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18.06.2011

15:42 Uhr

Art Basel

Fragen an die Gesellschaft

VonSusanne Schreiber

Die Art Basel ist die wichtigste Messe für Klassische Moderne und zeitgenössische Kunst. Neben viel Malerei erhält in diesem Jahr auch gesellschaftskritische Kunst eine Chance sich zu präsentieren.

Kandell Geers: Begehbare Installation "Hanging Piece" Quelle: Stefan Pangritz

Kandell Geers: Begehbare Installation "Hanging Piece"

BaselWeitgehende Leere herrscht am großen Stand der Galerie Neugerriemschneider. Nur fünf mannshohe Porzellanvasen und altchinesische Stühle aus der Documenta-Aktion um den Arbeitstisch machen klar, dass es den Berlinern um ein Statement für Ai Weiwei geht. Sein Werk muss gezeigt werden, damit im Bewusstsein bleibt, dass chinesische Behörden den kritischen Konzeptkünstler ohne Anklage vor elf Wochen gefangen genommen haben. Verkauft werden Werke der anderen Stammkünstler, diesmal ausschließlich per Foto.

Ai Weiwei ist auf der 42. Art Basel natürlich auch bei Urs Meile, seinem Hauptgaleristen seit 20 Jahren, präsent: hier mit drei Reisekoffern. An der alten Stadtmauer im St.-Alban-Tal hat die Messe einen frei zugänglichen „Art Parcours“ eingerichtet und zwei Großplakate aufgehängt. Sie porträtieren je 250 Teilnehmer der „Fairytale“-Aktion für Kassel, als Ai Weiwei 1001 Chinesen in die Documenta-Stadt holte.

Gesellschaftspolitisch geht es auch zu am Stand der Galerie Sfeir-Semler aus Hamburg und Beirut, die zum ersten Mal teilnimmt. Wael Shawky visualisiert die Brüchigkeit nationaler Symbole durch Fahnen aus Sandpapier, deren Sterne aus Draht sich gerade auflösen (5000 Euro). Und nebenan in der Halle für „Art Unlimited“ schafft Mona Hatoum einen undurchdringlichen Kubus aus Stacheldraht. Die fleischzerfetzenden Drähte hängen dicht an dicht von der Decke. Von weitem sieht er harmlos aus wie ein schwebender Kubus der Minimal Art. Erst beim Herantreten erkennt das Auge die tödlichen Widerhaken (Galerie Continua, White Cube).

Eine Messe dient dem Verkauf; deshalb breiten die meisten Aussteller die Vielfalt ihrer Künstler aus. Doch in Biennale-Jahren hinterlassen die in Venedig ausgestellten Künstler ihre Spuren auch in Basel. Von den Transformationsprozessen in sozialistischen Staaten erzählt das große Architekturmodell, das der Georgier Andro Wekua aus der Erinnerung, dafür aber sehr präzise geschaffen hat. 70.000 Franken kostet das Unikat bei Peter Kilchmann aus Zürich. Bei Christian Nagel, Berlin, erinnert ein Linolschnitt von Thomas Kilpper an den Moment, in dem Guillaume Willy Brandt verrät. Das Duo Allora Calzadilla bleibt auf der „Art Unlimited“ hinter der Erwartung zurück. Es ertränkt das Symbol der Gerechtigkeit in Tonnen von weißem Schaum (Galerie Chantal Crousel).

Nicht auf die Beschreibung des Jetzt-Zustandes, sondern auf die Utopie einer Frauen-Kommune zielen die Fahnenentwürfe der gerade sehr angesagten Genferin Mai-Thu Perret. Sie näht streng geometrische Formen der russischen Avantgardisten auf hellen Stoff (9000 bis 13.000 Euro, Galerie Barbara Weiss).

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