Dynastie, gegründet von zwei Brüdern, die sich nie liebten und deren Abneigung schließlich dazu führte, dass in dem fränkischen Dorf gleich zwei Weltkonzerne entstanden, die noch immer auf dem Sportmarkt eine große Nummer sind: Adidas und Puma.

Vielleicht ist diese doppelte Entwicklung daran schuld, dass jetzt auch gleich zwei Fernsehsender sich anschicken, die Geschichte der Sportfeinde aus Herzogenaurach zu verfilmen. Die ARD und RTL planen beide einen eigenen Spielfilm über die Dasslers. „Das Thema ist so groß, das reicht für viele Filme. Und dass Wettbewerb funktioniert, zeigt ja schon die Geschichte von Adidas und Puma“, sagt Quirin Berg, der gemeinsam mit Max Wiedemann den Film für die ARD produziert, dem Handelsblatt. Bei RTL sprechen die Produzenten von einer „emotionalen Heldengeschichte“, die sie da in Szene setzen wollen.

Den Stoff haben also beide erkannt. Bei der ARD, die einen Zweiteiler plant, setzt die Geschichte etwas früher ein. 1923 fassen die Brüder Rudolf und Adolf Dassler, Söhne einer Wäscherin und eines Webers, den Entschluss, eine Schuhfabrik zu gründen. Die beiden haben Charakterzüge, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten: Adolf „Adi“ Dassler tüftelt in der Waschküche an Laufschuhen, die besonders leicht und haltbar sein sollen.

Er schleppt Überbleibsel des Krieges zusammen, klebt und schneidet Lederstreifen aus Uniformen, Stofffetzen aus Brotbeuteln, Verstärkungen aus Stahlhelmen. Rudolf „Rudi“ Dassler ist kommunikativer, geschmeidiger, der „Puma“ nennen sie ihn. Er ist der ideale Verkäufer. Wenn er später loszieht und mit ein paar neuen Schuhen aus der kleinen Fabrik die Sportplätze abklappert, kehrt er stets ausverkauft zurück.

Zunächst ergänzen sich die Talente der Brüder, doch als beide heiraten, wird der Graben zwischen ihnen tiefer. Rudis Frau Friedl kümmert sich um die Familie, Adis Frau Käthe allerdings mischt sich ins Geschäft ein. Der Krieg treibt die Familien weiter auseinander. Rudolf muss in den Schützengraben, Adi bleibt zu Hause, weil die Nazis auch einen Sportschuhfabrikanten für unabkömmlich in seiner Fabrik erklären.

1948 trennen sich beide Familien und aus einem Unternehmen werden zwei, eins links des Flüsschens Aurach, das andere rechts davon. Beide beobachten sich misstrauisch. Es beginnt das ewige Duell zwischen Adidas und Puma. Die Fußballweltmeisterschaft 1954 in Bern wird zum ersten Schaulaufen beider Marken. Die nächste Dassler-Generation, die in Herzogenaurach an die Firmenspitze gelangt, setzt den Kampf darum, wer der wahre Turnschuhgigant ist, mit unverminderter Härte fort.

„Die Geschichte der Dassler-Brüder, die sich entzweien, ist einerseits tragisch, andererseits aber eben auch eine der großen deutschen Erfolgsgeschichten“, beschreibt Produzent Quirin das, was ihn an den Dasslers fasziniert. Sowohl ARD als auch RTL, die sich auf die Nachkriegszeit konzentrieren, haben in den Archiven von Adidas und Puma recherchiert und den Stoff dann dramatisiert. „Wir wollen der wahren Geschichte so gerecht wie möglich werden“, sagt Quirin. „Das Entstehen von Mythen und Marken hat uns Menschen schon immer fasziniert, vielleicht auch weil Erfolgsgeschichten anderer uns selbst motivieren können.“

Beide Sender fahren prominente Schauspieler auf. Ken Duken und Torban Liebrecht spielen das ungleiche Brüderpaar bei RTL. Duken hat gerade in „Frau Müller muss weg“ an der Seite von Anke Engelke einen Erfolg gefeiert.

Beim ARD-Zweiteiler verkörpern Christian Friedel, zuletzt als Hitler-Attentäter Elser erfolgreich, und Hanno Koffler Adi und Rudi Dassler. Drehstart ist jetzt, zu sehen sein werden beide Filme im nächsten Jahr – ob nach so viel Wettlauf auch zur gleichen Sendezeit, können beide Sender noch nicht beantworten.

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